Review: A.O.T.: Wings of Freedom

A.O.T. Wings of Freedom (1)Videospielumsetzungen von Anime oder Manga sind seit Jahrzehnten nicht mehr aus der Industrie wegzudenken. Sie sind eine wichtige Einnahmequelle geworden, richten sich jedoch nur an ein begrenztes Publikum. A.O.T.: Wings of Freedom macht dabei keine Ausnahme.

A.O.T. Wings of Freedom (2)Die im Titel des Spiels verwendete Abkürzung A.O.T. steht für Attack on Titan und basiert auf dem gleichnamigen Anime, der wiederum auf dem Manga von Isayama Hajime aufbaut. Dabei ist die englische Bezeichnung des Franchises ein wenig irreführend, denn während der japanische Titel Shingeki no Kyojin so viel wie vorstoßende oder angreifende Titanen bedeutet, dreht man den Spieß in der ausländischen Namensgebung um. Daraus könnte man also fälschlicherweise schließen, dass nur Menschen Jagd auf die Titanen machen. In Attack on Titan sieht die Sache jedoch ganz anders aus. Seit mehr als einhundert Jahren bedrohen riesige Titanen, die in der Regel menschlich-männlichen Körpern nachempfunden sind, die Welt und ihre Bewohner. Niemand weiß, woher die Titanen stammen, warum sie so plötzlich aufgetaucht sind und warum sie nach dem Leben der Menschen trachten. Nachdem die Menschheit immer mehr dezimiert worden ist, haben sich die letzten Menschen zu einer Enklave zusammengefunden und drei riesige Mauern, genannt Maria, Rose und Sina, um ihr Reich errichtet, um sich vor ihren Feinden zu schützen. Die äußere Mauer, die den dritten Bereich umschließt, ist bereits vor Jahren gefallen. Seitdem versuchen die Menschen das Areal zurückzuerobern, doch der Nachschub an Titanen ist immens und die Lage nahezu aussichtslos.

Spannende Charaktere und packende Handlung

A.O.T. Wings of Freedom (3)Wings of Freedom folgt der Handlung der ersten Anime-Serienstaffel. Wir schlüpfen in die Rolle von verschiedenen Charakteren, die sich in ihren Persönlichkeiten allesamt sehr stark unterscheiden und über leicht unterschiedliche Fähigkeiten verfügen, die wir im Kampf einsetzen dürfen. Unter anderem verkörpern wir Eren Jaeger oder Mikasa Ackermann, die in der 104. Trainingseinheit dienen, um ihre Mitmenschen vor den Titanen zu schützen. Für selbiges ist auch Levi verantwortlich, der jedoch außerhalb der Mauern Jagd auf die Titanen macht und gleich einen ganzen Trupp anführt. Gerne würden wir weiter auf die Charaktere und ihre teils atemberaubenden Entwicklungen eingehen, doch jedes weitere Wort wäre ein Spoiler zur wirklich interessanten und packenden Geschichte, die man sogar genießen kann, wenn man den Manga nicht gelesen oder nicht einmal den Anime gesehen hat. Allerdings möchten und müssen wir an dieser Stelle unbedingt anmerken, dass die meisten Protagonisten zwar wirklich gut eingeführt und ausreichend charakterisiert werden, doch auf Seiten der Antagonisten gibt es vor allem zum Ende hin mehr Fragen als Antworten. Besonders das Story-Ende lässt uns mit ein paar aufpoppenden Fragezeichen über unseren Köpfen zurück. Hoffen wir also inständig, dass sowohl der Anime, als auch das Spiel dazu irgendwann fortgeführt werden.

Highlander: Es kann nur einen geben

A.O.T. Wings of Freedom (4)Während sich das Spiel vor allem an die Spieler richtet, welche die Vorlage kennen oder sich zumindest mit dieser beschäftigen wollen, geht das Gameplay wesentlich schneller in Fleisch und Blut über. Jeder Charakter ist an den Seiten mit einer Vorrichtung ausgerüstet, in der Klingen, Gas und zwei Anker Platz finden. Die Anker sind zudem an zwei Seilen befestigt, sodass wir diese simultan auf Häuserwände oder Bergmassive schießen dürfen, um uns durch die Luft zu katapultieren. Wenn wir bei diesem Unterfangen Gas frei setzen, bekommen wir temporär einen gehörigen Geschwindigkeitsschub. Natürlich sollten die Anker auch auf die Gliedmaßen der Titanen gerichtet werden. Ist einer der Kolosse in Sicht, visieren wir Beine, Arme oder gleich den Nacken an, um den Riesen außer Gefecht zu setzen. Dabei sollten wir kurz vor dem Einschlag selbstverständlich unsere Klinge ziehen, um dem Giganten Schaden zuzufügen. Sobald erst einmal ein Bein fehlt, kann sich der Titan nicht mehr so schnell bewegen und ohne die Arme hat er auch nicht mehr die Möglichkeit, uns oder andere Einsatzkräfte auf diesem Weg anzugreifen. Der Nacken ist im Übrigen die ultimative Schwachstelle, denn während alle Gliedmaßen sich nach zwei Minuten selbst regenerieren, gilt das nicht für abgetrennte Köpfe. Isayama hat sich hier offensichtlich ein wenig am Film Highlander orientiert.

Motivierendes Spielkonzept

A.O.T. Wings of Freedom (5)Im Verlauf der Handlung kommen unter anderem Blend- oder Schallgranaten hinzu, mit denen wir einige der Titanen sogar fast schon zwangsweise besiegen müssen, wenn wir nicht die Zeit aufbringen wollen, um alle Gliedmaßen vorher abzutrennen. Auf so manchem Schlachtfeld dürfen wir auch zu Pferd über die Steppen düsen. Besonders hilfreich ist dies, wenn keine Ankerpunkte in der Nähe sind. Außerdem müssen wir immer darauf Acht geben, dass unsere Vorräte nicht zur Neige gehen. In der Vorrichtung ist nämlich nur begrenzt Platz für Klingen und Gas. Je weiter wir in Haupthandlung und Nebenmissionen jedoch vorpreschen, desto bessere Ausrüstung können wir uns im Lager anfertigen lassen. Dazu ist es jedoch stets erforderlich, dass wir nicht nur das nötige Kleingeld, sondern auch die richtigen Rohmaterialien mitbringen. Diese erhalten wir, indem wir Missionen abschließen oder markierte Gliedmaßen von Titanen abschneiden. Dieses System ist ungemein motivierend, da wir so auch Erfahrungspunkte für unsere Helden sammeln, die dadurch neue Fähigkeiten für den Kampf erlernen. Beispielsweise ist es dann möglich, Kettenangriffe zu starten oder den Gegnern mehr Schaden zuzufügen, wenn wir einen kleinen Trupp kontrollieren. Haben wir uns erst einmal eine neue Waffe schmieden lassen, können wir es kaum erwarten, diese kurz auszuprobieren.

Umfang in Titanengröße

A.O.T. Wings of Freedom (6)Anhand des Gameplays merken wir, dass hier die Entwickler von Koei Tecmo beziehungsweise Omega Force am Werke waren. Anspruchsvoll sind die Kämpfe nämlich nicht; schon nach kurzer Zeit wiederholen sich die Aktionen sowohl von unserer, als auch von Seiten der Titanen, viel zu oft. Wir schlachten zwei bis drei der Titanen ab, sausen zum nächsten Logistiker, füllen unsere Vorräte auf und suchen weiterhin nach dem Quasi-Anführer auf dem Schlachtfeld, um den Kampf zu beenden. Hin und wieder wollen Dorfbewohner oder ein Gebäude beschützt oder gerne mal ein Kamerad gerettet werden. Dies verläuft aber in den meisten Fällen ebenfalls nach demselben Schema. Die künstliche Intelligenz der Nichtspielercharaktere regt im Übrigen fast nur bei den Eskortmissionen auf. Hier haben die Entwickler seit Bladestorm: Nightmare nichts hinzugelernt, denn oft reiten die Figuren im Kreis oder bleiben stehen und warten darauf, dass der nächste Titan zur Mahlzeit schreitet. Wer sich mit dem repetitiven Gameplay anfreunden kann, wird sich darüber freuen, dass er von diesem dutzende Stunden unterhalten wird. Nicht nur Aufträge oder Neben- und Spezialmissionen strecken die Spielzeit auf schätzungsweise fünfzig Stunden enorm, sondern auch ein Online-Modus, in dem man gemeinsam Jagd auf die Titanen machen kann. In diesem Sinne: Waidmannsheil!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-4-Fassung): Da ich bei Weitem nicht der größte Manga-Leser oder gar –Liebhaber bin, warte ich seit ungefähr zwei Jahren auf die Veröffentlichung des Animes von Attack on Titan. In diesem Jahr soll es angeblich und endlich soweit sein – da kam mir das Spiel A.O.T.: Wings of Freedom gerade recht! Hier konnte ich dann schon einmal wunderbar in das Attack-on-Titan-Universum eintauchen. Während mir die Titanen mit ihrem absurden, teils ekligen oder gar dümmlichen Design bis heute nicht zusagen, finde ich die Charaktere mitsamt ihrer persönlichen Entwicklungen, sowie die eigentliche Thematik sehr spannend. Zum Ende der Handlung habe ich leider nur noch sehr wenig verstanden, warum sich diese Tatsachen genauso entwickelt haben und was eigentlich alles um Eren und seine Mitstreiter passiert. Da ich den Anime nicht kenne, kann ich leider nicht sagen, inwiefern man hier der Vorlage wirklich treu war. Ich hoffe jedoch inständig, dass mir der Anime oder gar ein Nachfolger zum Spiel Antworten auf diese Fragen geben werden. Am Rest des Spiels kann ich nur das repetitive Gameplay bemängeln. Die Aufgaben verlaufen ständig nach demselben Schema und ändern sich im ganzen Spiel kaum. Trotzdem kann der Titel für ein bis zwei Stunden am Abend immer gut unterhalten. Vor allem wer einen Freund hat, der ebenfalls ein Interesse am Titanschnetzeln hat, wird sich mehr als nur einmal online wiederfinden. Schade nur, dass der Titel keinen Splitscreen-Modus für zwei Spieler hat. Technisch müsste die PlayStation 4 dazu definitiv problemlos im Stande sein, da fernab von so mancher schöner Textur und einer großen Anzahl von Titanen keine große Leistung von ihr erbracht werden muss. Wer dennoch etwas mit den unzähligen Spielen von Koei Tecmo etwas anfangen kann und sich mit dem Anime etwas näher beschäftigen will, darf bei A.O.T.: Wings of Freedom bedenkenlos zugreifen!

Vielen Dank an Deep Silver für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von A.O.T.: Wings of Freedom!

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