Review: Wolfenstein: The New Order

Wolfenstein - The New Order (1)Die Nationalsozialisten sind zurück! Besser gesagt, waren sie niemals weg, denn Wolfenstein: The New Order schickt uns in die guten alten Sechziger Jahre – mit der Besonderheit, dass die Nazis die Weltherrschaft an sich reißen konnten und dementsprechend überall präsent sind.

Wolfenstein - The New Order (2)Das so genannte Totenkopf-Regime hat den Zweiten Krieg gewonnen und die komplette Welt besiedelt. Die nationalsozialistische Diktatur verbreitet Angst und Schrecken um den Globus und besonders die futuristischen Waffen tragen ihren Teil dazu bei. Die Alliierten haben den Krieg gegen gigantische Stampfmaschinen und Roboterhunde verloren. Das Besondere ist aber, dass nicht Adolf Hitler die Kontrolle über diese Waffen hat, sondern die Befehle von General Totenkopf in Auftrag gegeben werden. Für uns geht die Geschichte schon vierzehn Jahre früher los. Genauer gesagt mit dem letzten verzweifelten Angriff der Amerikaner auf General Totenkopf und seine Schergen. Wir treten dabei in die Fußstapfen von William B.J. Blazkowicz und sehen, wie dieser Angriff fehlschlägt und B.J. sich dabei eine Kopfverletzung einfängt. Von nun an befindet sich der Protagonist über Jahre hinweg in einer Art Wachkoma, aus dem er sich nicht zu erholen scheint. Er verpasst die Kapitulation der Vereinigten Staaten nach einem Atomangriff und erlebt nicht mit, wie sich London zu einem zweiten Berlin formt. Erst als Totenkopf-Soldaten die Nervenklinik überfallen, erwacht B.J. aus seinem Koma und erledigt, was er vor vierzehn Jahren angefangen hat. Zunächst gilt es jedoch, an die Steuerung herangeführt zu werden und die schlauchartigen Spielabschnitte beherrschen zu lernen.

Old-School-Feeling

Wolfenstein - The New Order (3)Das Ziel der Entwickler war von Anfang an einen Ego-Shooter erschaffen zu wollen, der alte Erinnerungen mit neuer Grafik wieder aufleben lassen soll. Somit ähnelt das Spiel eigentlich den meisten Genrekollegen: Schlauchartiges Leveldesign, Gegnerhorden und viel gescriptete Action! Irgendwie ist es dann aber doch ein wenig anders. The New Order orientiert sich ganz an Spielen, die in den Neunziger Jahren und Anfang des 21. Jahrhunderts erschienen sind. Wenn wir von Kugeln getroffen, so können wir uns nicht hinter irgendwelchen Gegenständen verstecken und darauf warten, dass sich die Gesundheitsanzeige von selbst auffüllt. Health-Pakete und Panzerungsboni müssen mühsam in den einzelnen Levels gesucht werden. Auch finden wir Items ganz klassisch in Kisten, welche wir zerstören müssen. Hier bekommen wir wirklich ein anderes Spielgefühl zu Gesicht, in dem wir viel schneller agieren müssen, um zu viel Gesundheit zu verlieren. Verschanzen hilft niemanden. Einzig negativ ist uns aufgefallen, dass wir aufblinkende Gegenstände wie Waffen oder Gesundheitspackungen manuell durch Knöpfchendrücken aufsammeln müssen. Automatisch passiert hier nichts. Somit verbringen wir im Endeffekt doch viel zu viel Zeit damit, auf den Boden zu starren, um irgendwelche Gegenstände einzusammeln – dies stört den Spielfluss an vielen Ecken und Kanten!

Höhen und Tiefen

Wolfenstein - The New Order (4)The New Order ist ein klassischer und schneller Ego-Shooter mit einer präzisen Steuerung, geballter Action und einem rudimentären Deckungssystem. Da Deckungen aber zerschossen werden können, bleiben uns eigentlich nur zwei Optionen: Schleichen oder Sturmangriff. Hier ist es häufig klüger, Munition zu sparen und Gegner lautlos auszuschalten. Empfehlenswert ist die Option bei Offizieren, da diese durch Funk Verstärkung rufen können. Da die Soldaten immer feste Routen laufen, kann man sich in aller Ruhe dabei eine gewinnbringende Taktik ausdenken. Jedoch bringt das Schleichen gewisse Schwächen mit sich. Wir können es meist nie sonderlich abschätzen, ob wir von unseren Feinden nun gehört oder gesehen werden oder ob wir wirklich in jeder Position vor den Augen der Nationalsozialisten verborgen sind. The New Order erfindet das Rad somit nicht neu und bietet keine Besonderheiten, die das Genre revolutionieren. Auch storytechnisch gibt es Höhen und Tiefen. So bekommen wir sehr viel geballte Waffenkraft zu sehen, aber auch einige sehr ruhige Passagen, während man immer wieder ins Berliner Hauptquartier des Widerstandes zurückkehrt. Auf unserem Weg treffen wir auf viele interessante Charaktere, erforschen die Umgebung genau und erledigen einige Botengänge. Mit zwölf bis fünfzehn Spielstunden bekommen wir durchaus Vielfalt geboten.

Technische Abstriche

Wolfenstein - The New Order (5)Wieder einmal ist ein Spiel nicht so in der neuen Konsolengeneration angekommen, wie sich das so mancher von uns wünscht. Viele der Texturen wirken verwaschen und der Großteil der Animationen macht einen Eindruck, als ob die Spielcharaktere unter einer Bewegungsasthenie leiden. Die Animationen schwelgen viel zu sehr in der Vergangenheit. Im Jahr 2014 erwarten wir von einem Spiel in diesem Punkt mehr, da dies ganz besonders im Vergleich zwischen der Spielgrafik und den Zwischensequenzen auffällt. The Last of Us für die PlayStation 3 hat da schon im letzten Jahr gezeigt, was in der letzten Konsolengeneration technisch machbar war. Zudem gibt es in The New Order nur wenige Handlungsorte, die auch wirklich detailreich ausgestattet sind. Dazu gehört das Hauptquartier des Widerstandes, welches mit sehr schönen Lichteffekten und vielen Details durchdrungen ist. Im Gegenzug landen wir dann zu oft in irgendwelchen Gegenden wo tatsächlich fast alle Texturen wie ein Haufen aus Matsch zu sein scheinen. Dafür stemmt die PlayStation 4 die volle Full-HD-Auflösung bei fast konstant sechzig Bildern pro Sekunde; nur gelegentlich haben wir mit kleinen Rucklern zu kämpfen. Größere Fehler fallen uns in der optischen Gestaltung jedoch nicht auf. Abschließend lässt sich noch festhalten, dass die künstliche Intelligenz ihren üblichen Zweck erfüllt.

Geschrieben von Axel Gutsmiedl

Axels Fazit (basierend auf der PlayStation-4-Fassung): Beim Spielen von Wolfenstein: The New Order stellt sich eigentlich nur die Frage, was man sich von diesem Spiel erhofft. Die Entwickler waren bedacht darauf, ein Spiel der alten Generation zu entwerfen und ein gewisses Feeling der Vergangenheit in die Gegenwart zu transportieren. Wer diese Zeit und vor allem die Spiele gemocht hat, kann bei The New Order getrost zuschlagen und sich den Titel ins Regal stellen. Erwartet man jedoch Innovationen, bahnbrechende Neuerungen oder zumindest eine monströse Grafik, wie sie auf PlayStation 4 und Xbox One in der Theorie möglich ist, sollte lieber die Finger vom Spiel lassen. Der Titel möchte einfach eine spezielle Zielgruppe ansprechen und hier haben die Entwickler alle Aufgaben erfüllt. Das Spiel bietet viele Momente, um mich in Nostalgie der alten Tage versenken zu lassen und für die Zukunft wünsche ich mir jetzt tatsächlich mehr solcher Spiele. Endlich wieder auf die Gesundheit meines Protagonisten zu achten, übertriebene Waffen benutzen und ebenso übertrieben starke Gegner zu bekämpfen, möchte ich in dieser Form gerne ein weiteres Mal erleben!

Vielen Dank an Bethesda für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Wolfenstein: The New Order!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s