Review: Fuse

Fuse (1)Die aktuellen Konsolen werden immer weiter in den Hintergrund verdrängt. Dennoch beschert uns der eine oder andere Entwickler noch das eine oder andere Spiel. Sie sind aber zum Glück nicht alle so durchschnittlich wie Fuse.

Fuse (2)Wenn wir einmal die Werke, an denen das Entwicklerstudio Insomniac Games vor der Programmierung von Fuse gearbeitet hat, betrachten, werden wir sehr schnell ernüchtert. An die PlayStation-exklusive Resistance-Reihe oder an die Spyro-Spiele (Jump ’n‘ Runs mit einem kleinen Drachen in der Hauptrolle) kommt der neuste Deckungs-Shooter bei Weitem nicht heran. Ihr neuster Streich kann damit nicht mithalten und schafft es mit seinen generischen Inhalten, vom Startmenü bis zu den Credits, mit Leichtigkeit die Messlatte für Überraschungen und richtigen Innovationen so niedrig wie möglich zu halten. Lieber verwenden die Entwickler die immer wieder gleiche Formel für erfolgreiche Action-Spiele, sodass das Spiel zumindest mit seinen hitzigen Feuergefechten punkten kann. Diese werden durch das neuartige Material namens Fuse noch interessanter gestaltet, denn mit dessen unglaublichen Energien wurden noch nie dagewesene Technologien und Waffensysteme entwickelt. Der extrem vom Zerfall geprägte Stoff wird in einem geheimen Militär-Labor untersucht und auf seine Tauglichkeit geprüft. Diese Informationen sind unseren Haupthelden noch vorenthalten, denn zunächst werden sie als Mitglieder von Overstrike 9 in Form eines Militäreinsatzes zu genau diesem Laborkomplex geordert.

Actionhelden aus dem Bilderbuch

Fuse (3)Schnell wird klar, dass an einem so wertvollen Rohstoff noch andere Parteien interessiert sind und auch bereit dazu sind, eine Militärbasis zu überfallen. Overstrike 9, ein gleich vierköpfiges Elite-Agenten-Team, bestehend aus Dalton Brooks, Naya Deveraux, Isabelle Sinclair und Jacob Kimble, kann zwar nicht verhindern, dass das Fuse gestohlen wird, darf sich dafür aber mit den mit Fuse verstärkten Waffen ausrüsten. Die sind nicht nur besonders effektiv, sondern heben auch den Spielspaß enorm an. Die leicht humoristisch überzeichneten Charaktere, zwischen denen wir im Spielgeschehen auch frei wechseln dürfen, passen nicht wirklich in die angeblich so harte und ernste Militär-Action, wie sie vom Spiel suggeriert wird – davon zeugt auch der comicartige Cel-Shading-Grafikstil. Sprücheklopfende Videospiel-Actionhelden sind heutzutage aber sowieso schon an der Tagesordnung – ob in Borderlands 2, Bulletstorm oder Duke Nukem Forever, da können wir auch über die gezwungen wirkenden Bröckchen an gebotener Hintergrund-Story, die fast jedes Overstrike-9-Mitglied mit sich bringt und die die Story nur mäßig beflügeln, hinwegsehen. Dadurch, dass auch die Bösewichte wenig charakterisiert werden, fiel es uns dann nicht ganz so schwer, der moderat interessanten Geschichte um das Fuse zu folgen.

Intensive Feuergefechte

Fuse (4)Fuse ist ein völlig gewöhnlicher Third-Person-Shooter und will zum Glück auch nicht viel mehr sein. Das gesamte Spiel hindurch funktionieren alle Gameplay-Mechaniken, die dieses Genre heutzutage bieten muss und das ohne einen einzigen Aussetzer. Besonders das flinke und intelligente Deckungssystem überlässt uns die volle Kontrolle darüber, ob wir uns dem gegnerischen Kugelhagel aussetzen wollen oder nicht. Die Action ist schnell und die Waffen fühlen sich gut an. Fuse hat auch die kurze Spielzeit von seinen Genre-Kollegen geerbt. Bis hierhin scheint noch alles in Ordnung, aber selbst in der Hand kann das Spiel nach einigen Stunden nicht mehr verbergen, dass das ziemlich eintönige Gameplay eigentlich nicht auf so eine Spielzeit ausgelegt ist. Zwar werden die netten Ballereien von einigen vorhersehbaren Stealth-Einlagen und Kletterpassagen aufgelockert, doch ändern die nichts an der Tatsache, dass wir immer und immer wieder mit denselben Gegnern und Level-Strukturen konfrontiert werden. Dann und wann stoßen wir zwar auf den einen oder anderen imposanteren Gegnertypen, die die gewöhnlichen simplen Fußsoldaten schnell in den Hintergrund verdrängen. Es dauert aber auch hier nicht lange, bis wir uns an diesen genauso satt gesehen haben.

Die Vorzüge der Fuse-Technologie

Fuse (5)Zu diesen zählen gepanzerte Mechs, so genannte Panzersöldner und futuristische Flugmaschinerien. Bosse gibt es auch, die haben aber nicht mehr auf Lager, als darauf zu warten, bis wir ihre kategorisch leuchtenden Schwachpunkte mit Blei und Fuse eingedeckt haben. Es freut uns zu sehen, dass wir Waffen von Gegnern aufsammeln können – auch die großen, die gewöhnlich nur von den Mechs benutzt werden, dürfen unsere vier Helden in Beschlag nehmen. Zumindest solange die Munition reicht. Wenn sie aufgebraucht ist, müssen wir wieder zu unseren normalen Fuse-Waffen wechseln, die eindeutig zum Highlight des Spiels gehören. Jedes Overstrike-9-Mitglied besitzt seine eigene persönliche Waffe mit unverkennbaren Eigenschaften. Dalton kann zum Beispiel ein künstliches, durchsichtigen und variables Schild erzeugen, auf welchem dann feindliche Kugeln abprallen, unsere Munition aber mühelos hindurchfliegen kann. Naya kann dagegen mit ihrem Warp-Gewehr wesentlich aggressiver agieren, denn die mit Fuse modifizierten Projektile erzeugen Singularitäten und lassen, bei richtiger Verwendung, die Gegner in Kettenreaktionen verbrennen und in schwarze Löcher ziehen. Eine simple aber extrem wirkungsvolle Methode, um sich vielen Gegnern auf einmal zu entledigen.

Zusätzliche Spieler – zusätzlicher Spaß

Fuse (6)Im Laufe des Spiels dürfen wir weitere Fuse-Fähigkeiten freischalten – dafür verteilen wir in einem Untermenü Skill-Punkte, die wir bei einem Stufenanstieg erhalten. Richtig gehört, in Fuse können wir wie in einem normalen Rollenspiel unsere Charaktere aufstufen. Die nötigen Erfahrungspunkte liefern uns die Gegner oder die Spielwelt, wenn wir die Augen offenhalten. Am schnellsten geht das allerdings durch zusätzliche Punkte, die wir uns im Coop-Modus durch das geschickte Zusammenspiel der unterschiedlichen Waffenfähigkeiten verdienen können. Entweder stellen wir uns mit unseren bis zu drei weiteren Coop-Partnern der normalen Story oder wir versuchen uns am Zusatzmodus namens Echelon. Darin erwarten uns Gegnerhorden, die Welle um Welle angerückt kommen. Es bleibt nicht bei der stumpfen Ballerei, denn kaum eine Runde verläuft dank den Mini-Missionszielen gleich. Schließlich müssen wir bestimmte Territorien vor Gegnern sichern, besondere Mechs ausschalten oder eine Runde in einem vorgegebenen Zeitraum abschließen. Wer niemanden kennt, der das Spiel besitzt, kann natürlich auch auf die automatische Spielersuche über das Internet zurückgreifen. Immer und immer wieder neue Rekorde aufzustellen und unsere Mitstreiter zu übertrumpfen, macht hier den absoluten Reiz aus.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit (basierend auf der Xbox-360-Fassung): Fuse ist kein Triple-A-Titel, was schon jeder Laie an der Präsentation des Spiels, die auf keine Fall mit aktuellen Titeln des Action- und Shooter-Genres mithalten kann, erkennen sollte. Glücklicherweise wird das matte Gameplay mit den interessanten Fuse-Fähigkeiten aufgelockert, die zudem auch den Coop-Modus sichtlich bereichern. Sehr schön fand ich auch die stylishen Interfaces, die störende Bildschirmanzeigen verdrängen. Mit der Entscheidung die größte Zeit unter Tage in diversen Anlagen unterwegs zu sein, konnte ich mich jedoch nicht anfreunden. Die Außenpassagen kommen viel zu kurz und zählen trotzdem zu den visuellen Schmankerln. Insgesamt ist das Spiel auf keinen Fall schlecht, auch wenn es das im Hinblick auf die öffentlichen Meinungen möglicherweise den Anschein macht. Der Spieler muss sich nur im Klaren darüber sein, dass er nicht zu viel erwarten darf.

Vielen Dank an Electronic Arts für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Fuse!

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