Review: Phoenix Wright – Ace Attorney

Phoenix Wright - Ace Attorney (1)Videospielverfilmungen stehen oftmals in keinem guten Licht. Regisseure wie Uwe Boll nehmen sich viel zu viele Freiheiten, welche Fans sauer aufstoßen. Takashi Miike beweist jedoch, wie genial ein Film sein kann, wenn man sich sehr stark an die Vorlage anlehnt.

Phoenix Wright - Ace Attorney (2)Seit fünf Jahren quillt in Japan das Verbrechen über und die Gerichte haben alle Hände voll zu tun, die Fälle nach und nach abzuarbeiten. Zumindest in der fiktiven Welt von Phoenix Wright – Ace Attorney. Aus diesem Grund hat sich der Staat dazu entschlossen, die Justiz in so genannten Schnellverfahren walten zu lassen. In nur drei Tagen muss über die Schuld oder die Unschuld des Angeklagten zwangsläufig entschieden werden. Nur so lange hat der Anwalt des Angeklagten Zeit, um die nötigen Beweise vorzulegen. Würde alleine aus diesem Grund nicht schon jeder zweite Anwalt die Krise bekommen, bricht dem jungen Verteidiger Phoenix Wright dadurch schon fast das Genick. Der tollpatschige Anwalt wird hineingerissen in eine zusammenhängende Kette von verschiedenen Fällen, die (in)direkt miteinander zu tun haben und im Grund die Handlung aufbauen, die im ersten Spiel der Reihe thematisiert wird. Wer also noch keine Kenntnisse von der Videospielserie für GameBoy Advance und Nintendo DS hat, diese aber gerne vorab noch erwerben möchte, der sollte dieses Review am besten nicht lesen und schleunigst eines der interessantesten Videospielkonzepte der letzten Jahre nachholen. Trotzdem ist der Film auch durchgehend ohne Hintergrundwissen zu verstehen und jederzeit nachvollziehbar, weshalb man auch genauso gut mit dem Film einsteigen kann.

Einspruch!

Phoenix Wright - Ace Attorney (3)Zu Beginn des Films wird Phoenix Wrights Anwaltsgehilfin Mia Fey ermordet und da just in diesem Moment ihre Schwester am Tatort auftaucht, noch bevor die Polizei und Phoenix eintreffen, fällt der Verdacht auf sie. Phoenix glaubt an die Unschuld Mias Schwester, da Mia an einem Fall gearbeitet hat, der äußerst wichtig für ihre beiden Karrieren ist. Da allerdings aus dem Fenster des gegenüberliegenden Hotels der Mord beobachtet wurde und Maya als Täterin identifiziert wird, muss Phoenix sich etwas einfallen lassen, um Maya vor Gericht frei zu kämpfen. Im zweiten Fall gilt es dann auch noch den Staatsanwalt Miles Edgeworth, der früher einer von Phoenix‘ engsten Freunden war und jetzt sein größter Konkurrent ist, zu helfen, da auch er wegen Mordes angeklagt wird. Ihr gemeinsamer Feind ist jedoch Manfred von Karma, der irgendwie in die Verkettung aller Fälle verwickelt ist und ab Mitte des Films die Rolle des im Gerichts wirkenden Staatsanwalts einnimmt. Man darf Phoenix Wright – Ace Attorney jedoch nicht als ernsten Film ansehen, denn wer mit der Law-and-Order-Philosophie an den Film herangeht, wird sich sicherlich nicht zurechtfinden. Fans der Serie Boston Legal können sich stellenweise mit dem Humor des Films jedoch identifizieren, sofern man nichts gegen die übertriebene und überspitzte Darstellung von Sachverhalt und Situation hat.

Nimm das!

Phoenix Wright - Ace Attorney (4)Phoenix Wright – Ace Attorney ist eine Videospielverfilmung, die sich nahe an die Vorlage hält und das gilt entsprechend auch für das Bühnenbild und die Kostüme der Darsteller. Die wirken so, als ob sie gerade einem Manga entspringen und sich entsprechend verhalten. Geisterbeschwörungen, Überraschungszeugen und Wortgefechte tauchen so im Film auf, dass sie den Film so lenken, dass er linear zu einem Abschluss geführt wird und dabei auch noch mit viel Witz unterhält. Man muss jedoch ein gewisses Faible für japanischen Humor haben – ohne diese Affinität bleiben einem nämlich leider viele Gags verschlossen. Überhaupt nicht verschlossen bleiben uns die Ansichten der Darsteller und des Regisseurs im Bonusmaterial. Ein halbstündiges Making-of und 23 Minuten Auszüge von den Filmpremieren geben genug Einblick in die Produktion des Films. Trailer und Teaser runden das Bild des Bonusmaterials zur Spielfilmlänge von 135 Minuten ab. Das einzige was wir ein wenig bemängeln können, sind die stellenweise mittelprächtigen Computeranimationen. Über dieses Manko können wir im Angesicht des sonst klaren Bild in 1080p und im 16:9-Format (1,78:1) hinwegsehen. Dazu liegt der Film sowohl in der (guten) deutschen Synchronisation, als auch in der japanischen Originaltonspur in DTS-HD Master Audio 5.1 vor und würdigt so die einwandfreie Kulisse!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Ich muss leider gestehen, dass ich damals nicht wirklich warm mit der Reihe geworden bin. Sie war mir damals leider zu realitätsfern und teilweise fühlte ich mich in der Handlung doch sehr eingeengt. In einem Film kann man das aber gar nicht vermeiden, denn Entscheidungen darf ich als Zuschauer ohnehin nicht treffen. So kann ich die Story aber wenigstens von Anfang an genießen, ohne dass ich selbst falsche Entscheidungen im Gericht treffe und in einer spielerischen Sackgasse lande. Das Experiment hat funktioniert, denn obwohl Takashi Miike selbst sagt, dass er es kaum für möglich gehalten hätte, dieses Spiel in einem Film auf die Leinwand zu zaubern, hat er sich selbst das Gegenteil bewiesen. Sowohl optisch als auch in seiner Intention wirkt der Film so, wie man ihn sich als Kenner der Spiele wünscht. Selbst wenn man die Spiele nicht oder kaum gespielt hat, wie meine Wenigkeit, wird sich trotzdem sehr schnell in die Handlung und in das Universum einfinden können. Man muss sich eben auf die Manga-Optik und den japanischen Humor einlassen und wenn man das kann, wird man nach Phoenix Wright – Ace Attorney so schnell keine bessere Videospielverfilmung mehr finden – außer vielleicht Like A Dragon, aber diesen Film hat Takashi Miike ja ebenfalls auf die Leinwand gezaubert!

Vielen Dank an Koch Media für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Phoenix Wright – Ace Attorney!

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