Review: Bladestorm: Nightmare

Bladestorm Nightmare (1)Wie wir es jüngst an Samurai Warriors 4 sehen, beschäftigt sich das Entwicklerstudio Koei Tecmo nach wie vor sehr gerne mit den historischen Hintergründen diverser Nationen. 2007 veröffentlichte man Bladestorm: Der Hundertjährige Krieg für PlayStation 3 und Xbox 360.

Bladestorm Nightmare (2)Bis 2015 sollte es allerdings dauern, bis der Titel halbwegs einen Nachfolger erhalten sollte. In Bladestorm: Nightmare erleben wir nach wie vor den Hundertjährigen Krieg von Seiten der Engländer und der Franzosen, doch wurde der Umfang um eine weitere Kampagne erweitert. Auf die zusätzlichen Szenarien werden wir gleich eingehen, doch zunächst möchten wir einen groben Umriss über die Ausgangslage des Hundertjährigen Kriegs liefern. Im Jahr 1066 wird England von Wilhelm I. erobert. In den kommenden zwei Jahrhunderten waren die englischen Könige zwar den französischen Herrschern gleichgestellt, doch waren sie zugleich die größten Grundbesitzer in Frankreich. Frankreich gelingt es, den einstigen Vasallen immer mehr zu schwächen. Es kommt zu Eroberungen und versuchten Rückeroberungen diverser Landstriche. 1328 stirbt schließlich Karl IV. von Frankreich und damit der letzte männliche Kapetinger. So kam es zu einem Erbfolgestreit, der damit endete, dass 1337 Frankreich die Mobilmachung der Truppen ausrief. Der folgende Krieg sollte sich über einhundert Jahre strecken. Genau in diese Zeitepoche fällt Bladestorm: Nightmare, doch anstatt wie in Dynasty Warriors und Co in die Rolle berühmter Persönlichkeiten zu schlüpfen, spielen wir hier zunächst eines Söldner, den wir mithilfe eines recht großzügigen Editors von Grund auf selbst erstellen können.

Wohl gestärkt in den Kampf

Bladestorm Nightmare (3)Ausgangspunkt der Hundred-Years‘-War-Kampagne ist eine Taverne. Hier unterhalten wir uns mit diversen Nichtspielercharakteren, die uns Informationen, Hintergründe und Gerüchte verraten, mit denen wir dann auf dem Schlachtfeld konfrontiert werden. Außerdem haben wir hier die Möglichkeit, unsere Söldner zu verwalten und unsere Truppen zu verbessern. Um das zu erreichen, können wir entweder bei einem Händler neue Ausrüstungsgegenstände erwerben und die Soldaten damit ausrüsten oder wir investieren gewonnene Fähigkeitspunkte in diverse Fertigkeiten unserer Truppen. Dazu benötigen wir jedoch erst einmal diverse Bücher, die wir auf dem Schlachtfeld gescriptet oder zufällig finden, aus denen wir dann das Wissen für das Kommandieren der neuen Einheiten ziehen. Nach einem gut erklärten Tutorial, in dem wir die Grundlagen des Spiels erlernen, werden wir auch schon ins Schlachtengetümmel geworfen. In Bladestorm: Nightmare ist es grundsätzlich immer unsere Aufgabe, in verschiedenen Arealen ein Dorf, eine Stadt oder eine Burg einzunehmen. Jede Ortschaft wird selbstverständlich vom Feind bewacht, den es zu besiegen gilt. Da laufen wir mit Schwertkämpfern direkt ins Gefecht oder positionieren uns mit Bogenschützen außerhalb der Mauern, um unsere Feinde innerhalb des bewachten Gebiets zu überraschen. Die Angriffsmöglichkeiten sind sehr variantenreich.

Eroberungen und Rückeroberungen

Bladestorm Nightmare (4)Immer wenn wir Ortschaften einnehmen, müssen wir allerdings damit rechnen, dass der Feind zurückschlägt. Deshalb ist Eile geboten, damit der Gegner nur wenig Chancen hat, seine alte Stärke zurückzuerlangen. Für erledigte Gegner hagelt es derweil Erfahrungspunkte, wodurch unsere Truppen im Level aufsteigen. Genau an dieser Stelle ist Geduld gefragt, denn die Stufe der Einheiten gilt nur für den entsprechenden Söldner, mit dem wir in der Schlacht gekämpft haben. Zwar können wir für einen Stufenaufstieg in der Taverne auch Skill-Punkte bezahlen, doch das wird auf die Dauer ziemlich teuer. Des Weiteren merkt man schnell, dass man sich schon auf einen bestimmten Einheitentyp eingespielt hat und zukünftig nur noch genau diesen verwenden will. Großartige Vor- und Nachteile der verschiedenen Truppentypen wie in Fire Emblem: Awakening gibt es in Bladestorm: Nightmare leider nicht. In späteren Spielstunden radieren wir also mit schmächtigen Fechterinnen ganze Elefantenherden aus. Fanatiker des Realismus dürfen sich zurecht die Haare ausreißen. Die Schlachten fallen in fast allen Fällen nach demselben Schema aus und werden durch das Eskortieren von Nichtspielercharakteren ansatzweise aufgelockert. Letztgenanntes ist aber genau genommen das absolut nervigste Gameplay-Element, welches wir in den letzten Jahren seit den Bugs in Gothic 3 erlebt haben.

Repetitive Schlachten

Bladestorm Nightmare (5)Interessant und knifflig wird es eventuell durch die begrenzte Spielzeit für eine Mission, denn um so manches Ziel einzunehmen, stehen uns nur eine gewisse Anzahl an Tagen zu. Wer also beispielsweise nicht innerhalb von drei Tagen in Paris einmarschiert, unterliegt automatisch. Immer wenn nach zehn Minuten die Nacht einbricht, legen alle Soldaten die Waffen nieder. In diesen Fällen ist es gänzlich egal, ob der Kommandant der jeweiligen Basis schon fast am Boden liegt oder wir kurz vor der Stadt stehen und eigentlich nur noch eine Minute bräuchten. Knifflig ist das nur, wenn man tatsächlich alle Orte auf der Karte einnehmen will, doch wer nur schnell das Missionsziel erreichen will, schafft dies meist direkt am ersten Tag. Je länger wir uns mit Bladestorm: Nightmare beschäftigen, desto effektiver gehen wir vor und erreichen mit der Zeit auch immer bessere Leistungen. Höhepunkte des Story-Modus sind historische Schlachten, in denen wir viele Hintergründe erfahren. Etwa die Schlacht bei Crécy, in welcher die Engländer erfolgreich Langbogenschützen eingesetzt haben. Allerdings müssen wir leider gestehen, dass es Bladestorm: Nightmare mit der Geschichte nicht wirklich ernst meint. Zwar tauchen wie in den anderen Spielen von Koei Tecmo Persönlichkeiten auf, die tatsächlich im Verlauf der Geschichte eine Bedeutung gespielt haben, doch altern oder sterben sie hier nie.

Alternative Geschichtsschreibung

Bladestorm Nightmare (6)Edward of Woodstock, der 1376 starb, trifft im Spiel also unter anderem auf Jeanne d’Arc, die nach seinem Tod 1412 überhaupt erst geboren wurde. Außerdem ändert das Spiel gerne den Verlauf der Geschichte. So wird Jeanne d’Arc beispielsweise niemals hingerichtet. Mit solchen gravierenden Änderungen verliert die Grausamkeit des Hundertjährigen Kriegs stark an Bedeutung. Die Romantisierung des Kriegs hingegen nimmt durch solche Begebenheiten ein wenig zu. Vollkommen unhistorisch ist die neue Nightmare-Kampagne. Während einer Schlacht tauchen plötzlich Monster, Dämonen und Untote auf. Die beiden großen Nationen beschuldigen sich nun gegenseitig, an dem Debakel Schuld zu sein. Dennoch schließen sie sich schnell zusammen, um die neue Bedrohung zu bekämpfen. Die insgesamt neun Kapitel sind schnell erledigt, doch bieten sie ein paar neue Ansätze. Das Spielgeschehen ist nun nicht mehr in Tage eingeteilt. Das heißt nicht, dass es einen dynamischen Wechsel der Tageszeiten gibt, sondern nur, dass wir unbegrenzt Krieg führen können, ohne dass wir vom Einbruch der Nacht unterbrochen werden. Das finden wir persönlich gut, da wir nun nicht mehr kurz vor der Eroberung einer Burg gegebenenfalls von unserem Ziel abgehalten werden. Des Weiteren dürfen wir mit der Zeit auch selbst immer mehr Monster kontrollieren. Spannend und spaßig.

Zusammenschluss der Söldner

Bladestorm Nightmare (7)In beiden Modi dürfen wir mit Erfüllen der Aufträge und größerer Berühmtheit auch mehr als einen Söldner aufs Feld schicken. Entweder wechseln wir zwischen den Charakteren durch, geben ihnen spezielle Befehle oder schließen uns auf dem Schlachtfeld einfach zu einer noch größeren Armee zusammen. Wer einmal mit vier Söldnern und mehr als einhundert Soldaten über die Landstriche marschiert ist und dabei unzählige Feinde ausradiert hat, merkt schnell, wie mächtig man gemeinsam ist. Besonders dann, wenn man den titelgebenden Bladestorm entfesselt. Dies ist ein Spezialangriff, der unglaublich viel Schaden anrichtet. Einziges Manko ist jedoch, dass dieser automatisch ausgelöst wird, wenn wir genügend Gegner ins virtuelle Nirwana geschickt haben. Nur wenn wir uns mit einem anderen Söldner verbündet haben, dürfen wir diesen Angriff auch auf Knopfdruck entfesseln. Besonders viel Spaß macht der Titel übrigens im Mehrspielermodus. Dieser ist allerdings nur online verfügbar. Wer also kein Geld für ein Mehrspielervergnügen ausgeben möchte, schaut in die Röhre. Schade, denn ein kooperativer oder gar kompetitiver Multiplayer-Modus wäre offline tatsächlich die Krönung gewesen, um uns tatsächlich auch langfristig an Bladestorm: Nightmare zu binden. Ärgerlich ist das vor allem deshalb, da die grundlegende Technik des Spiels mittlerweile sehr veraltet ist.

Zeitintensive Videospielportierung

Bladestorm Nightmare (8)Bereits als das Spiel 2007 zum ersten Mal für die letzte Konsolengeneration erschienen ist, sah es optisch sehr nach einem aufpolierten PlayStation-2-Titel aus. Acht Jahre später hat sich daran fast nichts verändert. Zwar müssen hunderte Soldaten auf dem Schlachtfeld berechnet werden, doch nutzt Bladestorm: Nightmare die Hardware der PlayStation 4 nicht aus. In der getesteten Version für Sonys aktuelles Konsolenstandbein sind Texturen schwach aufgelöst, ein leichtes Dauerruckeln ist bemerkbar und Truppen tauchen erst auf, wenn wir nah genug an diese herantreten. Vor allem beim Heldenwechsel ist das ärgerlich, wenn auf dutzende Gegner gleichzeitig geladen werden, die plötzlich rund um uns herumstehen und schon angreifen, während wir noch unvorbereitet sind. Man hatte in unseren Augen wirklich genügend Zeit, das Spiel an die neue Hardware-Generation anzupassen. Wunder erwarten wir beileibe nicht, doch wenn man den Titel kaum aufpoliert, hätte man das Spiel auch für die noch mehr verbreiterte PlayStation 3 hierzulande veröffentlichen können. Ausgleich bietet der wirklich gute Soundtrack. Mit Chorgesang und Kriegsklängen, die uns durchgehend motivieren, hat Entwickler Koei Tecmo alles richtig gemacht. Schade nur, dass sich der Soundtrack schnell wiederholt, da man fürs Durchspielen circa fünfzig bis siebzig Stunden Zeit einplanen sollte.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-4-Fassung): Koei Tecmo entwickelt sich derzeit zu einem meiner Lieblingsentwickler. Objektiv betrachtet ist Bladestorm: Nightmare zwar ein recht durchschnittliches Spiel, da man viele gute Ansätze einfach nicht zu Ende gedacht hat. Subjektiv gesehen hatte ich trotzdem mehr als fünfzig Stunden meinen Spaß mit dem Titel. Ich finde es sehr motivierend, mit meinen Truppen übers Schlachtfeld zu laufen, die gegnerischen Reihen mit zunehmender Spielzeit immer einfacher zu durchdringen, Städte zu plündern, das gefundene Geld in immer bessere Ausrüstung zu investieren und meine Truppen zu verbessern. Schade finde ich jedoch, dass fast jeder einzelne Auftrag des Spiels darin endet, irgendeinen Stützpunkt zu erobern oder selten auch mal zu verteidigen. Man hat zwar gelegentlich auch Nichtspielercharaktere ins Missionsdesign integriert, welche ich beschützen soll, doch diese Aufgaben sind dermaßen langweilig und einfach nur nervig, weil sich besagte Charaktere einfach viel zu langsam und zudem auch unkontrolliert bewegen. Des Weiteren ist das Spiel nicht ohne Bugs. Dreimal ist mir das Bild eingefroren (hat die Konsole zum Absturz gebracht), dann haben meine Soldaten bis zum Einbruch der Nacht keinerlei Schaden mehr angerichtet und ein weiteres Mal hat sich ein wichtiger Nichtspielercharakter einfach nicht mehr von der Stelle bewegt, sodass die Mission erst nach dem Neuladen abgeschlossen werden konnte. Man sollte also resistent sein, wenn man Bladestorm: Nightmare spielen möchte. Aufgrund der langen Spielzeit ist das aber nicht ganz so schlimm, wie es sich im ersten Moment anhört. Während ich anfangs noch auf jedem Schlachtfeld alle feindlichen Basen einnehmen wollte, bin ich im späteren Verlauf des Spiel richtig durchgerast, um die Ziele zu erfüllen. Man sollte den Umfang der Handlung des Hundertjährigen Kriegs wirklich nicht unterschätzen. Wer täglich nicht sehr viel spielt, wird mit dem Titel tatsächlich mehrere Wochen beschäftigt sein. Kann man über einige der unhistorischen Begebenheiten und ein paar Änderungen im Geschichtsverlauf hinwegsehen, wird man mit Bladestorm: Nightmare trotz einiger Defizite sehr viel Spaß haben können.

Vielen Dank an Deep Silver für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Bladestorm: Nightmare!

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