Review: 1911 Revolution

1911 Revolution (1)Im Jahr 2012 jährte sich ein Ereignis zum einhundertsten Mal. Seit mehr als einhundert Jahren ist China ohne Kaiser; erst eine Republik, dann eine Volksrepublik. Zu diesem Anlass wurden die Ereignisse von 1910 bis 1912 im Film 1911 Revolution noch einmal zusammen gefasst.

1911 Revolution (2)Die Bevölkerung Chinas leidet zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht nur unter den feindlichen, ausländischen Mächten, die einige Teile des Landes besetzt haben, sondern auch unter der Regierung selbst. Die Qing-Dynastie herrschte zu diesem Zeitpunkt seit mehr als 250 Jahren. Da Kaiserinwitwe Longyu kaum etwas die Besatzer unternimmt und das Volk leiden muss, wird der Widerstand im Volk immer größer. Aus der Bevölkerung entsteht eine neue Armee, die sich den Streitkräften des Kaisers widersetzen. Anführer der Revolution sind Huang Xin und Sun Yat-sen. Letzterer ist für das Ziel der Revolution, die seit über zweitausend Jahren bestehende Monarchie zu stürzen, von besonderer Bedeutung. Zweitrangig wird im Film eine unterhaltende Geschichte erzählt, viel mehr möchte das Werk uns die Eckpfeiler der Revolution näherbringen, in der viel Blut vergossen wurde. So erleben wir in 1911 Revolution, wie der bewaffnete Aufstand von Wuchang stattgefunden hat und wie die Kaiserinwitwe zur Abdankung gezwungen wurde. Diese Szenen werden durchgehend mit informativen Texten, die teils ein Erzähler vorliest, kurz ein- oder ausgeleitet. Besonders gut zur Geltung wird die Reaktion des Kaiserhauses eingefangen, welches immer mehr an Macht verliert und bei den Revolutionären auch keine Chance mehr dazu hat, zumindest eine konstitutionelle Monarchie zu etablieren. Somit ist ebenfalls die andere Seite des Konflikts deutlich charakterisiert.

Die Xinhai-Revolution

1911 Revolution (3)Man möchte um jeden Preis eine Republik in China gründen; möglichst ohne Blutvergießen. Es ist beachtlich, wie gut die Charaktere mit ihren Vorstellungen der idealen Herrschaft im Land umgehen und welche Entwicklung sie im Verlauf der auf zwei Stunden ausgelegten Handlung durchmachen. Man kann von der heutigen Volksrepublik China halten was möchte, damals war eine Revolution, um eine Republik zu errichten, wohl unumgänglich, um China vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Somit kann man definitiv davon sprechen, dass die Xinhai-Revolution eines der bedeutendsten Ereignisse in der Geschichte Chinas, sogar eines der wichtigsten Ereignisse in der Weltgeschichte gewesen ist. 1911 Revolution ist ein beeindruckender Historienfilm, welcher das Nationalgefühl von China gut zum Ausdruck bringt und ein elementares Stück der chinesischen Geschichte behandelt. In die Rolle von Longyu schlüpft Joan Chen und Winston Chao verkörpert abermals Dr. Sun Yat-sen. Nicht nur von seinem verblüffenden Schauspieltalent, sondern auch vom Aussehen könnte man sich kaum jemand besseres für diese Rolle aussuchen. Dem einen oder anderen Zuschauer wird es verwundern, dass Jackie Chan in die Rolle des Huang Xin schlüpft. Ist das Multitalent normal für seine illustren Figuren in diversen Action-Filmen bekannt, mimt er hier einen ernsthaften Menschen. Chan ist aber nicht nur als Schauspieler, sondern auch als Regisseur tätig.

Realistisches Kriegsszenario

1911 Revolution (4)Der Brillanz des Films tut dies allerdings keinen Abbruch. Da die Revolution nicht ohne viele blutige Auseinandersetzungen erkauft werden konnte, erleben wir in 1911 Revolution relativ viele Schusswechsel und auch diverse Schlachtfelder und Schützengraben werden vorgestellt. Bomben und Granaten explodieren mit ordentlichem Krach und wenn man sich erst einmal die Ausmaße der Auseinandersetzungen ansieht, dann wird man richtig in die Atmosphäre der Revolution gezogen. Man versteht das Leiden der Opfer und Verwundeten. Sämtliche Effekte wirken in Chans einhundertstem Film sehr realistisch. Ob dies wirklich sein hundertes Film ist, gesteht er in einem Interview, müsse er selbst erst einmal prüfen. Schließlich wirkt er in seinen Filmen nicht nur als Regisseur und Schauspieler mit und nimmt auch gerne mal die eine oder andere Position ein. Optisch sieht der Film in 1080p sehr gut aus, fällt aufgrund des Settings (Schützengräben, Schlachtfelder) oft etwas aus. Die Musik von Ding Wei untermalt das Geschehen passend. Bedrohliche, ruhige und wichtige Szenen werden ausgezeichnet zum Ausdruck gebracht. Die intelligenten Dialoge bereichern den Inhalt des Films, sowohl in der deutschen Synchronfassung als auch in Mandarin. Beide Tonspuren liegen auf der Blu-ray in DTS-HD 5.1 vor. Untertitel darf man sich in Deutsch und Niederländisch hinzuschalten.

Halbgares Bonusmaterial

1911 Revolution (5)Bei den eingangs bereits erwähnten eingeblendeten kleinen Texten in Mandarin und Englisch werden aber auch bei der deutschen Tonspur Untertitel hinzugeschaltet, die häufig zu schnell verschwinden. Hier hätte Mighty Titles die eingeblendeten Untertitel nach Fertigstellung ruhig noch einmal überprüfen  können. 75 Minuten Bonusmaterial sind auf der Blu-ray neben ein paar einzelnen Trailern ebenfalls enthalten, doch nur die halbstündige Pressekonferenz konnte uns wirklich überzeugen. Hier werden wichtige Fragen zu den Charakteren von Jackie Chan und Co beantwortet. Es wäre auch toll gewesen, mehrere Interviews mit dem Martial-Arts-Star und seinen Kollegen auf der Disc vorzufinden, doch einzig und allein das Interview mit Li Bingbing hat uns nicht sonderlich vom Hocker gehauen. Nicht informativ und zu kurz ist es ausgefallen. Der restliche Bonus beschränkt sich auf B-Roll-Material und kurze Making-ofs, die aber ebenfalls nur wie pures B-Roll-Material wirken. Eine Dokumentation über die Geschehnisse von 1911 hätten das Gesamtwerk abgerundet. Unterm Strich bleibt aber dennoch ein mehr als ansehnlicher Film. Wer sich für die Geschichte Chinas interessiert und sich dabei die eine oder andere Freiheit im Handlungsverlauf gefallen lässt, der darf sich auf 121 Minuten pure Spannung und tolle Dialoge in einem realistischen Setting freuen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Die letzten einhundert Jahre von China sind sehr tragisch. Man stürzt zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Monarchie, um die Republik zu gründen, bis diese 1949 zur Volksrepublik umfunktioniert wird. Ohne die Revolution wäre dies de facto nicht möglich gewesen. Das unter den ausländischen Besatzern und der Herrschaft der Qing-Dynastie leidende Volk beginnt sich nach den Opiumkriegen gegen die Ungerechtheit langsam aber sicher aufzulehnen. Das Ergebnis ist eine Revolution, die aus der Monarchie in China schlussendlich eine bis heute währende Republik, wenn vielleicht auch in einer nicht von Anfang an so gewollten Form, besteht. Ich finde es erstaunlich, wie gut die Rollen von Huang Xin und Sun Yat-sen in 1911 Revolution verkörpert werden. Der Film hat genau die richtige Länge, greift alle wichtigen Eckpfeiler ab und nimmt sich dabei auch die eine oder andere Freiheit, um die Geschichte weiterzuspinnen. Einzig allein interessant hätte ich es gefunden, die am Ende der Handlung angelegten Verhandlungen etwas in die Länge zu ziehen und mehr über die Herrschaft der Qing-Dynastie zu erfahren. Die Ausgangslage ist im Film einfach nur, dass die Herrschaft unter den Qing schlecht ist. Bei meinem ersten Review zu 1911 Revolution von 2012 habe ich beschlossen, dass ich den Film erst wieder anschaue, wenn mein Hintergrundwissen über die chinesische Geschichte gewachsen sei. Mir sind zwar nicht viele neue Details aufgefallen, doch habe ich durch mein Studium nun ein wesentlich besseres Verständnis für die Hintergründe erlangt. Nach wie vor möchte ich dem Film allen empfehlen, die sich für die Geschichte Chinas interessieren.

Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von 1911 Revolution!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s