Review: Shi Ki (Band 1)

Shi Ki (Band 1)Abgelegene und unscheinbare Dörfer, geplagt von mysteriösen Vorfällen, Ereignissen und Verbrechen sind sicherlich nicht keine unverbrauchten Schauplätze für Krimis, Mystery- oder Horrorgeschichten. Sie überzeugen aber immer wieder durch eine starke und stimmige Atmosphäre, die uns beim Lesen immer mehr in die Welt des künstlerischen Werkes zieht. Das geschieht insbesondere dann, wenn das Medium noch genügend Alleinstellungsmerkmale aufbringen kann, was bei Shi Ki glücklicherweise der Fall ist. Schon Megumi Shimizu, eine fünfzehnjährige Bewohnerin des kleinen Dorfes Sotoba in Japan, verabscheut das müde und simple Landleben und kann mit den ganzen Landeiern, so nennt sie jedenfalls insgeheim ihre Freunde und Bekannte, überhaupt gar nichts anfangen. Einen kleinen Hoffnungsschimmer sieht sie in ihrem Schwarm Natsuno Yuki, einem passiven und schweigsamen Jungen, der anscheinend auch davon träumt, in die Stadt zu gehen und die wenigen hundert Menschen hinter sich zu lassen. Nicht einmal der neuste Dorftratsch, die Nachrichten über doch sehr ungewöhnliche Todesfälle innerhalb der Dorfgrenzen, interessiert sie in irgendeiner Art und Weise. Weitaus interessanter findet sie dagegen die geheimnisvollen neuen Dorfmitglieder, die urplötzlich eine leerstehende Villa beziehen.

Mysteriöse Morde

Doch der Dorftratsch macht seine Runde, die Anzahl der Verstorbenen steigt rasant und bald wird auch Megumi unweigerlich und auf direkte Art und Weise mit den Todesfällen stark konfrontiert. Schnell verbreitet sich das Gerücht einer gefährlichen Seuche, doch was nun die tatsächliche Ursache der seltsamen Todesfälle ist, bleibt noch ungeklärt. Der erste Band von Shi Ki bringt die Geschehnisse langsam ins Rollen und legt die Basis für die nachfolgende, insgesamt elf Bände umfassende, Handlung – noch spielt sie sich komplett im isolierten Dorf ab. Das erkennen wir auch an den Charakteren, von denen noch nicht wirklich jemand die Position eines Hautcharakters angenommen hat und die Ereignisse zunächst noch aus vielen unterschiedlichen Blickwinkeln verfolgt werden. So bleibt das Lesen und Bewundern des gezeichneten Werkes vielseitig und jederzeit spannend. Der Leser begleitet neben Megumi und Natsuno, dem noch wirklich alles total egal zu sein scheint, den ansässigen Arzt Ozaki, der zusammen mit dem Dorfpolizisten eine logische Begründung für die mysteriösen Todesfälle finden will. Dabei kann auch noch nicht ausgeschlossen werden, dass der seltsame und undurchsichtige Priester vom örtlichen Tempel, wenn nicht sogar die neuen Anwohner der Villa ihre Finger im Spiel haben.

Erschreckender Detailgrad

Shi Ki versprüht vor allem durch seine diffusen Charaktere, die in nachfolgenden Bänden hoffentlich noch stärker ins Licht gerückt werden und den sehr speziellen Zeichenstil von Ryu Fujisaki seinen einzigartigen Charme. Die Bilder wirken durch den harten Kontrast, den die sowohl sehr hellen mit unzähligen schwarzen Kanten und Schatten übersäten Szenen mit den dunkleren Passagen, in denen weiße Elemente unnatürlich grell herausstechen, bilden, sehr unruhig und verstärken noch die bedrohliche Atmosphäre, die im Laufe des Mangas immer dichter wird. Die grafische Konzeption gliedert sich hervorragend in den Gesamteindruck ein, so als wäre der Manga ein Originalwerk und basiere nicht auf dem gleichnamigen Roman von Fuyumi Ono, der auch zum Manga die Texte geschrieben hat. Der hauptsächlich durch den hohen schwarzweißen Kontrast entstehende Detailreichtum entfaltet sich besonders bei der Darstellung von grausig verwesten Leichen, die beim Leser sicherlich besonders Tiefe Eindrücke hinterlassen werden. Nicht umsonst wird der zweihundert Seiten starke Band auf dem rückseitigen Cover auch erst ab einem Alter von sechzehn Jahren empfohlen, was wir als völlig gerechtfertigt empfinden.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit (basierend auf der ersten Auflage): Wie wir im Laufe des ersten Bandes des Mangas feststellten, besitzt Shi Ki auf jeden Fall mehr Potential als etwaige andere Medien, die sich das abgelegene simple Setting eines Dorfes im Wald zunutze machen, um uns stümperhaft das Gruseln zu leeren. Abschreckend ist möglicherweise nur die beachtliche Anzahl an Dorfmitgliedern, die allesamt namentlich eingeführt werden. Der Leser muss sie zum Glück nicht alle im Kopf behalten, um der Handlung zu folgen. Durch die Erwähnung und Verwendung so vieler Charaktere wird sogar noch der Eindruck des friedlichen und innigen Dörflerlebens verstärkt, selbst wenn sie nur in einer Szene vorkommen. Wenn sich in den nächsten Bänden noch die Charaktere entfalten und an Tiefe gewinnen, erwartet uns mit den nächsten Bänden mit Sicherheit noch ein packender Horror-Manga für Jugendliche und Erwachsene.

Vielen Dank an Egmont Manga für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Shi Ki (Band 1)!

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