Review: Deadfall Adventures

Deadfall Adventures (1)Henry Walton Jones Jr., Lara Croft, Nathan Drake oder Lemeza Kosugi – die Liste bekannter Film- und Videospielarchäologen ist durchaus lang. Mit James Lee Quatermain gesellt sich nun ein weiterer Vertreter seines Fachs zu den verschiedenen Persönlichkeiten.

Deadfall Adventures (2)James’ Nachname ist jedoch gar nicht so unbekannt, denn einige von euch werden sicherlich schon von Allan Quatermains Abenteuern gehört haben. Die Romanfigur durchlebte mit seinen Gefährten vor allem in Afrika die eine oder andere brenzlige Situation. Später wurden seine Abenteuer auch verfilmt oder zitiert (zum Beispiel in Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen). James Quatermain ist der Nachfahre jenes Allan Quatermain. Eigentlich plante er, nichts Großes in Ägypten zu finden, doch dann wird er auf das sagenumwobene Herz von Atlantis aufmerksam. Da das Spiel jedoch in den Dreiziger beziehungsweise Vierziger Jahren spielt, ist natürlich auch jemand anderes hinter den Artefakten am Nil interessiert. So muss sich James nach seiner Ankunft direkt mit den Nationalsozialisten anfreunden, die ihm das Herz von Atlantis abnehmen wollen. Gemeinsam mit der US-Agentin Jennifer Goodwin und dem deutschen Wissenschaftler Dr. Hagen reisen wir mit Allan Quatermains Urenkel um die Welt. Deadfall Adventures schildert eine Geschichte über Vertrauen und Verrat, die an wenigen Stellen ihre Höhepunkte findet, dann aber spannend inszeniert wird. Mit Ägypten, der Arktis und dem Dschungel von Guatemala erwarten uns exotische Schauplätze, die wir immer gründlich nach Hinweisen durchsuchen sollten, um versteckte Schätze zu finden.

Von Schätzen und Fallen

Deadfall Adventures (3)Hier spielt Deadfall Adventures seinen Trumpf aus, denn der Ego-Shooter setzt nicht nur auf stumpfes Ballern, sondern auch auf die Erkundung der Umgebung. In zerstörbaren Vasen, Sarkophagen, im Gebüsch oder in Truhen können wir Schätze finden, die für unsere Charakterentwicklung wichtig sind. An bestimmten Statuen lassen sich die Schätze, die sich auf drei Werte auswirken, in neue Fähigkeiten umwandeln. Beispielsweise halten wir danach mehr Treffer aus oder können besser zielen. Damit uns auch kein Schatz verborgen bleibt, sollten wir von Anfang an nicht vergessen, ständig unseren Kompass zu zücken. Dieser weist uns nämlich den Weg zum nächsten Artefakt, wenn denn in unmittelbarer Nähe ein Schatz zu finden ist. Trotzdem sollten wir in den Tempelanlagen aufpassen, denn wie man das aus den Abenteuern der eingangs erwähnten Herren und Damen kennt, werden die meisten Schätze von Wächtern oder Fallen bewacht. Wer also blindlings drauflos läuft, wird schnell von aus dem Boden schießenden Lanzen aufgespießt, von einem Felsbrocken zerquetscht oder durch Feuerfallen geröstet. Bevor es dazu kommt, sollte man die Falle also entschärften oder sie, sofern möglich, aus sicherer Entfernung einmal auslösen. Manchmal ist aber auch das Lösen eines Rätsels in der näheren Umgebung der Schlüssel zur Lösung des Problems.

Rätsel mit Hindernissen

Deadfall Adventures (4)Die Rätselqualität schwankt jedoch ständig. Während einige Puzzles relativ einfach zu lösen sind, erreichen manche Rätsel das Niveau eines der Myst-Spiele. Zwar ist Quatermain mit den Notizen seines Urgroßvaters ausgestattet, doch diese klären nicht immer logisch auf, wie man das Rätsel löst. Hier hätten wir uns von den Entwicklern mehr Liebe zum Detail gewünscht und nicht so viele Rätsel, die sich in anderen Varianten wiederholen. Die Kreativität eines Ablegers der The-Legend-of-Zelda-Serie erreicht Deadfall Adventures nicht. Dafür finden wir es gut, dass die Fallen nicht nur uns schaden, sondern auch allen Gegnern. Wenn Untote, Nationalsozialisten oder Kommunisten gegen uns kämpfen, sollte man immer auf die Fallen achten. Wenn unsere Feinde also die Öffnungen einer Feuerfalle am Boden überqueren, sollten wir den auslösenden Mechanismus aktivieren und ihnen einheizen. Hier fällt auf, dass die künstliche Intelligenz der Gegner nicht die beste ist. Auf der einen Seite bewegen sich die Gegner zu wenig, verharren oftmals nur halb hinter Kisten und sind so ein leichtes Ziel. Auf der anderen Seite treffen sie dafür im Gegensatz zu uns (auch beim genauen Zielen!) zu oft. An einer Stelle tötete uns ein Gegner sogar ohne uns überhaupt zu sehen! Das passiert in der Regel aber nicht. Trotzdem ist es schade, dass es relativ wenige Gegnertypen gibt.

Fehlende Mitspieler

Deadfall Adventures (5)Neben den menschlichen Feinden, gibt es eigentlich nur Untote, wie Konquistadoren, die mit altertümlichen Donnerbüchsen Jagd auf uns machen. Diese müssen im Kampf mit einer Taschenlampe geschwächt werden, denn sonst können wir sie nicht töten. Wer an Alan Wake denkt, darf genüsslich schweigen. Mit diversen Waffen, das heißt vom einfachen Revolver bis zum Maschinengewehr, ist alles dabei, was man sich von einem Ego-Shooter (mit dem zeitlichen Hintergrund) nur wünschen kann. Auch Teile der Umgebung sind zerstörbar – so fallen schon mal Eiszapfen auf Gegner oder Vasen offenbaren Skarabäen, die sich am Fleisch unsere Feinde laben. Lecker! Mit einer Spielzeit von zehn Stunden unterhält der Titel im Singleplayer-Modus und bietet anschließend noch Motivation, auch die letzten Schätze in den neun Spielabschnitten zu bergen. Wie sich der Titel im Mehrspielermodus schlägt, können wir nicht einschätzen. Zum Testzeitpunkt am ersten Dezember 2013, also Wochen nach Release, haben wir keinen einzigen Mitspieler getroffen. Auf der optischen Seite besticht der Titel mit ansehnlichen Grafiken, die im Detail der Zeit hinterherhinken. Der Soundtrack ist passend, doch die bekannten deutschen Sprecher wirken leider sehr oft emotionslos. Wer sich davon nicht abschrecken lässt, kommt in den Genuss eines Ego-Shooters mit guten Ansätzen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Kurz vor Release des Spiels bin ich auf den Titel aufmerksam geworden, denn eigentlich tue ich Ego-Shooter oftmals als zu uninspiriert ab, da bei heutigen Produktionen es fast nur noch wichtig ist, dass das Spiel mit Effekten und hochauflösenden Grafiken punktet – der Spielspaß geht da meiner Meinung nach oft verloren. Deadfall Adventures bietet mit den Fallen und versteckten Schätzen einen neuen Ansatz, den ich im Genre wirklich begrüße. Viele Rätsel wirken zwar austauschbar oder wiederholen sich zu oft, doch darüber sehe ich gerne hinweg, da die Suche nach den Schätzen motiviert. Auch nach Abschluss der Handlung habe ich Lust, in das eine oder andere Level zurückzukehren, um mir auch noch die letzten Schätze einzuverleiben. Gefreut habe ich mich außerdem auf den Mehrspielermodus. Ich habe zwar schon damit gerechnet, dass die Server nicht wie bei einem Teil der Battlefield- oder Call-of-Duty-Reihe überquellen, aber dass ich auf gar keinen Mit- beziehungsweise Gegenspieler treffe, spricht leider nicht gerade für die Qualität des Spiels und das, obwohl auch der Mehrspieleransatz gut klingt. Wer nicht unbedingt auf den Multiplayer-Anteil, eine bombastische Grafik oder eine wendungsreiche Handlung Wert legt, dafür aber umso mehr eine Sammelleidenschaft in Spielen hegt, sollte Deadfall Adventures zumindest einmal anspielen. Den Entwicklern lege ich an dieser Stelle nahe, nicht die Flinte ins Korn zu werfen und die Ansätze bei einem möglichen Nachfolger, der am Ende angedeutet wird, zu Ende zu denken – dann bekommt dieser Nachfolger sicherlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Aufmerksamkeit, die sich eigentlich schon dieses Spiel verdient hätte.

Vielen Dank an Nordic Games für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplar von Deadfall Adventures!

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