Review: Dragon Lord

Dragon Lord (1)Der Film Dragon Lord aus dem Jahr 1981 bleibt uns ganz besonders in Erinnerung. Hier hält Jackie Chan nicht nur den Posten als Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller inne. Er ist auch dafür verantwortlich, dass für eine Szene ganze 2900 Takes aufgenommen wurden.

Dragon Lord (2)Inhaltlich dreht sich der Film um die beiden Freunde Dragon und Cowboy. Sie sind Söhne aus zwei reichen Familien. Ihre Väter sind gut befreundet; die Freundschaft greift jedoch auch auf die beiden Freunde über, die sich wie Cousins fühlen und den Vater des anderen gar als Onkel ansprechen dürfen. Das Problem, das die beiden plagt, ist jedoch zu viel Freizeit. Dragon wird zwar von einem Lehrer in Geschichte, Geographie und Dichtkunst unterrichtet, doch wirklich verinnerlichen tut Dragon nichts. Cowboy hingegen wird jedes Mal schwer bestraft, wenn er eine schlechte Tat begeht. Dragon und Cowboy verbringen ihre Tage damit, in der Gegend herumzulungern und Blödsinn anzustellen. Mal probieren sie das Gewehr von Cowboys Vater aus und gehen auf Fasanenjagd, doch dann merken wir schnell, dass die beiden eine gewisse Leidenschaft verbindet: Frauen. Als sie sich eines Tages am Fluss erleichtern wollen, treffen sie auf die hübsche Alice. Sie verlieben sich beide in dieselbe Frau und das bedeutet selbst unter den besten Freunden für gewöhnlich Ärger. Es gibt Streit, doch wer selbst einen besten Freund hat, der wird wissen, dass solch ein Streit nicht lange anhält. Dragon darf Alice sogar ehelichen, falls diese einwilligen sollte. Durch einen Zufall treffen die beiden im Tempel aber auf ein paar Banditen, die gerade einen Mitverschwörer zu Tode prügeln. Dragon greift ein.

Lose Enden

Dragon Lord (3)Dragon Lord weiß an vielen Stellen leider nicht, welche Geschichte er eigentlich erzählen will. Wir erhalten Einblicke in vielerlei Geschehen, welches im großen Ganzen auch hervorragend harmoniert, aber eben nicht stark genug ineinander übergreift. Die Hintergründe über Dragon und Cowboy sind wichtig, doch fragen wir uns, ob man die Liebesgeschichte nicht hätte sein lassen können. So schnell sie in den Film eingewoben wird, so schnell verzettelt diese sich in einem losen Ende. Das Auftauchen der Bande, die nach Zusammenbruch der Qing-Dynastie Reliquien stehlen und verschiffen will, scheint zunächst Dreh- und Angelpunkt zu sein. So ist dann auch, zumal sich Dragon und Cowboy nicht nur einmal mit den Banditen herumschlagen dürfen. Von dem ganzen Einbruch in die Verbotene Stadt ist genau so wenig zu sehen wie auch nur ein Wertgegenstand des Diebesguts. Zudem kaufen wir dem Film nicht wirklich ab, nach dem Jahr 1912 zu spielen. Es fühlt sich durchgehend so an, als hätten alle guten Ideen von Chan und seinem Produktionsteam in diesem Film Platz gefunden, die in sonst keinem anderen Film mehr aufgenommen werden konnten. Sieht man davon jedoch einmal ab, kann der Film mit sehr vielen Szenen wunderbar unterhalten. Altmeister Chan hat es schon vor dreißig Jahren verstanden, wie man netten Humor mit tollen Action-Szenen verbinden sollte.

Grandiose Action-Szenen

Dragon Lord (4)Wir reden hier nicht von den Choreographien des Martial-Arts-Anteil des Films. Diese sind gewohnt auf typischem Jackie-Chan-Niveau und begeistern beispielsweise mit einem Kampf in einer Kornkammer. Viel mehr möchten wir die beiden Sport-Events, die in der Mitte und am Ende des Films spielen, hervorheben. Im ersten Spiel treten zwei Teams gegeneinander an, die nur mit Schlägen und Tritten einen etwas größeren Federball ins gegnerische Tor schießen müssen. Im zweiten und letzten Spiel müssen die Kämpfer vierer Teams eine Holzpyramide erklimmen, um an der Spitze einen goldenen Rugby-Ball zu ergattern. Diese Szene wurde mit ganzen zweihundert Darstellern gedreht. Von diesen haben sich übrigens neunzig sehr schwer verletzt. Das zeigt einmal mehr, wie Darsteller Cheung Wing Fat zudem in einem Interview auf der Blu-ray Disc mitteilt, wie damals die Risiken für einen Stuntman aussahen. Der Rest des Bonusmaterials kommt ohne ein Interview mit Jackie Chan aus. Als Ersatz schlummern zwei weitere Interviews, unter anderem mit In-Shik Hwang, auf der Disc. Ein besonderes Schmankerl ist jedoch der Audiokommentar von Hongkong-Kinoexperte Bey Logan für die internationale 96-minütige Filmfassung. Selbstverständlich liegt auch die ungeschnittene und 104-minütige Version vor. Szenen im kantonesischen Originalton sind deutsch untertitelt.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Möchte man Dragon Lord einen Stempel aufdrücken, so müsste ich den Film zwangsweise als netten Versuch abtun. Das möchte ich aber nicht, da ich in den 104 Minuten wirklich gut unterhalten werde. Dragon Lord zeigt mir viele Szenen, die absolut witzig sind. Ich erinnere mich sehr gerne an die Szene, die in der deutschen Fassung komplett zerstückelt wurde, aber im kantonesischen Originalton absolut unterhalten kann. In der wird Dragon (alias Jackie Chan) von seinem Vater getadelt und von ihm gezwungen, Gedichte und Geschichten zu rezitieren. Der Charakter Dragon hat es hier natürlich schwer und bekommt von drei weiteren Figuren ständig Hilfe, was in der ganzen Szene wirklich verdammt lustig ist. Zudem mag ich die Action-Szenen; weniger die Kämpfe und mehr die beiden sportlichen Aktivitäten, die hier mit tollen Choreographien eingefangen werden. Schade finde ich jedoch, dass die ganzen netten Geschichten, die durchaus sehr viel Potential haben, nur sehr lose zusammenhängen. Besonders die Liebesgeschichte mit Alice hätte man sich sparen können, da sie weniger Sinn hat, als sie dem Zweck wirklich dient. In den Interviews wird sogar davon gesprochen, dass Chan damals das Fünffache an Material aufgenommen hat, als für die Kinos überhaupt zulässig war. Da wären sicherlich einige nette Szenen dabei gewesen, die man in eine Langfassung integrieren oder zumindest als zusätzliche Szenen verewigen hätte können. So bleibt Dragon Lord ein durchschnittlicher Jackie-Chan-Film, den man sich dennoch nicht entgehen lassen sollte.

Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Dragon Lord!

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