Review: Hellsing: The Dawn

Hellsing: The Dawn (1)Mit den drei kurzen Kapiteln von Hellsing: The Dawn reichte Produktionsstudio Graphinica zusammen mit Vollendung der ursprünglichen Hauptreihe in Japan einige Schlüsselszenen aus der Vergangenheit nach.

Hellsing: The Dawn (2)Im Grunde finden wir uns als Zuschauer in einer ähnlichen Lage wieder, wie in Hellsing: Ultimate – nur etwa fünfzig Jahre vor dessen Ereignissen. Während sich die aktuelle Filmreihe oft auf die damaligen Ereignisse zur Zeit des Zweiten Weltkrieges bezieht, bekommen wir nun selbst die Gelegenheit, in die damalige Zeit zurückzureisen und an eigener Haut mitzuerleben, wie der Butler des königlich-protestantischen Hellsing-Ritterordens zusammen mit Alucard, damals noch als Jungspund, auf Seite von Großbritannien das Sediment von Hellsing: Ultimate legt. Denn das finstere Treiben des verrückten Majors und seiner treuen Spießgesellen sorgte schon vor einem halben Jahrhundert für Ärger der besonderen Art: Damals standen in Warschau die Ghul-Forschungen an denselben geheimen Experimenten, die in Hellsing: Ultimate geglückt sind, fast vor dem Abschluss. Wer im Geschichtsunterricht allerdings aufgepasst hat, weiß, dass die letztlichen Anstrengungen des nationalsozialistischen Regimes dessen Untergang nicht verhindern konnten und keine Untoten-Armee über Europa herfiel und in Schutt und Asche legte. Dass dieser schreckliche Fall nicht eintrat und der Major die nächsten fünfzig Jahre sein Sauerkraut aus Eigenanbau nicht mehr genießen konnte, haben wir unseren beiden Helden zu verdanken – geklärt wird das in den drei Mini-Episoden.

Inhaltslose Vergangenheit

Hellsing: The Dawn (3)Diese basieren ebenfalls auf einer Manga-Reihe vom Autor und Illustrator Hirano Kōta, die aktuell noch produziert wird. Daran lässt sich auch direkt unser größter Kritikpunkt auf The Dawn projizieren: Auch wenn die Thematiken im Prequel zweifelsohne genug Potential haben, um vollständig erzählt zu werden, haben wir inhaltlich jedoch mehr erwartet. Die Struktur ist eindeutig darauf aufgebaut, die Hintergründe Stück für Stück zu enträtseln. Leider war nach drei Folgen bis dato Schluss, was der Blu-ray nicht nur eine Laufzeit von relativ kurzen dreißig Minuten verleiht, sondern im Hinblick auf das offene Ende etwas ärgerlich ist. Hier lohnt es sich in den laufenden Manga einzusteigen, solange man keine Abneigung gegen Buchstaben oder schwarz-weißen Bebilderungen aufweißt. Die Animationen befinden sich auf dem Stand der letzten Ultimate-Filme. Die Action-Szenen verdeutlichen aber, dass es sich hier um Bonus-Einlagen handelt, für die nicht dasselbe Produktionsbudget bereitgestellt wurde. Dank des übernommenen herausragenden Stils in Form von Lichtstimmungen und Farbgebungen empfehlen wir trotzdem die Blu-ray-Variante. Die entschlackte Action tut der Gewalt keinen Abbruch, die immer noch in ihrer Vollständigkeit ein wichtiges Markenzeichen von Hellsing ist. Somit ist auch dieser Ableger ab sechzehn Jahren freigegeben.

Auf das Äußere kommt es an

Hellsing: The Dawn (4)Was in Sachen Animationsqualität eingespart wurde, macht der Humor wieder wett. Auch wenn die Nazis als das absolute Böse dargestellt werden, haben sie doch einen mindestens so ausgeprägten Sinn für Humor wie unsere Helden. Als Zuschauer können wir jederzeit darüber Lachen, weil wir genau wissen, dass die japanischen Schöpfer ebenfalls keine ernsten Hintergedanken bei der Erstellung hegten. Abgesehen vom tatsächlichen Inhalt der drei kurzen Episoden stellt ein weiterer Kaufgrund natürlich der beigelegte Sammelschuber dar. In dem blutroten, quadratischen Karton mit den Maßen von 17 Zentimeter zu 14 Zentimeter zu elf Zentimeter fügen sich die neun erschienen Episoden zusammen mit The Dawn und dem zukünftigen zehnten Film zu einem ansehnlichen Gesamtbild zusammen. Das Mediabook von The Dawn wurde innen sowie außen mit der selben Aufmachung wie die restlichen Cover gestaltet. Darin befindet sich linksseitig, nicht wie bisher, Infos zu Geschehnissen und Figuren des jeweiligen Films, sondern schlichte Artworks aller bisherigen Hellsing-Ultimate-Episoden. Diese sind zwar nett anzusehen, im Hinblick auf die inhaltlichen Diskrepanzen von The Dawn wären aber genau hier ein paar Extra-Informationen interessant gewesen. Bis Januar, wenn die zehnte Episode erscheint, stellt The Dawn aber auf jeden Fall eine nette Alternative dar.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas’ Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Hellsing: The Dawn stellt ein nettes Wiedersehen mit vielen beliebten Figuren dar, deren Charakteristika schön zur Schau gestellt werden. Besonders lustig finde ich es, ein paar Figuren in der vollen Blüte der Adoleszenz zu ertappen. Dennoch empfehle ich The Dawn nur Fans, die nach der letzten Episode noch ein wenig mehr über das Hellsing-Universum in Videoform erfahren wollen. Inhaltlich bieten die drei Filmchen nicht ganz so viel, wie möglich gewesen wäre. Trotzdem ist es beachtlich, dass Nipponart diese kleine Hellsing-Ergänzung auch bei uns veröffentlicht hat. Der Schuber stellt da vielleicht schon einen ebenso großen Kaufgrund dar, auf den Sammler sich besonders freuen dürften.

Vielen Dank an Nipponart für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Hellsing: The Dawn!

© 2006 Kouta Hirano SHONEN GAHOSHA Co. LTD. / WILD GEESE (Bildmaterial)

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