Review: Metro: Last Light

Metro - Last Light (1)Nach dem Erfolg der Bücher, rund um die postapokalyptische Welt und das Leben in den U-Bahn Stationen Russlands, sowie dem ersten Spiel des Franchises, erscheint nun ein neuer Titel in der von Dmitri Gluchowskis erschaffener Welt.

Metro - Last Light (2)Während sich Metro 2033 noch einigermaßen an die Vorlage des Buches hielt, schweift der zweite Teil jedoch ein wenig ab. Im Gegensatz zum Buch hat unser Spielheld Artjom seine letzte Aufgabe überlebt und so erfahren wir eine weitere Geschichte über ihn, welche es in keinem Buch zu lesen gibt. Nachdem Artjom die Mutantenwesen, die so genannten Schwarzen, vernichten konnte, plagen ihn nun jede Nacht wiederkehrende Träume über seine Vergangenheit. Gleich im Intro erfahren wir, wieso Artjom wohl niemals seinen Seelenfrieden finden dürfte – aufgrund dessen, was er mit den Mutantenwesen angestellt hat. Last Light knüpft in etwa da an, wo Metro 2033 aufgehört hat. Dabei wird die Geschichte parallel zum Buch Metro 2034 erzählt, indem Artjom nur als Randbemerkung erwähnt wird. Wir begeben uns also wieder in den Untergrund der Metro, wo Gefahren auf uns lauern und wir das menschliche Elend in einer dürsten Atmosphäre verpackt serviert bekommen, sowie in einigen Passagen in die postapokalyptische Oberwelt, in der wir kein einziges Haus mehr aufrecht stehen sehen und Mutanten täglich auf uns als Nahrungsquelle warten. Für Spieler, die Metro 2033 nicht kennen, lässt sich sagen, dass ein Atomkrieg die Planetenoberfläche unbewohnbar gemacht hat und sich die Bevölkerung in das U-Bahn-System zurückzog.

Lebhafte Spielwelt

Metro - Last Light (3)Das Leben im Untergrund sollte an sich schon hart klingen, jedoch kommen auf die Überlebenden noch wesentlich mehr Probleme zu, als man annehmen sollte. Nachdem die Menschheit vom Aussterben bedroht ist, sollte man meinen, dass sie sich gegenseitig helfen und sich die Überlebenden füreinander einsetzen. Stattdessen ist das Leben genau so erbärmlich wie vor der Katastrophe. Neben Mutanten und der radioaktiven Oberfläche gibt es zu allem Überfluss politische Splittergruppen, welche versuchen, die Metro an sich zu reißen, um ihr System und ihre Ordnung zu verbreiten. Eine Gruppierung sind die Nachfolger der sowjetischen Roten Armee, welche eine kommunistische Ordnung schaffen möchte. Dann haben wir noch die nach Rassenreinheit strebenden Nationalsozialisten, welche absurd die Kopfformen von Menschen messen, um die Reinheit zu bestimmen. Passt dabei ein Mensch nicht in ihr Ideal, wird dieser exekutiert. Als dritte Gruppierung ist noch die so genannte Hanse zu erwähnen – eine Handelsstadt, welche die Hauptstation der Metro ist, weil alle Linien sich genau dort treffen. Diese Stadt ist eher als neutral anzusehen, da ihr Augenmerk auf das Handeln mit anderen liegt und sie kein aggressives Vorgehen befürwortet. Wir bekommen also eine funktionierende mit vielen Facetten präsentiert.

Klassischer Ego-Shooter

Metro - Last Light (4)Auch spielerisch wird versucht, eine gewisse Stimmung aufzubauen. Zwar sieht alles nach einem normalen Ego-Shooter aus und spielt sich auch so, jedoch gibt es Kleinigkeiten, welche immer wieder für eine stimmungsvolle Kulisse sorgen. So müssen wir manuell uns den Dreck von der Gasmaske wischen wenn unser Sichtfeld Matsch abbekommen hat und zudem auf die Haltungsdauer unserer Filters achten, um diesen auch zeitgerecht auszutauschen. An der Oberfläche geht nämlich nichts ohne unsere Gasmaske, da die radioaktive Strahlung schnell den Spieltod herbeiführen kann. In der Metro hingegen sind wir auf Licht angewiesen. Da Batterien eine Seltenheit sind, haben wir eine Lampe, welche wir im Spielverlauf immer mal wieder aufladen müssen. Dazu können wir eine Art Pumpe rauskramen, um durch stetiges Pumpen unsere Batterie wieder aufzuladen. All das gibt uns das Gefühl, als ob wir uns wirklich in den Hauptcharakter hineinversetzen und eine Individualität vom feinsten geboten bekommen. Ansonsten finden sich gewisse Standards wieder, wie das Aufrüsten unserer Waffen mit Schalldämpfer oder Visiere, sowie unterschiedliche Wurfgeschosse. Die Ego-Shooter-Mechanik ist sehr solide und eingängiger als noch im Videospielvorgänger und sorgt gleichzeitig für ein wunderbares postapokalyptisches Gefühl.

Gefühl von Angst und Unsicherheit

Metro - Last Light (5)Die radioaktiv verseuchte Oberwelt ist ebenso schön wie bedrohlich, was sicherlich viel mit der hauseigenen 4A-Engine zu tun hat. Diese zaubert nicht nur stimmige Wetterlandschaften und bedrohliche Häuserschluchten auf den Schirm, sondern auch schmutzige U-Bahn-Stationen, detailgetreue Waffen und gruselige Mutanten. Für besondere Stimmung sorgen die Licht- und Schatteneffekte, Partikel und sehr aufwändig modelliertes Wasser. Alles was die Kulisse betrifft, beweist Metro: Last Light, dass es keiner Grafik-Engine hinterher hinkt. Hier muss sich der Entwickler nicht vor Größen wie Crytek und Dice verstecken. Einzig zu kritisieren sind die Bewegungen einzelner Charaktere, welche sehr steif aussehen und ihre Mimik unglaubwürdig gedeutet werden kann. Hier hätte man mit besserem Motion Capture arbeiten sollen, um die Stimmung in Konversationen oben zu halten. Auch der russische Akzent wurde in unseren Augen zu überzogen hinübergebracht, so dass selbst russische Kollegen das eine oder andere mal schmunzeln bei der Aussprache mussten. Aber gerade die Engine sorgt dafür, dass uns viele Momente im Spiel berühren und schockieren, gerade was die menschliche Moral betrifft. Wenn man viele Leute kümmernd um ein Feuer stehen sieht, dann kommt das Gefühl von Angst und Unsicherheit in uns hervor.

Von Menschen und Mutanten

Metro - Last Light (6)Bei einer atemberaubenden Kulisse muss leider einer leiden, nämlich die künstliche Intelligenz. Wenn diese mitspielt, entwickeln sich unterhaltsame Projektilschlachten, wovon keiner zu treffen vermag. Auch wenn wir mit der Taschenlampe im Dunkeln vor einem Gegner stehen, vermag dieser uns nicht zu sehen und stattdessen die Situation für ungefährlich zu halten. Selbst wenn wir in einer Gegnergruppe den einen oder anderen mit einer Schalldämpferpistole abschießen, so reagieren die umher stehenden nicht. Daher ist es eigentlich relativ einfach, sich mit Schalldämpfer ausgerüsteten Waffen und Wurfmessern im Dunkeln zu bewegen und die Gegner systematisch auszuschalten. Sie lassen sich auch häufig wie Hühner auf der Stange einer nach dem anderen aus dem Weg räumen oder sie rennen verzweifelt von einer Deckung zur nächsten, um dann wieder zu ihrer alten Position zurückzukehren, wo vor zwei Minuten noch ein Verbündeter gefallen ist. Selbst auf laute Geräusche, wie das Zerbrechen einer Glasscheibe, wird nicht reagiert. Wir können somit machen, was wir wollen, doch schenkt man uns einfach keine Beachtung. Somit sind nur noch die Mutanten eine Bedrohung, welche uns wenigstens immer direkt und aggressiv angreifen, aber denen dienen wir ja auch als Nahrung.

Geschrieben von Axel Gutsmiedl

Axels Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Ich bin eigentlich sehr zufrieden mit dem Spiel und hatte meinen Spaß. Wenn man erst mal über die schlechte künstliche Intelligenz hinwegschauen kann, so bekommt man eine hervorragende Spielwelt mit einer dichten Stimmung präsentiert. Für Fans der Bücher, wie ich es auch bin, ist das Spiel ein absoluter Must-Have-Titel, da man viele Parallelen zu Beschreibungen der Umgebung wiederfindet. Auf den Stationen sieht man die unzählige Menschenmasse, überall wird laut geredet, so dass man seinen Nachbarn nicht mehr verstehen kann, die Leute grillen sich Ratten am Feuer und trinken Pilztee und ab und zu hört man einen an seiner Gitarre spielen und einen schönen Song singen, während die Umgebung einfach nur trostlos aussieht. Genau wie im Buch beschrieben entdeckt man all diese Eigenschaften wieder. Selbst die düstere Atmosphäre in den Tunneln der U-Bahn, die Geräusche verstorbener spielender Kinder in den Rohrleitungen, sowie das Jaulen der Mutanten an der Oberfläche. Ein in sich stimmiges Spiel mit einer ausgeprägten Atmosphäre.

Vielen Dank an Deep Silver für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Metro: Last Light!

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