Review: Assault on Wall Street

Assault on Wall Street (1)Böse Zungen behaupten, dass Dr. Uwe Boll mit manch seinem Film weniger kritisieren und stattdessen mehr provokativ agieren möchte. Dieses Gefühl bekommt man auch bei Assault on Wall Street zu spüren, denn besonders US-amerikanische Medien werten den Film ab.

Assault on Wall Street (2)Jeder, der die Nachrichten ab dem Jahr 2007 auch nur wenig verfolgt hat, wird unweigerlich von der Finanzkrise, die in den Vereinigten Staaten von Amerika begonnen hat, sehr wohl gehört haben. Jeder, der in der Wirtschaft aufs falsche Pferd gesetzt hat, hat verloren. Assault on Wall Street setzt in dieser Zeit ein und blickt in das Leben des fiktiven Charakters Jim Baxford, einem Sicherheitsangestellten. Seine Ehefrau Rosie ist schwer krank und als sie eine weitere Behandlung benötigt, erfährt das Paar, dass die Versicherung die Kosten für diese Behandlung nicht übernehmen wird. Zunächst denkt Jim, dass es sich hierbei nur um einen Fehler seitens der Versicherung handelt und so nutzen die beiden zunächst Angespartes, um die Spritzen und die Gentherapie für Rosie zu bezahlen. Als er von seiner Versicherung hört, dass sie tatsächlich nicht dafür zahlen wird und dass man ihn auf solche Situationen aufgrund der Firmenpolitik nicht hingewiesen hat, ist er zunächst entsetzt. Die Lage spitzt sich zu, als er von seinem Broker in Kenntnis darüber gesetzt wird, dass seine Investitionen gefährdet sind, da die Firma in Immobilien investiert hat, die ihr Geld vorne und hinten nicht wert sind. Er soll sogar noch mit seinen restlichen Rücklagen dafür haften. Wutentbrannt sucht er einen Anwalt auf, der für das Schützen seines Eigentums im Voraus zehntausend Dollar sehen will.

Ein Mann sieht rot

Assault on Wall Street (3)Zwar schafft er es, das Geld aufzutreiben, doch hilfreich ist sein Anwalt nicht. Als sein Chef bei der Sicherheitsfirma von seinen finanziellen Problemen hört, wird Jim entlassen. Als er nach Hause kommt, bemerkt er, dass sich seine Frau das Leben genommen hat. Tage später verliert er auch noch das Haus. Man kann gut verstehen, dass Baxford in dieser Situation auf den Staat, die Politik, die Rechtsprechung und das Finanzwesen alles andere als gut zu sprechen ist. Aus diesen Gründen entwickelt er einen todbringenden Plan und macht ohne jedwede Skrupel Jagd auf alle, die für den Tod seiner Frau ansatzweise mitverantwortlich sind. Der Film trägt definitiv nicht die Botschaft, dass Gewalt eine Lösung ist. Stattdessen möchte er provokativ den tiefen Sumpf der US-Finanzwirtschaft aufdecken, um zu zeigen, auf welche extreme Art und Weise die Gier und Verantwortungslosigkeit der Finanzindustrie in dieser Zeit gewachsen ist. Im Audiokommentar erwähnt Regisseur Boll sogar, dass er in Assault on Wall Street persönlich wird, da er beim besten Willen nicht versteht, wie Staat und Politik mit der Finanzkrise umgegangen sind und sagt sogar, dass ein Amoklauf manchmal der beste Weg sei, um mit den Menschen in Kontakt zu treten. Man muss natürlich verstehen, wie Boll das meint. Als ein Aufruf zum Amoklauf ist diese Aussage definitiv nicht zu gelten!

Gesetz der Rache

Assault on Wall Street (4)Um Frust abzulassen, arbeitet Boll mit Schauspielern wie Clint Howard oder Michael Paré zusammen, die ihr schauspielerisches Können anbieten. Die Hauptrolle fällt diesmal Dominic Purcell zu, der bereits in der Serie Prison Break die tragende Rolle eingenommen hatte. Man kann es nicht oft genug betonen – Seriendarsteller können sich auf emotionale Szenen deutlich besser einstellen und Purcell schafft es, sowohl Trauer als auch Rachegelüste zu vereinen. Edward Furlong und Eric Roberts tragen ebenfalls noch ihre Reize bei, kommen aber unserer Meinung nach zu kurz. Roberts hätte ruhig ein bis zwei weitere Szenen vertragen können. Die optische Seite des Films bietet gestochen scharfe Bilder, die in puncto Atmosphäre mit einem guten und passenden Soundtrack unterlegt werden. Sowohl die deutsche Synchronisation als auch die englische Originaltonspur sind gelungen. Schade finden wir es jedoch, dass man sich dazu entschieden hat, kein Bonusmaterial auf der Disc unterzubringen. Informationen zur Finanzkrise wären für manchen Zuschauer sicherlich sehr nützlich gewesen. Assault on Wall Street ist düster und bietet sogar nach einer genialen Schlussszene einen doch sehr bitterbösen Nachgeschmack. Wer vom Ende von Gesetzt der Rache zu Recht enttäuscht war, wird Assault on Wall Street, einem Mix aus Drama und Action, sehr viel eher in Erinnerung behalten!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Man kann sagen was man möchte und auch wenn Uwe Boll öfters in einem zweifelhaften Ruf steht, lässt er sichtlich viel Herzblut in seine Filme einfließen. Wenn Regisseure persönlich werden, kann der Schuss jedoch ganz schön nach hinten losgehen. Bei Assault on Wall Street bin ich geteilter Meinung. Auf der einen Seite kann ich mit dem Charakter des Jim Baxford durchaus mitfiebern und ich gönne ihm seine Rache tatsächlich, doch auch wenn der Film diese Botschaft nicht tragen will, so ist sie dennoch für mich ein wenig spürbar – der Film verkauft die Rache von Jim Baxford als Lösung für seine Probleme. Das liegt daran, dass die ersten sechzig Minuten sich tatsächlich wie ein Drama anfühlen und man erwartet, dass Baxford auf clevere Art und Weise es noch schafft, seine Probleme zu lösen. Durch sein Fäkalwortvokabular wird dann jedoch schnell deutlich, dass er zwar auf stumpfe, aber doch intelligente Weise seine Gegner ausschaltet. Da ich damals vom Film Gesetz der Rache am Ende sehr enttäuscht war, bin ich froh, dass Boll endlich mal ein Machtwort gesprochen hat und sozusagen den weniger bösen Protagonisten gegenüber den bösen Brokern gewinnen lässt. Angeblich soll sogar ein zweiter Teil möglich sein, wenn man mancher Aussage im Internet Glauben schenken mag. Ich würde ihn mir auf jeden Fall anschauen!

Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars zu Assault on Wall Street!

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