Review: Shi Ki (Band 5)

Shi Ki (Band 5)Arzt Ozaki ist in einer Zwickmühle. Wir fragen, wie er die Menschen im Dorf Sotoba vor den gefährlichen Okiagari warnen soll, ohne dabei seine Glaubwürdigkeit völlig zu verspielen. Auch in solchen konservativ eingestellten und abgelegenen Landstrichen glauben nicht alle Leute direkt an das Übernatürliche. Ironischerweise ist sonst der einzige, der ihm glaubst, der hiesige Priester. Beide sind auch der Meinung, dass die frisch hinzugezogene Adelsfamilie Kanemasa ihre Finger im Spiel haben muss, wenn nicht sogar sie selbst die ersten Okiagari sind. Seltsamerweise kooperiert aber das Familienoberhaupt der Kanemasa-Familie mit dem Doktor und lässt sich auf eine körperliche Untersuchung ein, jedoch ohne irgendwelche Auffälligkeiten. Damit statuiert er ein Exempel, aber ob das Herz eines Okiagari wirklich nicht schlagen darf oder sie das Antlitz der Sonne tatsächlich meiden und ob diese Regeln für alle gelten, ersucht Ozaki zu beantworten. Es sind immerhin Fragen, welche generell das klassische Vampiertum in Frage stellen. Dabei hätte Autor Fuyumi Ono ihm ruhig etwas unter die Arme greifen dürfen.

Entschleunigung

Das schreiben wir deshalb, da auf tatsächliche Antworten der Arzt und damit auch der Leser, in der ersten Hälfe des Bandes nicht wirklich trifft. Ab der zweiten Hälfte fokussiert sich der Manga dann auf Natsuno Yuki, den wir schon aus den Bänden davor kennen. Auch er ist im Wissen über die Existenz dieser Kreaturen, erkennt in ihnen aber immer noch einen menschlichen Kern, besonders in seinem alten Freund. Obwohl er im Vorteil ist, könnte ihm diese Schwäche sehr schnell zum Verhängnis werden. Auf den über 190 Seiten bringt es die Story zwar kaum auf den Punkt, die stringenten Charaktere und vor allem Zeichner Ryu Fujisaki gleichen dies wieder aus: Zeichnerisch betreibt er wieder einmal seine berühmte Schwarzmalerei – natürlich im positiven Sinne. Der markante Stil mit starken Schwarzweiß-Kontrast wird nie alt, genauso wie weitere ungewohnte Inszenierungsmittel. Aus der Reihe fallen beispielsweise viele und dazu sehr detaillierte Nahaufnahmen von Gegenständen, die aber nie Brüche im Erzählfluss verursachen, ihm höchstens ein wenig an Geschwindigkeit nehmen und gelegentlich an westliche experimentelle Filme erinnern lassen.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit (basierend auf der ersten Auflage): Für mich ist dies der erste Band, dessen Inhalt mir arg gestreckt vorkommt. Irgendwie hätte die übermittelte Handlung auch auf halb so vielen Seiten Platz gefunden. Durch die offene Erzählweise, die zu keiner Zeit ein Blatt vor den Mund nehmen muss, wird dies aber mindestens wettgemacht. Dazu gesellen sich Charaktere, dessen Handlungshintergründe immer verständlich bleiben und nie aufgesetzt wirken. Besonders in unserer heutigen oft generischen Medienindustrie ist dies nur noch selten der Fall. Als Leser bekomme ich nie das Gefühl, mich über die doch auswirkungsreichen Entscheidungen der Figuren aufregen zu müssen – was stets ein gutes Zeichen ist. Da kann ich auch über die eine oder andere Lücke in der Handlung hinweggesehen.

Vielen Dank an Egmont Manga für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Shi Ki (Band 5)!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s