Review: The Candidate for Goddess

the-candidate-for-goddess-1Zwischen 1997 und 2001 zeichnete Sugisaki Yukiru an insgesamt fünf Manga-Ausgaben seines Werkes The Candidate for Goddess. Noch vor dem Abschluss der Reihe lief im japanischen Fernsehen die gleichnamige Anime-Adaption, die auch ihren Weg nach Europa fand.

the-candidate-for-goddess-2Obwohl es schon in den letzten Jahrzehnten einige Anime in den deutschsprachigen Raum geschafft haben, entwickelte sich hierzulande um die Jahrtausendwende ein regelrechtes Anime-Interesse. Nicht nur im Nachmittagsprogramm, sondern auch im Spätprogramm wurden einige Titel ausgestrahlt, zu denen auch The Candidate for Goddess gehörte. Mehrere Wiederholungen folgten, doch seit 2010 war die Serie kein einziges Mal mehr im Fernsehen zu sehen. Der einzige Weg, die zwölfteilige Serie anzuschauen, war der Griff zur DVD-Fassung, die bereits 2003 erstmals veröffentlicht wurde. Im Jahr 2016 entschied man sich dazu, die Serie nach vielen Jahren nicht ruhen zu lassen, sondern in einer Gesamtausgabe nochmals zu veröffentlichen. Angesiedelt ist das Science-Fiction-Drama im Jahr 4084. Nachdem es den Menschen gelungen war, neben der Erde auch andere Planeten zu bevölkern, mussten sie sich einem neuen Feind stellen. Aus den Tiefen des Alls tauchen nämlich immer wieder die gefürchteten Victims auf, die mittlerweile fast jeden einzelnen Planeten der Menschheit zerstört haben. Zurückgezogen leben die Überlebenden in Raumstationkolonien rund um den Planeten Zion, dem letzten Himmelskörper in ihrem System. Um Zion zu beschützen, lassen die Menschen auf der Goddess Operator Academy Piloten ausbilden, die gegen die Victims kämpfen.

Zwischenmenschliche Beziehungen

the-candidate-for-goddess-3Die Akademie ist ebenfalls eine Raumstation, die über dreitausend Kadetten aufnehmen kann. Allerdings dürfen nur fünf der Nachwuchspiloten die mächtigen Göttinnen steuern. Seit Enna Rei (Zero) denken kann, wünscht er sich, hinter dem Steuer eines solchen Mechas Platz zu nehmen, um Zion vor den Victims zu verteidigen. Um dieses Ziel zu erreichen, muss er jeden Tag hart trainieren, festgelegte Essenszeiten mit vorgeschriebenen Mahlzeiten akzeptieren und seine Fähigkeiten ständig optimieren. Schon bald landen er und vier seiner Freunde auf der Anwärterliste für die Göttinnen, da ein Pilot diese Mechas nicht ewig kontrollieren kann. Hauptsächlich werden in The Candidate for Goddess die zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen den Charakteren thematisiert. Ähnlich wie im Star-Trek-Franchise wird auf Kämpfe weitgehend verzichtet und wenn es zu einem Konflikt mit den angreifenden Victims kommt, wird dieser schnell abgehandelt. Das Hauptaugenmerk der Serie ermöglichte es dem Produktionsteam, die Dialoge und Monologe der Figuren reichlich auszuarbeiten. Sie sind wahrlich tiefgründig gestaltet, was aber auch daran liegt, dass Zero seine Träume für sich und im Alltag mit Freunden ausarbeitet. Das führt jedoch auch dazu, dass wir Zusammenhänge selten verstehen und der Anime dadurch viel Raum für Spekulationen und zum Philosophieren lässt.

Nostalgische Gefühle durch altbackene Technik

the-candidate-for-goddess-4Noch dazu endet die Serie zu plötzlich, sodass wir ohne die nicht erfolgte Fortsetzung selbst erahnen müssen, wie die Handlung zu Ende geführt wird. Wem es also wichtig ist, in einem Anime eine in sich geschlossene Geschichte zu erleben, wird mit The Candidate for Goddess nicht sehr viel Freude haben. Schlimmer fällt die technische Seite der Anime-Serie aus. Ein Dauerflimmern fällt bei der unterdurchschnittlichen DVD-Qualität, die schon fast an grausige VHS-Zeiten erinnert, an vielen Stellen negativ auf. Zudem stört auch ein fragmentierter linker oder oberer Bildschirmrand durchgehend das Geschehen. Anhand solcher vermeidbaren Defizite merkt man dem Anime in jeder einzelnen Episode das Produktionsjahr an. Besonders auf großen Flachbildschirmen und zu geringer Distanz vom Sitzplatz zu diesem kann die Bildqualität ein Ärgernis sein. Nostalgiebonus hin oder her – für die erneute Veröffentlichung wäre eine digitale Überarbeitung wünschenswert gewesen. Eine Blu-ray-Fassung gibt es aber sowohl hierzulande, als auch im japanischen Handel nicht. Aus heutiger Sicht nicht mehr beeindruckend sind zudem die CGI-Elemente, die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung jedoch zum Besten gehörten, was die Anime-Landschaft zu bieten hatte. Dazu gesellt sich ein sehr schönes Artdesign, das sich auch hier sehr gerne am Star-Trek-Universum recht frech bedient.

Orientierung an drei großen Vorbildern

the-candidate-for-goddess-5So wird in einer der späteren Folgen ein toter Kadett ähnlich wie ein wichtiger Charaktere in Star Trek II: Der Zorn des Khan bestattet. An anderer Stelle orientiert man sich sogar an einer Star-Wars-Kameraeinstellung. Das Charakterdesign von Yamaoka Shin’ichi hingegen will es am ehesten mit den Figuren aus der Star-Ocean-Serie aufnehmen. Zusammen mit den Mechas als verbindendes Element, können alle Merkmale gut miteinander harmonieren und erzeugen in der 4:3-Auflösung ein stimmiges Gesamtbild, das auch mit Anime-Titeln des Genres aus den späten Achtziger- und frühen Neunzigerjahren vergleichbar ist. Der Soundtrack von The Candidate for Goddess bietet dazu ruhige und mit Klavierklängen unterlegte, als auch dramatische Stücke mit Gesang, die hervorragend in die Szenen eingearbeitet sind und die Serie trotz ihrer technischen Schwächen in Dolby Digital 5.1 aufpeppen. Besonders Aim for Zion, the Planet of Hope aus der Feder von Asakawa Tomoyuki, sprich die Melodie, die das Intro fröhlich unterlegt, weiß uns zu gefallen. Ebenfalls nicht schlecht ist die Hymne der Akademie. Bei der deutschen Synchronisation hat man sich auf bekannte Synchronsprecher verlassen, die man heute aus Anime-Produktionen gar nicht mehr kennt. Zum Beispiel wird der Hauptcharakter von Philipp Moog vertont, den man eher als die Stimme von Ewan McGregor kennt.

Kurzer Science-Fiction-Appetithappen

the-candidate-for-goddess-6Bis auf ein paar Aussprachefehler bei japanischen Namen ist die Synchronisation gelungen, da die Stimmen gut zu unterscheiden und auf die Charaktere mit ihren unterschiedlichen Berufen und Berufungen zugeschnitten sind. Zwar ist die japanische Synchronisation etwas authentischer, doch kann es die deutsche Vertonung mit ihr aufnehmen – hier hat das Synchronisationsstudio Circle of Arts sehr gute Arbeit geleistet. Ausgeliefert wird die Serie auf drei Datenträgern, die die gesamte Serie (inklusive der Original Video Animation) umfassen und in einem schön illustrierten Digipack mit Schuber ausgeliefert werden. Es zeigt wunderbar Artworks der Göttinnen und der Charaktere. In physischer Form liegen dem Paket, wie für Publisher Nipponart typisch, ein Poster und ein Sticker bei. Im digitalen Bonusbereich finden wir auf den Discs kurze Interviews, die sich unter anderem mit dem CGI-Aspekt des Animes beschäftigen. Hier wird die Bedeutung der (damals) frischen Animationstechnik verständlich erläutert. Des Weiteren gibt es Einblicke in die Vertonung mit den japanischen Synchronsprechern, die aber sehr unspektakulär präsentiert werden. Das Opening und Ending kann über den Bonusbereich ebenso angewählt werden, falls man es ohne Bildschirmtexte sehen möchte. Das Bonusmaterial ist also wie die Serie ein kurzer Appetithappen für Science-Fiction-Fans!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der DVD-Fassung): Selbst als die Anime-Serie The Candidate for Goddess auf meinem Schreibtisch gelandet ist, habe ich gar nicht mehr gewusst, dass ich sie damals schon im Fernsehen gerne verfolgt habe. Zwar hatte ich beim Anschauen nicht mehr jede Szene oder gar Episode in Erinnerung, aber einige Momente kamen mir dennoch bekannt vor. So war die Anime-Serie für mich als Science-Fiction-Fan nicht nur ein, zugegeben recht kurzer, Genuss, sondern auch eine nostalgische Reise in die Vergangenheit. Auf der technischen Seite kann man das Alter dem Anime auch ansehen, denn das Bild im 4:3-Format stört mich alternierend am linken und oberen Bildschirmrand mit kleinen Fragmenten und ständig flimmern irgendwelche Kanten. Das ist insofern schade, da der Anime bereits 2003 erstmals auf DVD veröffentlicht wurde und man keine digitale Überarbeitung vorgenommen hat. Solche Defizite müssen bei einer Veröffentlichung im Jahr 2016 nämlich nicht mehr sein. Davon abgesehen kann The Candidate for Goddess inhaltlich eine interessante Geschichte erzählen, die es aber meist bei zwischenmenschlichen Dialogen belässt und nur sekundär spannende Raumschlachten zeigt. Da die Serie leider niemals so abgeschlossen wurde, wie man es vielleicht erwartet hätte, bleibt The Candidate for Goddess für mich unterm Strich ein kurzer Appetithappen, den man sich locker an einem Wochenende anschauen kann – nur um dann noch mehr Lust auf ähnliche Titel des Genres zu bekommen. Science-Fiction-Fans mit einem Drang zum Spekulieren und Philosophieren dürfen uneingeschränkt zuschlagen!

Vielen Dank an Nipponart für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von The Candidate for Goddess!

© Yukiru Sugisaki·WANI BOOKS / Bandai Visual·TCFG committee All Rights Reserved. (Abbildungen)

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