Review: Lords of the Fallen

Lords of the Fallen (1)Wenn wir über Lords of the Fallen sprechen, dann muss sich der Titel vor allem Vergleiche mit der Dark-Souls-Reihe gefallen lassen. Umso interessanter ist es jedoch, herauszufinden, welche Alleinstellungsmerkmale das Abenteuer von Deep Silver einzigartig machen.

Lords of the Fallen (2)Das Entwicklerteam Deck13 Interactive steckt uns in Lords of the Fallen in die Haut des Harkyn, der mit seiner verbrecherischen Vergangenheit nicht gerade das Paradebeispiel eines klassischen Videospielhelden darstellt. Der Ex-Sträfling beginnt sein Abenteuer in einem alten abgeschiedenen Kloster – nicht etwa, um Buße zu tun – sondern, um die bestialischen Roghar aufzuhalten, die aus einem unerfindlichen Grund in die menschliche Welt einfallen. Dieses Kloster samt Umgebung wird Grundlage des deutschen Action-Rollenspiels, dessen Entwickler zuvor eher für Adventures wie Venetica und Ankh bekannt waren. Da stellt sich direkt die Frage, ob dieser Genrewechsel in unbekannte Gefilde auch Schwankungen in der Qualität mitbringt. Das können wir aber gleich einmal verneinen. Vielleicht liegt es an der direkten und unmissverständlichen Orientierung an Spielen wie Demon’s Souls oder Dark Souls II. Wer das Gameplays kennt und schätzt, wird sich hier automatisch heimisch fühlen. Gekämpft wird klassisch mit Schild, Schwert und Magie; die Komplexität ergibt sich aber durch den kniffligen Schwierigkeitsgrad und die fast schon simulationsartige Handhabung der Waffen. Ganz kommt es von seiner Härte nicht an die Souls-Abenteuer heran, das Spiel gibt dennoch einen sehr harten Ton an und ist definitiv schwerer, als die meisten Spiele heutzutage.

Spielgefühl der Extraklasse

Lords of the Fallen (3)Die Entwickler führen uns über den schmalen Grad zwischen Übermacht und hoffnungsloser Unterlegenheit. Letztere wird meist durch einen neuen Bosskampf eingeleitet, der uns nicht nur spielerisch abverlangt, sondern auch audiovisuell hervorsticht. Viele Steuerungselemente können wir intuitiv anwenden, ohne sie eigentlich erlernt zu haben. Dazu zählen zum Beispiel die Finisher-Moves. Das Haushalten mit den begrenzten Energie- und Ausdauerbalken spielt aber auch hier eine tragende Rolle. Nicht nur spielerisch erinnert Lords of the Fallen an seine spirituellen Vorgänger, denn das verwinkelte Leveldesign kommt uns bekannt vor und generell lädt die Struktur zum Erkunden ein. Eines der größten Wiedererkennungsmerkmale stellt aber wohl das Erfahrungspunktesystem dar: Stirbt Harkyn, hinterlässt er an seinem Todesort seine gesamte gesparte Erfahrung, sodass er nur noch einen Versuch hat, um diese zurück an einen Speicherstein tragen zu können. Dort kann er sie in feste Statuswerte und Zauberpunkte investieren. Geht er – und damit der Spieler – allerdings das Risiko ein, einmal länger ohne einen Checkpoint unterwegs zu sein, steigt automatisch ein Multiplikator, mit dem die erhaltene Erfahrung pro erledigter Gegner berechnet wird. Dieser steigt bis zur nächsten Rast. Wer wagt gewinnt, wer sich überschätzt, verliert auf einen Schlag alles!

Unberechenbare Magie

Lords of the Fallen (4)Dieses System hört sich zunächst krass an, doch im Grunde wird der Spieler aber niemals seinen Spielfortschritt wegen eines leichtsinnigen Fehlers gefährden. Wirklich neu dagegen ist der Magiehandschuh – ein futuristischer Apparat mit unterschiedlichen Feuermodi. Dieser beansprucht die Aufgaben der Fernangriffe für sich, sodass wahlweise magische Geschosse, Granaten beziehungsweise Druckwellen aus dem seltsamen Apparat entsannt werden. Dabei belaufen sich die Kosten auf unser Mana-Konto, welches sich nach einiger Zeit regeneriert. Der Einsatz selbst erfordert dagegen schon mehr Geschick, denn dafür steckt Harkyn – wie beim zweihändigen Halten einer Waffen – erst mal sein Schild weg. Dadurch ist auch die magische Komponente der Kampfmechanik keinesfalls zu stark ausgefallen, etwas anders sieht es da schon bei den drei unterschiedlichen Magie-Klassen aus. Jede Klasse beinhaltet drei aufrüstbare Zaubersprüche, die den magischen Werdegang von Harkyn widerspiegeln. Die Talente gestalten sich sehr einzigartig. So werden Gegner verlangsamt, mit Klonen abgelenkt oder Harkyn selbst geheilt. Einige Sprüche erweisen sich dabei als wesentlich nützlicher als andere, sodass sich bestimmte Techniken im regelmäßigen Gebrauch befinden. Erst bestimmte Bosse erfordern wirklich das Umdenken und Wechseln auf spezifische Moves.

Rau wie Eisen, kalt wie Stahl

Lords of the Fallen (5)Das Spiel kommt bestens ohne Karte aus, da auch die Spielwelt nicht mehr bietet, als mit bloßen Füßen zu erreichen wäre. Hin und wieder sorgt die verschachtelte Levelstruktur des Klosters für Orientierungsprobleme. Die gesamte Welt ist aber verknüpft, sodass gründliches Erkunden und Suchen uns irgendwann automatisch auf die richtige Fährte lenkt. Die Story selbst ist dabei zwar nicht gerade die interessanteste, aber wenigstens langweilt sie uns nicht. In den vereinzelten Dialogen mit den Nichtspielercharakteren von Lords of the Fallen sind mehrere Antwortmöglichkeiten keine Seltenheit; ihre Präsenz verschafft uns sogar optionale Dialogoptionen und die eine oder andere Nebenquest, die meist auf einzusammelnde Objekte hinausläuft. Gegner sehen sich zwar alle sehr ähnlich, aufgrund ihrer Angriffsmuster muss für jeden Feind eine eigene Strategie entwickelt werden. Wie in From-Softwares-Werken gilt auch hier: Übung macht den Meister und so sollte es auch sein. Anschließend gibt es nichts befriedigenderes, als mit einem zweihändig gehaltenen, flammenden Breitschwert durch die kalte Luft ebenso wie durch feindlichen Stahl zu schmettern. Krasse Soundeffekte und Animationen der Spitzenklasse vertiefen diese wuchtigen Effekte und verpassen Lords of the Fallen einen vielleicht schon fast ungewollt beängstigend rauen Ton.

Bugs, des Spielers Todfeind

Lords of the Fallen (6)Die Menüs und Eingabefelder sind genretypisch sehr klassisch gehalten. Ähnlich steht es um den leichten Comiclook, der das Spiel auf den ersten Blick etwas generisch aussehen lässt. Dieses Gefühl verfliegt aber, alsbald wir selbst etwas länger Hand an den Controller legen und die Welt mit eigenen Augen erkunden. Ein schön hoher Detailgrad mit sehr vielen Licht- und Partikeleffekten bestätigt auch noch einmal, dass dieses Spiel wohl niemals auf den Last-Gen-Konsolen gelaufen wäre. Selbst auf der PlayStation 4 verliert das Abenteuer im Kampf gegen besonders große – sprich gefährliche – Gegner einige Bilder pro Sekunde; hier hätte man unbedingt mehr Zeit in die Entwicklung stecken müssen, denn bei einem Spiel, in dem auch Timing eine sehr wichtige Rolle spielt, ist das leider alles andere als schön. Wesentlich nerviger sind nur noch die Bugs, die uns während des rund fünfzehnstündigen Abenteuers in vielfältiger Ausführung auflauerten: Ein gewöhnlicher Spielabsturz ist noch relativ unkreativ – lustiger wird es, wenn Harkyn plötzlich in einer Treppe feststeckt oder seine Waffen durch den Gegner schnellen, als wären sie Luft, Harkyn aber nach wie vor aus Fleisch und Blut existiert. Solche Bugs wurden zwar glücklicherweise nicht zur Regelmäßigkeit, aber trotzdem stören sie in einem Spiel, in dem jeder Fehler direkte Konsequenzen nach sich zieht.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit (basierend auf der PlayStation-4-Fassung): Auf Lords of the Fallen hab ich mich dieses Jahr ganz besonders gefreut. Meine Affinität zu den Souls-Spielen ist ungebrochen, genauso wie das Verlangen nach Spielen, die damit vergleichbar sind. Das neue Action-Rollenspiel von Deck13 Interactive ist in dieser Hinsicht genau das – die wichtigsten Komponenten wurden nämlich eins zu eins kopiert und funktionieren genauso gut. Ein wirklicher Klon ist es dennoch nicht, denn dafür wurde das gesamte Spiel an anderen Stellen komplett anders aufgezogen: Wesentlich linearer sind die Levels und alle Figuren und erzählerischen Komponenten erinnern daran, dass ich es hier mit einem knallhart westlichen Spiel zu tun habe. Und auch der Härtegrad erreicht den von seinen Vorbildern nur ansatzweise. Insgesamt spielte ich aber dennoch meinen persönlichen Überraschungshit des Jahres. Da will ich nur hoffen, dass noch mehr Spieler auf diesen Titel aufmerksam werden, denn von solchen Spielen gibt es immer noch viel zu wenig – egal wie sehr sie sich ähneln!

Vielen Dank an Deep Silver für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Lords of the Fallen!

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