Review: Tōkyō Ghoul – Vol. 2

Tokyo Ghoul - Vol. 2 (1)In einem Moment ist man noch ein Mensch und im nächsten Augenblick erwacht man schon als Hybridwesen. Kaneki Ken muss sich dieser Realität stellen, denn nach einem Date mit der hübschen Kaneshiro Rize erwacht er im Krankenhaus halb als Mensch und halb als Ghul.

Tokyo Ghoul - Vol. 2 (2)Tōkyō Ghoul spielt im modernen Tōkyō, in denen Ghule schon immer unentdeckt getarnt als Menschen lebten. Sie unterscheiden sich lediglich ihrer Essensgewohnheiten. Zwar besuchen sie wie Menschen Cafés, Restaurants und andere Plätze, in denen sie typische Nahrung zu sich nehmen können, doch ist dieses Essen Gift für ihre Körper. Sie können es höchstens mit suggeriertem Kauen hinunterschlucken, doch bevor es vom Körper verdaut wird, müssen sie es aus ihrem Magen verbannen. So viel hat Protagonist Ken bereits gelernt. Damit er jedoch nicht zu einer Bestie mutiert und Menschen in Tōkyō auflauert, um sie schließlich zu töten und zu essen, muss er viel Kaffee trinken, denn das Heißgetränk ist das einzige, was ihn von seinem Hunger ablenkt. Wie gut, dass er im Café Anteiku Freunde findet, die ebenfalls Ghule sind und ihm einen Arbeitsplatz bieten. Mittlerweile sind mehrere Monate ins Land gezogen, doch hört Ken im Café immer wieder von Vorfällen, die sich in der japanischen Hauptstadt ereignen. Eine Spezialeinheit, bestehend aus Ghuljägern, die sogenannten Tauben, machen in den Straßen und Hinterhöfen von Tōkyō Jagd auf die Ghule. Aus diesem Grund müssen sich sowohl Ken, als auch seine Ghulfreunde vor den Tauben verstecken und zudem immer auf der Hut sein, sollten sie das Café verlassen – schließlich könnte jede Konfrontation die letzte sein.

Kannibalismus

Tokyo Ghoul - Vol. 2 (3)Ein neuer wichtiger Charakter im Anime Tōkyō Ghoul ist Tsukiyama Shū, der sich angeblich mit Rize auf einer sehr intellektuellen Ebene hervorragend austauschen konnte. Da Rize nicht mehr unter den Lebenden weilt, sieht er in Ken einen neuen Gesprächspartner, um sich über Literatur und berühmte Autoren austauschen zu können. Während Ken vor Shū gewarnt wird, ignoriert er ihre Warnungen und entdeckt in ihm einen anständigen Ghul, mit dem er sich nur wenige Tage später verabredet. Als sich Ken wegen dem nicht durchschaubaren Shū an einer Tassenscherbe schneidet, lädt der ihn gleich in ein edles Restaurant ein. Anstatt jedoch dort zu dinieren, taucht Shū nicht auf. Der Raum entpuppt sich als Fahrstuhl, sodass Ken hinab in den Keller des Gebäudes gefahren wird, wo eine riesige Arena auf ihn wartet. Dort soll Ken von einem Schlächter zu Tode gefoltert werden, damit sich dutzende Ghule an Kens Fleisch laben können. Als Shū bemerkt, dass Ken nur mit einem roten Ghulauge gesegnet ist, bricht er das Festmahl ab und tötet stattdessen den Schlächter. Ken beschwichtigt er damit, dass es nur ein sehr makaberer Scherz war und er niemals zugelassen hätte, dass man ihn tötet. Als Ken einen Tag später auf der Straße seinen früheren Feind Nishio Nishiki vor Kannibalen rettet und so seine Freundin kennenlernt, nutzt Shū die Gelegenheit, um einen perfiden Plan zu schmieden.

Menschlichkeit

Tokyo Ghoul - Vol. 2 (4)Tōkyō Ghoul nutzt die Folgen der zweiten Volume, um ein gesellschaftliches Problem in der Ghulwelt aufzuwerfen. Da Ghulfleisch für Ghule angeblich ungenießbar ist, wird Protagonist Ken zur optimalen Mahlzeit auserkoren. Nishiki, ebenfalls ein Ghul, wird nur wenig später zu einem Opfer von Ghulen, die sich an ihm laben wollen. Das Moralverständnis, welches bisher nur die Menschen betraf, rückt in den vorliegenden Episoden in den Mittelpunkt der Ghule. In Tōkyō Ghoul wird es zunehmend schwieriger, über die Entscheidungen einzelner Individuen zu urteilen. Schwierig ist auch der Einsatz der Tauben einzuordnen, da es diesmal freundliche Ghule trifft, die keine Jagd auf Menschen machen. Am optischen Erscheinungsbild hat sich in den Episoden 4 bis 6 nichts geändert. Nach wie vor sind die Grafiken optisch sehr scharf und das Bild kontrastreich. Hin und wieder wird dennoch kurz mit diffusem Licht gespielt, um ein paar Charaktere besser einfangen zu können. Musikalisch bleibt der Soundtrack auf einer sehr düsteren Ebene, denn heitere Szenen gibt es so gut wie nicht. Musik hat in den behandelten Episoden dennoch eine besondere Bedeutung. Beispielsweise wird die neunte Symphonie von Antonín Dvořák an einer Stelle eingespielt, um Shūs Kunstverständnis darzustellen. Uns gefällt es, da zwischen den makaberen Szenen so noch ein Überbleibsel Menschlichkeit bleibt.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Tōkyō Ghoul hat mich theoretisch schon nach der ersten Episode auf eine Reise mitgenommen, die ich so schnell nicht beenden möchte, auch wenn der Anime nur aus zwölf Folgen besteht. Das heißt also, dass ich nach der zweiten Volume bereits die Hälfte der Serie erlebt habe. Der Anime hat mich mittlerweile aber nicht nur theoretisch begeistert, denn spätestens ab jener Szene, wo Ken vom Schlächter malträtiert werden soll, habe ich jede einzelne Minute von Tōkyō Ghoul genossen und in mir aufgesogen. Dabei bleibt die Serie nicht mehr ein bloßes Fantasy-Drama, sondern ein Anime, der sich mit gesellschaftlichen Problemen beschäftigt, die sich zum Beispiel in Form von Diskriminierung oder sogar im Kannibalismus unter Ghulen äußern. In Tōkyō Ghoul werden eben Probleme mit anderen Mitteln erörtert, wie man sie vielleicht von einem intelligenten Anime erwarten würde. Trotzdem sind viele der Sachverhalte in die Realität übertragbar. Ich bin gespannt, welche Themen Tōkyō Ghoul in der zweiten Hälfte der Serie noch aufgreifen wird und vor allem mit welchen Mitteln.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Tōkyō Ghoul!

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