Review: Ano Hana (Vol. 1)

Ano Hana (Vol. 1) (1)Jeder wird leider schon einmal die Erfahrung gemacht haben, einen Freund oder ein Familienmitglied verloren zu haben. Der elfteilige Anime Ano Hana: Die Blume, die wir an jenem Tag sahen, beschäftigt sich mit den Gefühlen und Erinnerungen der Hinterbliebenen.

Ano Hana (Vol. 1) (2)Hauptsächlich dreht sich die Geschichte des vorliegenden Animes um den Schüler Yadomi Jinta. Dieser hat sich aus dem gesellschaftlichen Leben weitgehend zurückgezogen. Er lebt zusammen mit seinem Vater in der japanischen Stadt Chichibu in der Präfektur Saitama. In die Schule geht Jinta nicht. Stattdessen beschäftigt er sich den ganzen Tag lang mit Videospielen. Sollte er mal nicht an einer seiner Videospielkonsolen zu finden sind, faulenzt er, isst gemeinsam mit seinem Vater und scheut jegliche Kommunikation mit anderen Menschen. Diese Umstände ändern sich jedoch schlagartig, als plötzlich seine Kindheitsfreundin Honma Meiko in seinem Zimmer auftaucht und den Kontakt zu ihm sucht. An diesem Fakt mag zunächst nichts außergewöhnlich klingen, haben wir doch alle hin und wieder das Bedürfnis, mit Menschen zu reden, die wir Jahre lang nicht mehr gesehen haben. Allerdings ist Meiko schon vor vielen Jahren gestorben, sodass Jinta natürlich seine mentale Verfassung in Frage stellt. Obwohl Meiko trotz ihres Auftretens mit der Umgebung interagieren, sprich Türen öffnen oder Nahrung zu sich nehmen kann, ist es nur Jinta möglich, mit ihr zu sprechen. Von anderen Personen wie Jintas Vater wird sie rigoros ignoriert. Als eines Tages seine Klassenkameradin und gemeinsame Freundin der beiden, Anjō Naruko, vorbeischaut, ändert sich für Jinta alles.

Vergangenes und Gegenwärtiges

Ano Hana (Vol. 1) (3)Meiko wird als richtiger Quälgeist dargestellt, der Jinta zu allem und alles motivieren muss, indem sie ihn nur lange genug mit den verschiedensten Argumenten überredet. Schließlich war Meikos Tod der Auslöser für Jintas abweisendes Verhalten der Gesellschaft gegenüber. Obwohl sich ihre Clique bestens verstanden hat, hat ihr Tod die Freunde auseinander gebracht. Seitdem gehen sich die meisten von ihnen aus dem Weg oder beschränken die Kommunikation untereinander auf das Nötigste. Dadurch, dass Meiko über Jinta den Kontakt zu ihren Freunden sucht, verändern sich die zwischenmenschlichen Beziehungen zunehmend. Alte Freundschaften werden über Videospiele und Manga neu entfacht und Feindseligkeiten weitgehend begraben. Trotzdem stellt Ano Hana klar, dass die letzten Jahre nicht einfach ad acta gelegt werden können, sondern von den Charakteren verarbeitet und aufgearbeitet werden müssen. Als primäres Ziel setzt sich der Anime die Auflösung des Gefallens, den Jinta Meiko vor ihrem Tod erweisen sollte. Es bleibt allerdings unklar, welche Bitte er ihr erfüllen muss. Dadurch verfällt Ano Hana in einem Trott, der sich zwar ständig im Kreis dreht, doch dafür wunderbar die unterschiedlichsten Charaktere, oft mit ihren ganz eigenen Problemen, thematisiert. Hier sollte und muss der Anime in der zweiten Serienhälfte unbedingt stark nachlegen.

Realitätsverbundene Erzählweise

Ano Hana (Vol. 1) (4)Erzählt wird die Geschichte mehrmals mit kurzen Rückblenden, die sinnvoll in die Handlung eingearbeitet und jeweils für sich genommen wichtig für das gegenwärtige Geschehen sind. Um eine schnelle Identifikation mit den Charakteren zu ermöglichen, zitiert der Anime relativ häufig die japanische Populärkultur. So spielen die Freunde eine eindeutig nur leicht abgewandelte Form eines Spiels, in dem Monster gefangen und getauscht werden wollen. Oder es wird daraufhin gewiesen, dass bald die nächste Folge One Piece anfängt und man deshalb die illustre Karaoke-Runde verlassen möchte. Außerdem werden berühmte Markennamen wie der einer beliebten Fastfood-Kette umgewandelt, damit der Handlungsort Chichibu schnell mit der Realität identifiziert werden kann. Der Plan geht auf, denn trotz kultureller Unterschiede zwischen Japan und dem deutschsprachigen Raum haben wir uns sehr schnell heimisch in der Anime-Umsetzung der Kleinstadt gefühlt. Während die Charaktere etwas überzeichnet wirken, können die Hintergründe dafür mit möglichst realistisch gehaltenen Landschaften und Architekturen punkten. Die musikalische Untermalung ist zweckmäßig, ermüdet an vielen Stellen jedoch etwas. Dafür sind die deutsche und die japanische Synchronisation gut gelungen, wobei das japanische Original etwas authentischer wirkt. Als Bonus winken zwei Postkarten.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Die ersten sechs Episoden von Ano Hana haben mich zufriedengestellt. Das verarbeitete Konzept ist sichtlich nicht neu und wurde bereits von zu vielen Werken der Populärkultur aufgegriffen. Ich finde es jedoch gut, dass sich der Anime dafür mehr mit den einzelnen Figuren beschäftigt und keinen Lösungsweg sucht, wie die anderen Freunde mit der verstorbenen Meiko kommunizieren können. Dadurch erhalte ich viele verschiedene Einblicke in das Leben der Charaktere und wie ihre Freundschaft funktioniert hat und wieder funktionieren könnte, denn wie in der Realität können vergangene Entscheidungen nicht von einen Tag auf den anderen rückgängig gemacht oder gar vergessen werden. Ano Hana ist jedoch ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite ist die Erzählweise mit Anspielungen auf die japanische Populärkultur und durch die Umwandlung bekannte Markennamen zwar gelungen, doch auf der anderen Seite fallen manche der Charaktere durch ihre Persönlichkeiten störend auf. Dadurch, dass sich der Anime mit dem Hinarbeiten auf ein primäres Ziel noch zurückhält, kann ich auch definitiv noch nicht abschätzen, wie sich die Geschichte entwickeln wird. Hier sollte man auf das Beste hoffen, doch dem Anime nicht böse sein, wenn die Lösung nicht wie erhofft ausfällt oder gar scheitern wird.

Vielen Dank an Peppermint Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Ano Hana (Vol. 1)!

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