Review: Wooden Man

Wooden Man (1)Beim Film Wooden Man aus dem Jahr 1976 ist Lo Wei nicht als Regisseur tätig, sondern hält sich als Produzent im Hintergrund zurück. Der Qualität des Films tut dies keinen Abbruch, da uns der von der ersten bis zur letzten Minute mit einer tollen Story und tollen Kämpfen packt.

Wooden Man (2)Kein Kind der Welt möchte wohl sehen, wie der eigene Vater vor den eigenen Augen getötet wird. Little Mute oder Stummer, wie er in der deutschen Synchronfassung genannt wird, muss diese Tragödie allerdings in jungen Jahren erleben. Nach dem Tod seines Vaters wird er von den Shàolín-Mönchen eines Klosters großgezogen und ständig aufgezogen. Jahre vergehen und dennoch bleibt Little Mute schwach und überlebt das Training jeden Tag nur, um abends überhaupt noch einmal einschlafen zu können. Er träumt davon, eines Tages ein ganz großer Kampfkünstler zu sein und schlägt in seinen Träumen auch seinen Meister mit Leichtigkeit. Dann ist es jedoch wieder Morgen und Little Mute muss den Tag überleben. Das Training beginnt mit dem Aufsuchen der Wasserquelle, wo alle Mönche zwei Eimer füllen und das Wasser die lange Treppe zum Kloster hinauf befördern müssen. Die Crux an der Sache ist aber die, dass die Eimer jeweils ein kleines Loch haben. Man muss sich also beeilen, um das Fass vor dem Tempel rechtzeitig vor dem Nachmittag zu befüllen. Gefaulenzt darf aber auch dann nicht. Enttäuscht vom Tagwerk seines Schützlings, schickt der Meister Little Mute zum Holzhacken. Während der beiden Tätigkeiten trifft Little Mute auf eine Nonne Buddhas und einen ständig betrunkenen Mönch, die ihm Hilfe im Erlernen der Kampfkunst gewähren.

Freund und Feind in einer Person

Wooden Man (3)Die wichtigste Inspirationsquelle ist allerdings ein Gefangener unter den Höhlen des Klosters. Dieser scheucht alle Mönche direkt fort und möchte auch kein Essen von ihnen haben. Alle Mönche wehren sich natürlich mit Worten, doch Little Mute kann nicht sprechen. So bildet sich zwischen Little Mute und dem Gefangenen eine tiefe Freundschaft, was allerdings dazu führt, dass Little Mute auf den falschen Weg geleitet wird. Vom Gefangenen erfährt er, dass er in einem Kampf schnell dafür sorgen muss, dass der Gegner kampfunfähig gemacht und am besten auch noch tödlich verletzt wird. Von ihm erfährt Little Mute auch, wie er gegen die Holzmänner kämpfen kann. Die hölzernen Männer bewachen nämlich eine Kammer, die jeder, der das Kloster verlassen will, bezwingen muss. Als Gegenleistung muss Little Mute eine Nachricht an einen Apotheker in der nächsten Stadt überbringen. Damit fangen die Probleme allerdings erst richtig an. Der Gefangene hat schon mehrere Menschen auf dem Gewissen und jetzt ist ihm anscheinend eine Möglichkeit in den Sinn gekommen, um aus dem Verlies zu entkommen. In der nächstgelegenen Kneipe trifft Little Mute zudem auf ein Mädchen, welches prompt von den Mitglieder der Bande seines alten Freundes für diesen entführt wird. Little Mute nimmt seinen Mut zusammen und stellt sich seinem Freund mit allen Mitteln.

Menschlichkeit

Wooden Man (4)Wooden Man ist im Grunde eine einzige Ode an die Humanität. Während der Gefangene dem Protagonisten Little Mute die schlechte Handlungsweise nahelegt, fordert ihn die Nonne dazu in seinen Gedanken auf, sich für den Pfad der Gerechtigkeit einzusetzen. Zwiegespalten ist er dabei gefangen in einer brutalen Welt, in der er einfach nur den Mörder seines Vaters finden will und dabei ist genau dieser ihm eigentlich näher, als er bis zum finalen Kampf eigentlich denkt. Die Rachestory ist durchdacht und zeigt uns einen Kämpfer, der von seinem Dasein als Anfänger bis zum Experten Triumphe und Rückschläge einstecken muss. Jackie Chan nimmt eine seiner ersten erwachsenen Rollen sehr ernst und ist für Wooden Man neben seiner Rolle als Little Mut, auch noch als Stunt-Koordinator und Action-Regisseur tätig. Die Kämpfe in Wooden Man können sich wirklich sehen lassen und bis auf wenige Ausnahmen wird hier alles ohne Drahtsteile erledigt. Das gefällt uns gut! Genauso gut gefällt und das Bild der HD-Fassung. Sicherlich wäre hier bei einer gründlichen Digitalüberarbeitung viel mehr möglich gewesen, doch für einen Film aus dem Jahr 1976 kann sich das Bild bis auf ein paar leichte (durchgehende) Verunreinigungen sehen lassen. Die deutsche Synchronisation ist gelungen und zieht den kantonesischen Originalton (beides in DTS-HD 5.1) nicht ins Lächerliche.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Bisher bin ich mit Lo-Wei-Produktionen nicht ganz klar gekommen, doch das hat sich bei Wooden Man sehr stark geändert. Mir hat besonders die Story um Rache und Verrat sehr gut gefallen, da diese wirklich von Beginn an durchdacht ist und zu einem fast achtminütigen Endkampf führt. Dazu kommen Dialoge, die ich den Protagonisten und Antagonisten abkaufe; ins Lächerliche wird hier nichts gezogen. Wenn man Martial-Arts-Filme mag, merkt man schnell, dass einem auch die Kämpfe sehr gut gefallen. Der Kampf in der Kammer mit den hölzernen Männern mag vielleicht doch recht gewöhnungsbedürftig sein, aber alle anderen Kämpfe zwischen Menschen machen durchaus einen gut choreographierten Eindruck. Jackie Chan hat hier nicht nur eine tolle Hauptrolle gespielt, sondern auch hinter der Kamera einen guten Job in Bezug auf Action und Stunts bewiesen. Die 108 Minuten von Wooden Man vergehen wie im Flug, doch umso ärgerlicher ist es, dass dann kein Bonusmaterial auf der Disc vorhanden ist. Gerne hätte ich hier den einen oder anderen Einblick in die Produktion erhalten, was bei einem Film aus dieser Zeit allerdings nicht immer so einfach ist. Trotzdem: Wooden Man lohnt sich für allem für Fans von Martial-Arts-Filmen. Alle anderen suchen sich lieber eine Komödie mit Jackie Chan!

Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Wooden Man!

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