Special: Under the Surface

Under the Surface (1)Wir leben in einer schnelllebigen Welt, in der sich einzelne Faktoren mit dermaßen rasender Geschwindigkeit verändern, dass wir oft innehalten müssen, um die Einzelheiten voneinander abzusondern. Betriebssysteme markieren dabei die Spitze des Eisberges.

Under the Surface (2)Ohne Betriebssystem bekommt man kein modernes Computersystems zum Laufen. Oftmals wird es als Schnittstelle zwischen einer Anwendung und dem Benutzer angesehen. Allerdings verfügten Computer nicht von Anfang über Betriebssysteme, da mechanische Rechensysteme diese nicht benötigten. Erst mit der immer komplexer werdenden Entwicklung von Hardware und der Vergrößerung des speziellen Anwendungsbereiches, wurden Betriebssysteme quasi zwangsweise eingeführt. Zunächst galt ein Betriebssystem pro Modelltyp, doch im Lauf der Jahrzehnte wurden Betriebssysteme so ausgelegt, dass sie auf unterschiedlichen Modellen funktionierten. Da nicht nur die Hardware, sondern auch die Software immer mehr komplexer wurde und mit stetig sinkenden Produktionskosten, sowie der Einführung von kompletten Heimcomputersystemen, musste auch der Ottonormalverbraucher sich mit dem auf dem jeweiligen Computer laufenden Betriebssystem zurechtfinden. Je weiter wir in der Zeitlinie zurückgehen, desto strukturierter, aber zugleich weniger verständlich fallen Betriebssysteme auf. Schauen wir uns jedoch heutige Betriebssysteme, egal auf Smartphone, Tablet PC, PC oder Videospielkonsole an, fällt uns zwar eine einsteigerfreundliche Oberfläche auf, doch wer auf der Suche nach speziellen Einstellungen ist, wird oftmals nicht direkt fündig.

Listen, Listen, Listen

Under the Surface (3)Warum das so ist, können wir nur mit dem Wandel der Betriebssysteme erklären, der in den letzten Jahren ganz besonders stark stattgefunden hat. Wenn wir einen Blick auf das Disk Operating System, kurz DOS, werfen, dann stechen uns vor allem Listen ins Auge. An dem oberen Bildschirmrand eine Leiste mit Befehlen, die beim Auswählen ein Dropdown-Menü öffnen und Zugriff auf weitere Listen geben, bevor wir uns bis zur gewünschten Anwendung durchgekämpft haben. Microsoft begann bereits in den Achtzigern mit der Entwicklung einer Betriebssystemoberfläche, doch zunächst war Windows gar kein Betriebssystem, da Windows noch auf dem Disk Operating System basierte, jedoch wesentlich benutzerfreundlicher war. So konnten wir in der Version 3.11 eine Maus anschließen, auf Icons klicken, Fenster öffnen und wieder schließen. Dass Microsoft damit Erfolg hatte, beweisen in den ersten Monaten nach Launch ein paar Millionen Kopien. Mit weiteren Windows-Versionen wie Windows 95 oder Windows 98 wurde das Konzept verfeinert und in der Systemsteuerung konnten wir endlich bequem und recht einfach den Computer überwachen und nach unseren Wünschen anpassen – so weit es Windows beziehungsweise Microsoft zugelassen haben. In dieser aufstrebenden Zeit gelang es Microsoft zwei wichtige Merkmale zu etablieren.

Das offene Fenster

Under the Surface (4)Mit DirectX hat Microsoft das hauseigene Betriebssystem wohl zum einzigen durchgehend unterstützten Betriebssystem für Computerspiele gemacht und zum anderen hat sich Windows in der westlichen Welt zu einem viel genutzten Betriebssystem entwickelt. Das soll auf keinen Fall nach Apple-Kritik klingen, denn auch bei der Konkurrenz hat sich einiges getan, was vor allem die Entwicklung von mobilen Betriebssystemen vorangebracht hat. Während wir von Smartphones und Tablet PCs noch träumen durften, oder höchstens von Kirk, Picard und Co. in den zahlreichen Star-Trek-Serien vorhersehend erfahren haben, entwickelte Microsoft mit Windows XP das in unseren Augen bis heute sinnvollste Betriebssystem der Firma. Einfache Verweise, einfache Bedienung und ein mehr als nur verständliches Interface haben unseren Chefredakteur Eric dazu gebracht, das System über die gescheiterte Windows-Vista-Ära vom Jahr 2003 bis ins Jahr 2012 zu benutzen. Erst dann hat er sich aufgrund der recht wichtigen DirectX-Kompatibilität dazu entschieden, auf Windows 7 umzusteigen. Windows 7 macht zwar nicht so viel anders, nennt aber viele systemwichtige Eigenschaften einfach um, sodass man sich nach jahrelanger Benutzung wieder umorientieren muss. Wem diese Umstellung alleine schon zu schwierig ist, der wird mit Windows 8 zum Scheitern verurteilt sein.

System zum Anfassen

Under the Surface (5)An einem Tag im letzten Frühling durften wir uns Windows 8 bei einem Bekannten einmal genauer anschauen. Alleine drei Klicks sind für uns nötig, um von der Startseite des Systems auf die alte Desktop-Oberfläche zu wechseln. Auf dieser machen wir die nächste schreckliche Entdeckung. Der Start-Button ist verschwunden, der uns seit Windows 95 nur gute Dienste geleistet hatte. Zwar ist es mit nicht offiziellen Modifikationen möglich, den Start-Button zurückzuholen, doch Microsoft hat sich lange Zeit stur dagegengestellt. Erst als die negativen Kritiken im Internet zu laut wurden und selbst Hardware-Produzenten Microsoft für die schleppenden Absatzzahlen der letzten Monate verantwortlich machten, hat der Konzern plötzlich eingelenkt, bringt mit Windows 8.1 den Start-Button zurück und lässt das System sogar direkt mit der bekannten Desktop-Oberfläche starten. Dass der Start-Button jedoch nur zwischen der Desktop- und der Kachelübersicht tauscht, auf der dann die in Windows 8 eingeführten Applikationen zu finden sind, kaschiert Microsoft also geschickt. Es ist jedoch nicht nur diese Änderungen bei der Optik, die uns bei Windows 8 negativ auffällt. Zudem ist das Betriebssystem vollkommen auf Touch-Geräte ausgelegt. Das macht auf den Tablet PCs mit Windows 8 als Betriebssystem zwar Sinn, aber nicht auf dem heimischen Desktop-PC.

Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit

Under the Surface (6)Mit Windows 8 möchte Microsoft sich dem durch iPhone und Smparthone eingeleiteten und sich weiterhin abzeichnenden Trend anschließen. Den Grundstein legte man unter anderem mit dem Windows Phone 7, welches wir im Dezember 2010 vorgestellt haben. Die Idee des hauseigenen Smartphone-Betriebssystems war zwar gut, doch braucht man in unseren Augen in keinen aufblühenden Markt vorpreschen, der von Google und Android bereits aufgeteilt ist und selbst andere Mobilfunkunternehmen daran schon schwer zu knabbern haben. Mit dem aktuellen Betriebssystem geht Microsoft im Grunde jedoch den richtigen Weg, denn man will alle Geräte mit dem gleichen Betriebssystem unter einem Dach vereinen. Egal ob Windows 8 auf dem PC, dem Notebook, dem Tablet PC, dem Smartphone oder der Xbox 360 und bald der Xbox One. Zwar funktioniert das Betriebssystem auf allen Geräten ein wenig anders, doch mit einem einheitlichen Look will man wie Apple mit den hauseigenen Geräten den Übergang von einem Gerät auf das andere so leicht wie nur möglich gestalten. Daran können wir zwar nichts aussetzen, aber man sollte auch schauen, dass die Gestaltung auf dem entsprechenden Gerät überhaupt Sinn ergibt. Wir wollen jedenfalls keine Smartphone-Applikationen auf dem PC installieren, sondern viel lieber eigenständige und entsprechend designte Programme.

Kacheln als Werbefläche

Under the Surface (7)Die Schuld an der aktuellen Microsoft-Misere muss man in erster Line Microsoft natürlich selbst geben. Ein Konzern, der in der Vergangenheit mit Windows 7 ein zumindest (auch bei einem Umstieg) leicht verständliches System anbot und zunächst auch auf der Xbox 360 ein tolles System einschleuste, hat einfach auf ein falsches Pferd gesetzt. Schauen wir nämlich ins Jahr 2008 zurück, wo sich der Trend der mobilen Betriebssysteme langsam aber sehr sicher abzeichnete, konnte Microsoft auf der Xbox 360 mit einem leicht verständlichen System punkten. Säuberlich auf mehrere Karteikarten aufgeteilte Listen haben die Bedienung, egal ob man nun eine Videodatei von einem USB-Stick abspielen oder einen Downloadcode eingeben wollte, sehr vereinfacht. Heute sehen wir nur Kacheln, oftmals daneben platzierte Werbung und viele Wege zu vielen tollen Sachen, die uns von der eigentlichen Sache ablenken wollen. Um einen Downloadcode einzugeben, müssen wir sogar umständlich ein zweites Menü öffnen, welches zwar frappierend an das Menü aus dem Jahr 2008 (und früher) erinnert, aber für Microsoft wohl an anderer Stelle keinen Sinn mehr gemacht hat. Bei der Konkurrenz aus dem Hause Sony hat man sich zumindest für eine lange Leiste mit Listenansicht entschieden, doch auch Sony – schon zu sehen am aktuellen PlayStation Store – entgeht der Trend nicht.

Geschickte Kundentäuschung

Under the Surface (8)Während wir uns im PlayStation Store vor einigen Monaten auch noch durch voneinander getrennten Kacheln klicken mussten, bis wir zum entsprechenden Download-Titel kamen, hat sich Sony dazu entschieden, zu erst eine Listenansicht zu etablieren, die dann zu den Kacheln führt, über die wir dann wiederum die Seite des Spiels aufrufen können. Während das System gut funktioniert, stören uns etliche Ruckeleinlagen bei der Navigation dorthin und dann sind die entsprechenden Seiten, die im Endeffekt für die Bewerbung des Titels zuständig sind, fast bis gar nicht aussagekräftig. Werfen wir einen Blick über die ersten Konzeptbilder des Menüs der PlayStation 4, dann können wir durchaus sagen, dass man sich an Microsoft orientiert. In den Köpfen der Projektleitung von Nintendo, wie könnte es auch anders sein, hat man sich dem Konzept ebenfalls in ähnlicher Weise angeschlossen. Bereits mit der 2006 erschienenen Wii hat man Spiele und Software im Grunde als Applikationen verkauft, die aber Kanäle genannt – es passte einfach so schön in das Konzept, die Wii in den Köpfen der Kunden zu verankern. Bei der Wii U und auf dem 3DS nennt man die Software zwar ebenfalls noch nicht Applikationen, erfüllen aber denselben Auftrag wie auf den allermeisten Smartphones. Dafür verankert Nintendo Systemeinstellungen und Co. klug in einer eigenen Applikation.

Under the Surface

PROTOTIPO DE UN TELÉFONO MÓVIL TRANSPARENTE DE POLYTRONSo und nicht anders funktioniert auch ein Smartphone mit Android-Betriebssystem. Sobald wir bei Google Play eine Anwendung herunterladen, wird sie direkt installiert und wir finden sie prompt im Menü und können sie auf Wunsch auf die oder eher gesagt auf eine der Seiten der eigentlichen Betriebssystemoberfläche ziehen. Während das auf einem Smartphone zwar schon gut funktioniert, geht das weniger hakelig auch mit einem Tablet PC. Obwohl wir diese Herangehensweise bei Microsoft in Hinblick auf Desktop-PCs stark kritisieren, müssen wir sie bei mobilen Geräten mit Touch-Oberfläche einfach gutheißen. Selten ist es so gut möglich, dass selbst Anfänger keinerlei (oder nur wenige) Probleme mit mobilen Geräten haben (wenn wir an dieser Stelle von Notebooks und anderlei komplizierten Spielzeugen absehen). Heute fragen sich die Leute leider nicht mehr oder viel zu wenig, wie eine Maschine oder auch ein Computer funktioniert, wie die Verknüpfungen im System gesetzt sind und interessieren sich entsprechend wenig für die Materie. Heute wollen die Menschen einfach, dass es funktioniert. Dabei ist es egal, ob es sich um einen PC, einen Tablet PC, ein Smartphone oder eine Konsole handelt, doch genau diese Menschen sollten sich beim nächsten Mal fragen, wenn sie Marit Larsens Song Under the Surface hören, was unter der Betriebssystemoberfläche werkelt.

Geschrieben von Eric Ebelt

2 Kommentare zu “Special: Under the Surface

  1. Dein Artikel weist eine kleine Ungenauigkeit auf. Windows Phone 8 lautet das OS für Smartphone, auf Desktops, Notebooks und Tablets hingegen Windows 8. Am 18. Oktober 2013 wird ein größeres Update für Windows 8 herauskommen, womit Windows 8 dann die Bezeichnung „Windows 8.1“ tragen wird. Auf ein paar neue Funktionen dieses Updates bist du in deinem Artikel bereits eingegangen. Auf weitere Neuerungen in der Windows 8.1 Preview wird im folgenden Video auf heise eingegangen: http://heise.de/-1897881

    Für Windows Phone 8, welches auf dem Windows 8-Kernel basiert, gibt es in unregelmäßigen Abständen Updates. Windows 8 und Windows Phone 8 weisen lediglich denselben Kernel auf, sind aber hinsichtlich Treiber, GUI und Software komplett unterschiedlich. Windows 8-Apps laufen folglich nicht unter Windows Phone 8, vice versa.

    Und Windows RT, welches ausschließlich Windows 8-Apps (= WinRT-Apps) ausführen kann, ist sowieso ein Ladenhüter, da keine x86-Anwendungen (Desktop-Applikationen) darauf laufen. Und genau diese Windows RT-Version läuft auf den RT-Versionen des Microsoft-Tablets Surface, dessen UVP merklich gesenkt wurde. Siehe auch: http://heise.de/-1917442

    Hinsichtlich Windows 7 darf ich dir noch den Tipp geben, dass das Suchfeld im Startmenü auch Ergebnisse aus der Systemsteuerung anzeigt. Ich selber öffnete in meinen drei Jahren als Windows 7-User gerade einmal eine Hand voll Mal die Systemsteuerung direkt über das Startmenü, da ich über die Suchfunktion im Startmenü stets rascher und direkter zu den gewünschten Optionen bzw. Einträgen kam.

    • @Dr. Sooom
      Entschuldige bitte die späte Freischaltung deines Kommentars. Der muss in dem Wirrwarr an Kommentaren, die automatisch erstellt werden, wenn wir in unseren Beiträgen Links setzen, irgendwie untergegangen sein. Jedenfalls vielen Dank dafür, dass du unseren Text aufmerksam gelesen hast und nett mit Verweisen versehen hast. So hat jeder Leser des Beitrages gleich noch ein paar weitere Informationsquellen mehr zu diesem Thema.

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