Review: Iron Sky: Wir kommen in Frieden!

Fast eine halbe Million Kinobesucher haben sich den Film in Deutschland angeschaut. Ende Oktober ist der Film auf Blu-ray erschienen, womit wir endlich die Gelegenheit bekommen haben, um uns mit Iron Sky: Wir kommen in Frieden! auseinanderzusetzen.

Um Iron Sky zu verstehen, müssen wir ins Jahr 1945 zurückdenken. Die Rote Armee steht wenige hundert Meter vor der zerstörten Hauptstadt Berlin, Hitler begeht Selbstmord und ein paar Tage später kapituliert die deutsche Wehrmacht bedingungslos. Der Nationalsozialismus hat in Deutschland sein Ende gefunden, doch Iron Sky greift jetzt die Theorie auf, dass Hitler Raumschiffe hat bauen lassen, mit denen ein kleiner Teil der deutschen Bevölkerung auf den Mond geflogen ist, wo sie ihre Ideologie von der Herrenrasse weiter hat ausleben können. Im Film schreiben wir jedoch mittlerweile das Jahr 2018. Damit die Präsidentin der Vereinigten Staaten von Amerika wiedergewählt wird, entscheidet sie sich dazu, nach 49 Jahren zwei neue Astronauten auf den Mond zu schicken, um Gefühle beim amerikanischen Volk zu wecken, doch dann ändert sich das Leben der Mond- und Erdenbewohner schlagartig. Während einer der beiden Astronauten bei Entdeckung einer Fabrik auf dem Mond direkt erschossen wird, ist dem anderen Astronauten einigermaßen das Glück hold, doch ist dieser afroamerikanischer Abstammung. Die Nationalsozialisten nehmen an, dass er zur Stoßtruppe der Erde gehört und die Invasion auf dem Mond einläuten will. Der Führer, Wolfgang Kortzfleisch, will durch die Gefangennahme des Astronauten James Washington den Invasoren zuvorkommen.

Facetten des Nationalsozialismus

Hauptsächlich dreht sich die Handlung des Films jedoch um Klaus Adler, welcher selbst gern der neue Führer sein möchte und jetzt seine Chance sieht, dieses Ziel zu erreichen. Zusammen mit der Lehrerin Renate Richter und Washington begibt er sich auf die Erde, um einige Smartphones zu beschaffen, denn diese erreichen mehr als die tausendfache Geschwindigkeit des modernsten Computers auf der Mondbasis. Diese sollen das neue Flagschiff des Reiches, die Götterdämmerung, flugtauglich machen. Auf der Erde gelingt es Adler jedoch, zur US-Präsidentin vorgelassen zu werden, unterstützt sie in ihrem Wahlkampf und kann so später bequem einen Krieg zwischen den beiden Planeten anzetteln. Die Charaktere des Film zeigen verschiedene Facetten des Nationalsozialismus und selbstverständlich auch den Widerstand. Die intellektuelle Lehrerin Richter (Julia Dietze) erkennt somit zum Beispiel, wie sehr ihre Weltanschauung durch die nationalsozialistische Propaganda beeinflusst wird. Adler (Götz Otto) und Kortzfleisch (Udo Kier) nutzen hingegen ihre Machtpositionen aus, beeinflussen die Minderheiten und zwingen somit jedem die nationalsozialistische Ideologie auf. Während die Schauspieler ihre Rollen hervorragend verkörpern, ist es leider das Drehbuch, welches die Thematik zu sehr ins Lächerliche zieht. Eine Komödie soll unterhalten, aber nicht langweilen.

Einfallslose Komödie

Nur in einigen wenigen Szenen wird es für den einen oder anderen Zuschauer doch etwas makaber, wenn zum Beispiel bei Schüssen die ersten Töne der deutschen Hymne zu erkennen sind oder die Mobilisierung der Kräfte mit dem Walkürenritt von Richard Wagner unterlegt wird. Auch lustig ist die Behauptung, dass Charlie Chaplin in seinem Film zeigen wollte, wie groß Hitler gewesen sei und wie die Welt eines Tages ihm gehöre. Jene Momente sind jedoch selten. Viele Gags sind eher albern und deutlich weniger tiefgründig – sie zaubern uns nur ein müdes Lächeln ins Gesicht! Dabei hat man doch in Filmen wie Frühling für Hitler oder Mein Führer schon gesehen, wie geistreich man eine Komödie mit nationalsozialistischem Einfluss umsetzen kann und das gesamte System dabei noch kritisiert. Das möchte Iron Sky vielleicht auch nicht, denn so cool die Story um und von den Nationalsozialisten hinterm Mond für einen Science-Fiction-Film auch klingen mag, sie ist es einfach nicht. Wären nicht die guten Darsteller und die verhältnismäßig überdurchschnittlichen Spezialeffekte während der großen Weltraumschlacht am Ende des Films, würde der Film schnell in der Versenkung landen. Das Bonusmaterial gibt nur wenig Einblicke in den Film, aber immerhin befindet sich auf der Disc noch ein englischer Audiokommentar. Das Gesamtbild ist jedoch überraschend enttäuschend.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Vor mehr als einem Jahr hat ein Freund von diesem Film geschwärmt, auf den er so lange gewartet hat. Entsinne ich mich richtig, hat sich eben dieser Freund den Streifen auch im Kino angeschaut und war begeistert. Nachdem ich endlich die Gelegenheit hatte, mir den Film selbst anzuschauen und ich mich sogar schon richtig darauf gefreut hatte, wurde ich doch sehr enttäuscht. Schulisch bedingt habe ich im letzten Jahr den Nationalsozialismus abermals durchgekaut und zur Abwechslung auch Filme gesehen, die das nationalsozialistische Regime kritisierend, aber dennoch komödiantenhaft in Szene setzen. Ähnliches habe ich mir bei Iron Sky erhofft und meine Erwartungen wurden bei weitem nicht erfüllt. Ich kann nicht verstehen, wie man um einen Film einen Hype entwickeln kann und dann ein unterdurchschnittliches Produkt abliefert. Die Gags sind schwach und die Handlung ist hanebüchener Unsinn. Einzig und allein die durchweg gelungene Besetzung und die Spezialeffekte bewahren den Film noch vor der untersten Schublade. Timo Vuorensola hätte sich mit Iron Sky deutlich mehr Mühe geben müssen. So bleibt der Film interessant für jene, die einen anspruchslosen Humor zu schätzen wissen und auch sonst kaum Erwartungen an einen Film stellen. Iron Sky: Wir kommen in Frieden! brauche ich mir sicherlich nicht ein weiteres Mal ansehen, denn dafür ist mir die Zeit einfach zu schade.

Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Iron Sky: Wir kommen in Frieden!

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