Review: Ninja Slayer From Animation

Ninja Slayer From Animation (1)Es gibt Anime-Serien, die mag man aufgrund ihrer Handlung und ihrer Inhalte. Dann gibt es welche, die man bewusst wegen ihrem Zeichenstil oder ihrem Humor anschaut. Der Anime Ninja Slayer Animation aus dem Animationsstudio Trigger weiß selbst nicht, was er sein will.

Ninja Slayer From Animation (2)Der Handlungsort von Ninja Slayer Animation ist die fiktive Großstadt Neo Saitama. Der Verpackungstext beschreibt die Cyberpunk-Metropole als ein Moloch aus Gewalt und Verbrechen. So und nicht anders wird Neo Saitama in allen 26 Episoden, die jeweils maximal fünfzehn Minuten dauern, auch charakterisiert. Ninja herrschen über die Stadt und verbreiten Angst und Schrecken. Hauptsächlich dreht sich die Serie jedoch um den Salaryman Fujikido Kenji, dessen Familie getötet wurde. In seiner Verzweiflung wird er von einer mächtigen Ninja-Seele übermannt und kommt in den Genuss neuer Kräfte. Gestärkt sinnt er nach Rache und beginnt seinen Feldzug, einen Ninja nach dem anderen in der Stadt auszuradieren. Entsprechend lässt sich auch der Titel des Anime erklären, denn aus Kenji wird der titelgebende Ninja Slayer. Während sich die Geschichte meistens mit dem Ninja Slayer beschäftigt, gibt es auch Nebenhandlungen, die als Stränge in die Hauptstory eingewebt sind. So machen wir unter anderem die Bekanntschaft mit Yamoto Koki, ein Schulmädchen, welches auch von einer Ninja-Seele übermannt ist. Interessanter ist da schon die Figur Rī Nanshī, die sich mit ihren Hacking-Fähigkeiten ins Internet verbinden kann. Treffen die Ninja aufeinander, verläuft das meistens nach demselben Schema – sie stellen sich typisch japanisch ritualisiert einander vor.

Selbstdefinition

Ninja Slayer From Animation (3)Ninja Slayer From Animation definiert sich überwiegend über seinen Zeichenstil, der sich je nach Szene und auftretenden Charakteren auch stark voneinander unterscheidet. Während die Hintergründe für Anime-Verhältnisse recht plastisch erscheinen, sind die Figuren meistens so wenig animiert, dass es fast schon an Grausamkeit grenzt. In der Regel handelt es sich dabei um zweidimensionale Charaktere, die ähnlich wie bei der Zeichentrickserie South Park einfach nur auf den Hintergrund gesetzt sind. Während das beim US-amerikanischen Vorbild im gesamten Kontext noch Sinn und ein eigenständiges Bild ergibt, reicht das hier einfach nicht aus, da zwischenzeitlich immer wieder zwischen den Zeichenstilen gewechselt und gar mit Explosionseffekten gearbeitet wird, die deplatziert wirken. Oft bewegen sich nicht einmal die Lippen der Charaktere, wenn sie sich bewegen sollten. Für den einen oder anderen Zuschauer mag das zwar verständnislos sein, doch man darf den kreativen Köpfen hinter dem Projekt aber nicht vorwerfen, dass sie nichts leisten können. Ninja Slayer From Animation ist bewusst auf billig getrimmt und will gar nicht mit schönen Charakterzeichnungen und Effekten überzeugen. Das Problem ist jedoch, dass sich diese Standards leider durch die ganze Serie ziehen.

Kultverdächtigt trotz klarer Defizite

Ninja Slayer From Animation (4)Dazu kommt noch, dass Ninja Slayer From Animation nur auf DVD und nicht auf Blu-ray Disc veröffentlicht wird – inklusive des Bildformats in 4:3. Wer also Wert auf Gestaltungstechnik legt, wird vom Anime sehr enttäuscht sein. Außerdem gibt es in der deutschen Veröffentlichung keine deutsche Synchronisation. Es gibt tatsächlich nur den japanischen Originalton in PCM 2.0. Zudem ist die Tonspur nur in Mono enthalten. Wer des Japanischen nicht mächtig ist oder die wirklich guten Synchronsprecher nicht gänzlich verstehen kann, freut sich über deutsche Untertitel (in der letzten Folge wurden diesen aber vergessen). Manch einer mag das für einen schlechten Scherz halten, trifft aber definitiv die Intention von Regisseur Amemiya Akira und seinem Animationsteam, ältere Anime aus den Siebzigerjahren des zwanzigsten Jahrhunderts durch den Kakao zu ziehen. Man muss ihnen zugutehalten, dass ihm das definitiv gelungen ist. Hierzulande wird der trotz seiner starken Defizite irgendwie doch kultverdächtige Anime in einer Gesamtausgabe vermarktet, die drei Datenträger mit allen 26 Episoden enthält und insgesamt eine Laufzeit von circa 390 Minuten vorweist. Zudem enthält die Gesamtausgabe noch einen Sticker und ein Poster im DIN-A4-Format. Interessanterweise verzichtet Publisher Nipponart diesmal auf die Bezeichnung Collector’s Edition – ist hier aber vermutlich auch besser so.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der DVD-Fassung): Man mag es kaum glauben, doch an Ninja Slayer From Animation hat tatsächlich dasselbe Animationsstudio gearbeitet wie an Kill la kill. Während Kill la kill auch nicht sonderlich gut animiert war, war der Zeichenstil des Animes dennoch in sich geschlossen bündig und passte zum Humor der Serie. Ninja Slayer From Animation bricht ständig aus diesem System aus und bedient sich verschiedener Gestaltungstechniken. Mich stört das zum Teil gewaltig, denn besonders die Szenen, in welcher der titelgebende Ninja Slayer auftritt, wirken fast immer viel zu billig. Natürlich weiß ich, dass das so gewollt ist, macht die Sache für mich aber nicht besser. So kann das Animationsstudio Trigger kein Lachen von mir erwarten, denn auch die Handlung ist eigentlich viel zu düster, um die Kämpfe einfach so recht animationsarm zu gestalten. Natürlich kann ich die Hintergründe für diese Entscheidungen verstehen, doch waren in den Siebzigerjahren hierzulande Anime kein großes Thema, sodass viele der Anspielungen für das deutsche Publikum wohl unentdeckt bleiben werden. Weiterführende Informationen in Form eines Booklets oder digitalen Bonusmaterials hätten hier wirklich Wunder bewirkt. So ist und bleibt Ninja Slayer From Animation ein Anime, der die Handlung eines nach Rache sinnenden Ninja mit Schmerz und Humor gut erzählt, aber sich viel zu oft wiederholt und eigentlich nur im Kreis dreht. Kennt man sich aber vor allem mit der japanischen Anime-Geschichte aus, kann Ninja Slayer From Animation vielleicht sogar doch der beste Geheimtipp des Jahres 2016 sein.

Vielen Dank an Nipponart für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Ninja Slayer Form Animation!

©Ninj@ Entertainment/Ninj@ Conspiracy (Abbildungen)

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