Review: Patema Inverted

patema-inverted-1Ende 2013 schaffte es der Anime-Film Patema Inverted in die japanischen Lichtspielhäuser. Eine deutschlandweite Kino-Aufführung gelang dem fantasievollen Film zwar nicht, doch dafür dürfen wir es uns mit dem Film seit März 2016 in unserem Heimkino gemütlich machen.

patema-inverted-2Die Geschichte von Patema Inverted beginnt noch vor der eigentlichen Filmhandlung im Jahr 2067. Direkt in der ersten Szene erfahren wir, wie Wissenschaftler ein Gravitationsexperiment durchführen. Dieses geht natürlich schief, sodass Gebäude mitsamt den Bewohnern vom Boden gerissen werden und in den Himmel schweben. Damit sich solch eine Katastrophe nicht wiederholen kann, beschlossen die Überlebenden den neuen Staat Aiga zu gründen, dessen Gesetze angeblich auf Recht und Ordnung basieren. In der Realität handelt es sich bei Aiga jedoch um einen totalitären Staat, in welchem Menschen überwacht werden und fast jegliches Gedankengut unter Strafe steht. Allerdings existiert unter der Erde noch eine andere Welt, die von Aiga als Bedrohung eingestuft wird. Hier lebt die titelgebende Patema, die sich trotz Verbots ihres Großvaters (und Erziehungsberechtigten) in die so genannten Gefahrenzonen wagt. In diesen Arealen entdeckt sie zusammen mit ein paar anderen Freunden Konserven, Samen und weitere wichtige Dinge, die sie zum alltäglichen Leben dringend benötigen. Allerdings warnt sie ihr Freund Porta ebenfalls vor den Zonen, da dort bereits die sehr ominösen Fledermausmenschen gesichtet worden sind. Dennoch ignoriert Patema die Warnungen und dringt weiter in die Gefahrenzonen vor und trifft dort tatsächlich auf einen der Fledermausmenschen.

Unten ist (nicht) oben

patema-inverted-3Durch ein Missgeschick fällt Patema jedoch in ein Loch und wacht nur wenig später an einem Abhang wieder auf. Hier trifft sie auf den jungen Studenten Age. Während Age sie bewundert, hat Patema Angst vor ihm, da auch sie ihn als Fledermausmensch einstuft. Die Bezeichnung bezieht sich aber nicht auf das Äußere von Personen, sondern ganz einfach nur auf die Art der Berührung mit ihrer Umwelt. Gravitation ist nämlich das entscheidende Element des Anime, wie wir bereits in der Eröffnungsszene gemerkt haben. Würde sich Patema nicht an ihrer Umgebung festklammern, würde sie automatisch dem Himmel entgegenschweben. Age hingegen würde sein Leben lassen, würde er in den Abgrund fallen, aus dem Patema hinausgeklettert ist. Schnell schließen die beiden Freundschaft, die jedoch jäh von der Sicherheitspolizei von Aiga auseinandergerissen wird. Das totalitäre Regime will sämtliche anderen Individuen außerhalb von Aiga loswerden, sodass sie hierzu auf die Mithilfe von Patema angewiesen sind. Obwohl Age am Leben gelassen wird, wird es ihm untersagt, Kontakt zu ihr aufzunehmen oder gar die Existenz des Mädchens auszuplaudern. Erst als Age zufällig auf Porta trifft, der auf der Suche nach Patema ist, beschließt er, sie aus den Fängen der Regierung zu befreien – doch um dies zu bewerkstelligen, muss er mit Porta zunächst in die Untergrundwelt reisen. Sehr spannend!

Räumliche Begrenzungen

patema-inverted-4Patema Inverted entwickelt über 99 Minuten lang nicht nur eine spannende, sondern sowohl interessante, als auch einzigartige Geschichte. Dadurch, dass manche Szenen aus der Sicht von Patema und manche Szenen aus der Sicht von Age gezeigt oder gar gemischt werden, ist das Konzept clever umgesetzt. Hin und wieder haben wir zwar Angst, dass uns durch pures Zuschauen schlecht werden könnte, doch Papiertüten brauchen wir beim Anschauen von Patema Inverted definitiv nicht. Dafür hat Regisseur Yoshiura Yasuhiro seinem Gedankenreichtum, der ihm schon seit Jahren im Kopf herumschwirrte, freien Lauf gelassen. Obwohl der Himmel für viele Menschen eine schöne Begrenzung ihrer Sphäre darstellt, kann genau diese Grenze mit etwas Fantasie sehr gefährlich sein. Ihm ist es gelungen, durch das Eintreffen von Patema in der richtigen Welt, wie sie durch Beschriftungen an einer Fotografie sogar beschrieben wird, etwas Schönes in etwas Bedrohliches umzuwandeln. Besonders gut finden wir dabei, dass sich der Anime auch in puncto Hintergrundgeschichte stets weiterentwickelt und vor allem an zwei Punkten kurz vor dem Finale mit zwei fantastischen Wendungen punkten kann – die ergeben zwar nicht unbedingt sehr viel Sinn, bereichern die Welt in ihrem Kontext aber ungemein und sorgen dafür, dass man über diese Wendungen später philosophieren will.

Prominente Besetzung

patema-inverted-5Patema Inverted bietet zudem wunderschöne Bilder, die in 1080p und im bildschirmfüllenden 16:9-Format dargestellt werden. Fantastische Landschaftsbilder und detaillierte Stadtbilder treffen hier auf gelungenes Charakterdesign mit guten Animationen. Einzig und allein wenn viele bewegliche Elemente eingefangen werden, fallen ein paar wenige Animationen abgehakt aus. Ob die fehlenden Bilder pro Sekunde gewollt sind, ist unklar – schön sieht es dennoch nicht aus. Hinzukommt jedoch ein mitreißender Soundtrack, der sich stets dem Geschehen anpasst und uns durchweg unterhält. Während die japanische Synchronisation sehr gut ausfällt und vor allem mit Fujii Yukiyo, die Yuki in Btooom! ihre Stimme lieh und Okamoto Nobuhiko, der Okumura Rin in Blue Exorcist sprach, mindestens zwei prominente Sprecher vorweist, kann die deutsche Tonspur aufgrund abwechslungsreicherer Stimmen deutlich mehr begeistern. Zudem ist die japanische Synchronisation wie für den Publisher üblich nur mit deutschen und nicht abschaltbaren Untertiteln anwählbar. An der Klangqualität ändert dies aber nichts, denn beide Tonspuren liegen im DTS-HD-Master-Audio-5.1-Format vor. Zwei Interviews, einmal mit dem Regisseur und einmal mit den angesprochenen Synchronsprechern, sowie ein Ausschnitt der Premierenfeier mit den drei Personen finden wir im Bonusmaterial der Blu-ray Disc – ein schöner kleiner Abschluss für einen noch schöneren Film.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Patema Inverted gehört eindeutig zu den schönsten Anime-Filmen des Jahres und zu den besten Filmen seiner Zunft aller Zeiten. Die Geschichte um das Mädchen Patema und den Jungen Age ist so interessant gestaltet, dass die dazugehörige Hintergrundgeschichte über ein gescheitertes Gravitationsexperiment mit gewaltigen Auswirkungen die richtige Portion Spannung beisteuern kann. Jedes einzelne Element und jedes einzelne Detail habe ich in mich aufgezogen, sodass ich es kaum mehr erwarten konnte, erst in die eine und dann wieder in die andere Welt einzutauchen. Zudem kann mich die Story mit ihren zahlreichen Wendungen stets begeistern und vor allem überraschen. Die Welt dieses Anime-Films bietet mehr, als man zunächst vermutet – hier könnte man basierend auf diesen Fakten gleich eine ganze Serie daraus stricken. Außerdem mag ich es, wenn ein Regisseur seine Vision tatsächlich so umsetzen darf, wie er es von Anfang an vorhatte. Yoshiura Yasuhiro konnte seinen Gedanken freien Lauf lassen und den Himmel sowohl als etwas Schönes, als auch als etwas Schreckliches charakterisieren und in letzterem Fall die ganze Sachlage noch einmal zu kippen. Patema Inverted ist ein Film, den man einfach gesehen und ebenso verschlungen haben muss. Wer ihn verpasst, ist definitiv selbst schuld.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Patema Inverted!

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