Review: Rage of the Undead

Rage of the Undead (1)Spätestens seit der Fernsehserie The Walking Dead sind Zombies wieder richtig populär. In der Mitte der Gesellschaft angekommen, möchte man natürlich auch in Japan etwas vom Kuchen abhaben. Leider scheitert man damit in Rage of the Undead kläglich.

Rage of the Undead (2)Protagonisten Aiko arbeitet in einer kleinen Videofirma als Praktikantin und noch dazu hat sie diese Stelle nur durch ihren tollpatschigen und verträumten Onkel bekommen. Ihre heutige Aufgabe ist es, das Video von der Hochzeit eines Rockstars aus dem Archiv zu holen. Das Archiv besteht zwar nur aus einem Wandschrank, doch handelt es sich bei den Videos um unbeschriftete VHS-Kassetten. Wer bereits achtzehn Jahre alt ist und somit in die Zielgruppe des Films fällt, sollte eigentlich recht gut wissen, wie solch eine Kassette funktioniert. Für alle, die in den letzten achtzehn Jahren die Revolution von DVD und Blu-ray Disc verpasst haben, den sei gesagt, dass es ein Haufen Arbeit ist, auf einer VHS-Kassette mehrere Stunden Bildmaterial zu sichten und zu analysieren. Das sieht Aiko zwar ganz genauso, doch nimmt sie die Aufgabe an. Bei ihrer Recherche stößt sie auf ein gelbes Videoband, welches sie prompt in den Videorekorder steckt und dabei auf eine sehr merkwürdige Dokumentation über Zombies, während draußen wahrhaftig die Zombie-Apokalypse ausbricht. Nur gut, dass Aikos Kollege Hashimoto in seinem Leben hunderte Zombievideos gesehen hat und versucht, den Film chronologisch einzuordnen. Mit Anekdoten an Nacht der lebenden Toten und Dawn of the Dead macht er dabei eine Entdeckung – das Video ist der erste Zombiefilm!

Die VHS-Kassette der Sechziger Jahre

Rage of the Undead (3)Während die ersten Minuten des Films und besonders jene Momente, in denen Hashimoto so manchen Spruch zum Besten gibt, durchaus überzeugen und unterhalten können, ist es um den Rest des Films schnell geschehen. Die Darsteller übertreiben ihre Rollen so, dass sie glatt versuchen, an die Klasse von Shaun of the Dead heranzukommen. Außerdem scheint es, als ob man die Darsteller allesamt für ein paar Stunden von der Straße geholt hätte, um Kosten einzusparen, die man vielleicht gar nicht wieder einspielen kann. Wer asiatische Filme kennt, der wird wissen, dass im asiatischen Raum gerne mal ein wenig bei der schauspielerischen Darstellung übertrieben wird, aber Rage of the Undead schießt unfreiwillig den Vogel ab. Zudem versucht der Film aus dem Zombieklischee zu entkommen, in dem man einige der Zombies einfach intelligenter macht, so dass sie sogar mit den Protagonisten kommunizieren können und die Weltherrschaft an sich reißen wollen. Wäre das noch nicht genug, schlägt der Film mit einer großen Logiklücke ein Loch in die sonst stringent aufgebaute Handlung. Der Film auf der VHS-Kassette sei in den Sechziger Jahren entstanden, wie Aikos Onkel verrät, und danach für immer im Archiv gelandet. Das ist natürlich logisch, wenn das Medium erst Ende der Siebziger Jahre erstmals Japan und dann weltweit eingeführt wurde.

Rage of the Nation

Rage of the Undead (4)Rage of the Undead orientiert sich im untersten Mittelfeld, was sowohl das Medium Film, als auch das Genre angeht. Unmotivierte Schauspieler, kuriose Design-Entscheidungen und sehr dürftige Blutspritzereffekte stehen nicht gerade dafür, zusammen einen guten Film zu bilden. Bei den Effekten müssen wir jedoch sagen, dass uns nur die hierzulande erhältliche FSK-18-Fassung vorlag. Es gibt zwar in hiesigen Gefilden weitaus brutalere Filme, die nicht so fern von der Realität angesiedelt sind wie Rage of Undead, doch die Freiwillige Selbstkontrolle ist wohl der Auffassung gewesen, dass der Film nur geschnitten erscheinen darf. Somit fehlen laut einigen Schnittberichten mehr als drei Minuten Filmmaterial. Besonders hier hätte Rage of the Undead sicher noch punkten können, da die rote Suppe in einem Splatter-Film, zu dem sich Rage of the Undead irgendwie zählt, einfach dazu gehört. Wer sich also auf den Film ganze 71 Minuten einlassen will, der sollte dann doch tatsächlich lieber zum Import greifen. Ohnehin sollte man sich den Streifen im Originalton anschauen, denn während die Darsteller im Japanischen den Figuren noch leben einhauchen, sind die deutschen Sprecher nicht gerade motiviert. Unmotiviert waren wohl auch die Köpfe hinter dem Projekt, denn Bonusmaterial liegt auf der Blu-ray nicht vor. Uns wäre das wohlmöglich auch zu peinlich gewesen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Mit Filmemachern muss man geduldig sein, so wie sie selbst geduldig sein müssen. Wenn jedoch ein Regisseur die Produktion des Films hastig vorantreibt, dann kann man nicht erwarten, dass Kritiker dafür Verständnis zeigen. Rage of the Undead wirkt so, als ob man den Film an einem Wochenende überstürzt entworfen, aufgenommen, nachbearbeitet und veröffentlicht hat. Die Schauspieler sind alles andere als auf ihre Rollen eingestellt und prallen somit auf Zombies, deren Darsteller wohl ebenfalls nicht wissen, wie man sich untot stellt. Noch dazu kann ich nicht verstehen, wieso die Freiwillige Selbstkontrolle wieder einmal etwas zu beanstanden hatte und der Film in seiner natürlichen Form hierzulande nicht verkauft werden darf. So entgehen uns ganze drei Minuten lustiger Schnetzelorgien, in denen Rage of the Undead vielleicht noch richtig gut geworden wäre. Das ist vielleicht übertrieben, aber in der jetzigen Form kann man sich das Geld sparen und es lieber in Filme investieren, die man sich gerne mehrmals anschaut. Da fällt mir ein, dass ich Shaun of the Dead vor zwei Monaten das letzte Mal gesehen habe. Die Gelegenheit, um die Liebeskomödie mit Zombies noch einmal zu würdigen!

Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars von Rage of the Undead!

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