Review: Magical Shopping Arcade Abenobashi

Magical Shopping Arcade Abenobashi (1)Japanische Einkaufsstraßen, so genannte Shōtengai, sind ein gesellschaftliches und wirtschaftliches Phänomen, welches sich seit dem Platzen der Spekulationsblase 1989 zu einem ernstzunehmenden Problem entwickelt hat – heute sind viele von ihnen menschenleer gefegt.

Magical Shopping Arcade Abenobashi (2)Die dreizehnteilige Anime-Serie Magical Shopping Arcade Abenobashi beschäftigt sich hintergründig mit diesem Phänomen, denn die beiden Hauptcharaktere Imamiya Satoshi und Asahina Arumi leben in der fiktiven und titelgebenden Einkaufsstraße Abenobashi, welche den realen Vorbildern entsprechend nicht unüblich als ganzes Viertel dargestellt wird. Obwohl die menschenleeren Gassen sehr wohl eine ausreichende Darstellungsweise als Kritik rechtfertigen, baut der Anime vorherrschend auf mythischen und mystischen Elementen auf. So wird das Viertel in allen vier Himmelsrichtungen von Schutzpatronen von äußeren Einflüssen abgeschirmt, doch als die Pelikan-Figur über dem Pelikan-Grill von Arumis Großvater zerbricht, öffnet sich in Abenobashi das Tor in eine andere Dimension. Gejagt von riesigen Pilzen, finden sich Satoshi und Arumi nach einer abenteuerlichen Flucht, in der die Häuserfassaden von Abenobashi wie Filmkulissen umfallen, in einer mittelalterlichen Fantasy-Welt wieder, die noch dazu von Rollenspiel-Gesetzen beherrscht wird. Dazu kommt, dass bekannte Gesichter aus ihren Familien in der parallelen Dimension ebenfalls auftauchen und sie nur noch mehr verwirren, wo sie sich jetzt eigentlich befinden. Ihr oberstes Ziel ist ihnen und uns als Zuschauer schnell klar: Satoshi und Arumi müssen den Weg in ihre eigene Welt finden.

Interdimensionale Reisen

Magical Shopping Arcade Abenobashi (3)Der Weg zurück nach Hause ist jedoch alles andere als leicht, denn obwohl sie das Portal relativ schnell finden, landen sie nach der Reise in einer weiteren Dimension, die sich von ihrer Realität noch mehr entfernt. Dieses System zieht sich im Anime durch fast sämtliche Folgen, sodass wir in den Genuss abwechslungsreicher Welten kommen. Eine Raumstation, ein Trip nach Hongkong, eine Reise in die Steinzeit oder in die Zwanziger und Dreißiger Jahre mögen zwar zunächst nicht spektakulär klingen, doch sind es die humoristischen Elemente, welche den Anime besonders machen. Der Humor mag zwar in den Dialogen und Monologen, zumindest in der deutschen Synchronfassung, nicht wirklich zur Geltung kommen, doch die Bildsprache ist dafür gespickt mit zahlreichen Anspielungen auf die japanische und US-amerikanische Populärkultur, die uns regelmäßig zum Schmunzeln bringen. Kämpfe mit Robotern sind ebenso dabei, wie riesige Figuren, die gleich einem Kaijū-Film entsprungen sein könnten. Magical Shopping Arcade Abenobashi mangelt es nicht an Ideen und dem Anime gelingt es sogar, die verschiedenen Dimensionen interessant und noch dazu plausibel miteinander zu verbinden. So erhalten wir unter anderem Einblicke in die Aufgaben eines Onmyōji, der zwischen den vorgestellten Welten wandelt und Satoshi bei seinem Werdegang beisteht.

Gut gealterter Anime

Magical Shopping Arcade Abenobashi (4)Überraschenderweise liegt der Anime aus dem Jahr 2002 im 16:9-Bildformat vor und sieht in der 1080p-Auflösung wirklich gut aus. Einzig und allein an den Figuren und ihren Animationen kann man dem Anime die Entstehungszeit ansehen. Während die japanische Tonspur nur in PCM Stereo vorliegt, kann die deutsche Synchronisation mit dem Format Dolby Digital 5.1 punkten. Wer des Japanischen mächtig ist, sollte aufgrund von Authentizität dennoch die japanische Fassung aufgrund von Dialekten vorziehen. Der Anime liegt auf zwei Datenträgern vor, die in einem stabilen Schuber aufbewahrt werden. Während auf der ersten Disc die ersten sieben Episoden enthalten sind, findet man auf der zweiten Disc die letzten sechs Folgen. Bonusmaterial liegt in digitaler Form leider nicht vor. Das ist schade, da wir gerne mehr über die Hintergründe des Animes erfahren hätten. Außerdem wäre es interessant und genau wie der Anime sehr humorvoll gewesen, wie sich die Köpfe hinter dem Projekt für einige Design-Entscheidungen rechtfertigen wollen. Stattdessen winken in physischer Form nur ein Sticker mit einem Motiv zur Serie und ein Poster im DIN-A4-Format mit den Charakteren darauf. Ob diese Dreingaben die Bezeichnung Collector’s Edition rechtfertigen, muss im Endeffekt jeder für sich selbst entscheiden. Unserer Meinung nach wäre hier jedoch mehr möglich gewesen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Magical Shopping Arcade Abenobashi ist ein Anime, dessen Konzept mich sehr an die Neunzigerjahre-Fernsehserie Sliders: Das Tor in eine fremde Dimension erinnert. Auch hier versuchen die Charaktere, den Weg zurück in ihre Heimatwelt zu finden und ähnlicher könnte der Aufbau der Anime-Serie nicht sein. Trotzdem setzt der Anime mit dem Humor, zumindest in der Bildsprache mit aberdutzenden Anspielungen, ganz eigene Akzente. Ständig passiert etwas, was dermaßen unglaubwürdig und oft sehr gewagt ist, über das man sich totlachen kann. Man muss sich auf diese Art von Humor jedoch einlassen, denn während andere Anime ihren Humor auch über Dialoge und Monologe zum Ausdruck bringen, gelingt dies Magical Shopping Arcade Abenobashi kaum bis gar nicht – zumindest in der deutschen Fassung. Im japanischen Original nutzt man Dialekte, die man in der englischen Synchronisation sogar übernommen beziehungsweise ersetzt hat – in der deutschen Fassung fehlt davon jede Spur und ist somit ein großer Fehler, den das dafür zuständige Synchronisationsstudio gemacht hat. Meiner Meinung nach eignet sich der Anime am ehesten dazu, halbstündige Pausen im Tagesablauf zu überbrücken. Wer sich auf den Anime samt seiner Defizite genauso einlässt, wird auch sicherlich sehr zufriedengestellt werden.

Vielen Dank an Nipponart für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Magical Shopping Arcade Abenobashi!

© GAINAX/ABENOBASHI PROJECT (Abbildungen)

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