Review: Liar Game (Band 1)

Liar Game (Band 1)Selbst die ehrlichsten und gesetzestreusten Personen werden dann und wann von Habgier und Geldsucht gepackt. Das trifft aber ganz und gar nicht auf Nao Kanzaki zu. Sie ist eine gutherzige, offene, aber leider auch etwas naive japanische Studentin, der an einem ganz normalen Tag ein Paket zugestellt wird, dessen Öffnung die automatische und unwiderrufliche Teilname an einem gewissen Liar Game mit sich zieht – so steht es jedenfalls auf dem Päckchen. Natürlich denkt sich die ahnungslose Nao noch nicht viel dabei, als sie es eher im Affekt als bewusst öffnet. Dem Inhalt schenkte sie aber auf der Stelle ihre gesamte Aufmerksamkeit, denn darin befinden sich einhundert Millionen Yen (ungefähr eine Millionen Euro) in bar und die Anleitung des Liar Game. Was erst nach einem schlechten Scherz klingt akzeptiert Nao im Angesicht der Tatsache, dass die enorme Menge an Geld tatsächlich echt ist, als wahr: Denn in den nächsten dreißig Tagen muss sie ihrem Kontrahenten des Liar Game, für den haargenau dieselben Bedingungen gelten, seine zugeschickten Millionen abknöpfen – mit welchen Methoden spielt dabei keine Rolle. Nach dem Ablauf der Frist müssen die Teilnehmer den genauen Startbetrag von hundert Millionen Yen wieder an einen Mitarbeiter der Liar-Game-Verwaltung abgeben.

Lug und Trug

Geldbeträge, die sie darüber hinaus erbeuten konnten, dürfen sie behalten. Falls sich ein Spieler bestehlen lässt und ins Minus rutscht, muss er den entsprechenden Betrag als Schulden aufnehmen und aus eigener Tasche an die Verwaltung zurückzahlen. Nao ist zunächst mit der Situation völlig überfordert. Freunde, Familie und sogar der Staat in Form eines Rechtsanwalts wollen oder können ihr auch nicht weiterhelfen, sodass sie wohl oder übel auf andere Methoden zurückgreifen muss. Zu allem Überfluss stellt sich ihr Kontrahent auch noch als ein ehemaliger Bekannter heraus, von dem sich sie auch direkt, treudoof wie sie ist, das gesamte Geld abluchsen lässt. Frustriert beschließt sie Gleiches mit Gleichem zu vergelten und wendet sich an Shinichi Akiyama, einen ehemaligen Häftling und bekannten Betrüger, der schon einen ganzen Konzern finanziell hat untergehen lassen. Zunächst unwillig sie anzuhören, lässt er sich doch überreden ihr zu helfen. Aber nicht kostenlos, denn für seine Hilfe, die nun zweihundert Millionen Yen mit Hilfe seines genialen Verstandes zurückzugewinnen, verlangt er ein üppiges Honorar, nämlich ein Viertel vom gesamten Betrag. Nao, der es schwer fällt, den wahrscheinlich lebenslangen finanziellen Ruin ihres Gegenspielers abzunicken, stimmt letztendlich im Not der Lage doch zu.

 Spannend bis zum Schluss

Damit setzt sie den ersten Schritt auf das verworrene und betrügerische Spielfeld des Liar Game, fesselnd bleibt der Band aber durchweg vom Anfang bis zum Ende. Der Manga hantiert geschickt mit nur einer kleinen Riege an Charakteren. Abgesehen von Nao handeln sie eigentlich alle verwerflich, aber zutiefst menschlich. Deswegen passt auch der sehr realitätsnahe Zeichenstil. Nur an wenigen besonderen Stellen wird das Charakterdesign durch starke Verzerrungen und Grimassen ins Unechte gezogen, um die jeweilige Mimik zu verstärken und Verzweiflung, Hass und vor allem den Wahn einer Figur überspitzt darzustellen. Dadurch, dass sich der Manga direkt auf die inhaltlichen Werte fokussiert, was der Autor und gleichzeitig Zeichner Shinobu Kaitani überhaupt nicht verbergen will, sind die Zeichnungen größtenteils zweckmäßig und prahlen nicht mit Details. Im Gegenzug versorgt uns der erste Band mit seinen knappen zweihundertdreißig Seiten ordentlich mit Lesestoff. Außerdem hat der Manga inzwischen einige Jahre auf dem Buckel. Denn schon 2005 kamen die Japaner das erste Mal in den Genuss von Liar Game – inzwischen existieren schon TV-Serien und Kinofilme. Es bleibt zu hoffen, dass die restlichen Manga-Ausgaben wesentlich schneller bei uns erscheinen, denn wir wollen schon jetzt unbedingt wissen, wie es weitergeht.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit (basierend auf der ersten Auflage): Immer wieder ertappte ich mich, wie ich mich selbst in die jeweiligen Situationen der Teilnehmer des Liar Game hineinversetzte. Das geht aber sicherlich vielen Lesern so, denn einfach urplötzlich ein mit Geld gefülltes Paket in die Hände gedrückt zu bekommen, gehört sicherlich zu den einfachen aber dennoch unrealistischen Wunschszenarien, die sich viele Menschen erträumen. Und auf der anderen Seite gehört die totale finanzielle Verschuldung auf jeden Fall zu den größten Sorgen unserer modernen Gesellschaft. Manche Parallelen zu Mangas wie Mirai Nikki oder zum Klassiker Death Note sind nicht weiter schlimm, denn solch eine direkte Spannung kombiniert mit einer packenden Story sieht man heutzutage leider immer seltener. Deswegen kann ich den Manga auch Leuten empfehlen, die vielleicht noch nicht so viele Erfahrungen mit dieser japanischen Form der Literatur gesammelt haben. Denn die präsentierte Kost kann im Grunde jeden Ansprechen, der dem Thriller- und Mystery-Genre etwas abgewinnen kann.

Vielen Dank an Egmont Manga für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Liar Game (Band 1)!

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