Review: Zero Time Dilemma

Zero Time Dilemma (1)Das Finale der Zero-Escape-Trilogie zieht nicht nur einen Schlussstrich unter die Handlung, sondern ersetzt die bisherig leselastige Erzählweise durch einen interaktiven Film.

Zero Time Dilemma (2)Nicht nur für die Spieler, sondern auch für die Figuren in Zero Time Dilemma dürfte der Einstieg einem Déjà-vu gleichen. Erneut zu neunt in einer abgelegenen Anlage eingesperrt, spielen sie das Decision Game – ein tödliches Spiel, bei dem unterschiedlichste Fähigkeiten der Mitspieler auf die Probe gestellt werden. In der Kombination aus Adventure und Novel versuchen wir nicht nur hinter den Zweck des Spiels und die Identität des Spielleiters Zero zu kommen, sondern auch die zahlreichen Fragen der Vorgänger zu beantworten. Dafür schlüpfen wir nicht in die Haut einer Person, sondern verfolgen die Geschehnisse aus unterschiedlichen Perspektiven. Um die Story zu entfalten, nimmt das Spiel schnell Bezug auf die Ereignisse, Figuren und Spielkonzepte der Vorgänger und setzt dessen Wissen beim Spieler voraus. Trotzdem bleibt Neulingen der Spaß am Spiel nicht verwehrt. Eine Menge Fragen bleiben bis in die letzten Phasen des Spiels sowieso für jedermann unbeantwortet. Dazu trägt auch die offene Kapitelstruktur des Spiels bei. In welchem Ablauf wir das Spiel erleben, ist in großen Bereichen dem Spieler überlassen und damit auch die Erfahrungen, die er mit dem Spiel sammelt. Überblick behalten wir im Flow-Chart, in dem jeder Werdegang der Figuren festgehalten wird. Je nach Story-Strang tun sich andere Entscheidungsmöglichkeiten und Geheimnisse auf.

Jenseits von Raum und Zeit

Zero Time Dilemma (3)Durch die Sprünge in andere Szenarien und andere Figuren erhalten wir neue Eindrücke aus anderen Blickwinkeln, wodurch mit der Zeit eine perspektivenreiche Geschichte heranwächst, deren Inhalte, Mysterien und Wendungen über zwanzig Stunden hinweg spannend zu verfolgen sind. Dabei werden bekannte Klischees aus anderen Zeitreise- und Mystery-Geschichten selten einfach nur kopiert, sondern von den Figuren auf ihre ganz eigene Art und Weise logisch hinterfragt. Zur Abwechslung tragen die Rätselräume bei, die sich an der Escape-the-Room-Thematik bedienen. Die dreidimensional gestalteten Räume untersuchen wir in typischer Adventure-Manier. Durch Antippen aller interessanten Dinge, dem logische Kombinieren gefundener Items und Hinweise, sowie dem Absolvieren von Minispielen versuchen wir einen Ausgang zu finden. Auch wenn wir uns in diesen Gebieten nicht frei bewegen können, wird uns hier thematisch ein abwechslungsreiches Portfolio von Umgebungen und Rätsel-Mechaniken geboten, die sehr gut in das Gesamtkonzept des Spiels und der Geschichte passen. Aus der Vielfalt der Rätsel resultiert allerdings auch der schwankende Schwierigkeitsgrad, die Lösungen sind aber immer logisch zu erschließen. Wiederkehrende Motive aus unterschiedlichen fiktiven und wissenschaftlichen Bereichen gehen Hand in Hand mit der Geschichte und sorgen dafür, dass wir bis zum Spielende unsere eigenen Theorien zur Geschichte entwickeln.

Gute Regie – hölzerne Darsteller

Zero Time Dilemma (4)Der Soundtrack bedient sich hauptsächlich aus der Bibliothek der Vorgänger und brilliert eher durch den Wiedererkennungseffekt, als durch neue, eigene Tracks. Das gesamte Spiel ist abseits der Rätsel fortlaufend inszeniert, besteht also lediglich aus untertitelten Zwischensequenzen, die wir auf Englisch oder Japanisch genießen und auch jederzeit ohne Probleme wechseln können. Alle Charaktere und Umgebungen wurden im dreidimensionalen Raum dargestellt. Leider sind die 3D-Modelle auch für 3DS-Verhältnisse sehr altbacken und erinnern eher an Roboter als an Menschen, was aber durch geschickte Szenenführung und Kamera-Einstellungen elegant kaschiert wurde. Das Konzept funktioniert aber und für die Zukunft können wir uns weitere storybasierte Spiele auf diese Art sehr gut vorstellen. Die plumpen Animationen ändern allerdings nichts an der Härte der Gewalt, die die verpasste Jugendfreigabe ohne Frage rechtfertigt. Zusätzlich fällt auf dem 3DS die schlecht aufgelöste Schrift ins Auge, die aber nicht den Spiel- und Lesefluss beeinträchtigen. Leider fällt im Vergleich zu den Vorgängern auch die schwammige Touchscreen-Steuerung negativ ins Gewicht, die es schwer macht, sich Notizen und Informationen auf dem unteren Bildschirm zu notieren. Sich eigenständig Passwörter und Zahlenkombinationen zu notieren, ist ein nötiges Spielelement, das hier leider sehr unausgereift wirkt. Hier hätte ein wenig mehr Optimierung sofort Wirkung gezeigt.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas Fazit (basierend auf der 3DS-Fassung): Zero Time Dilemma erzählt eine Geschichte zu Ende, die perfekt auf das Medium Videospiel zugeschnitten ist. Wie schon in den Vorgängern, konnten mich erneut die immersive, nichtlineare Erzählweise und die Mysterien, die die Spielwelt umgeben, in ihren Bann ziehen. Obwohl ich anfangs besorgt war, ob die filmische Inszenierung der richtige Schritt ist, die Geschichte weiter zu erzählen – immerhin gehen damit auch detaillierte Beschreibungen, die Seiten von Text mit sich bringen verloren – bin ich vom fertigen Produkt dennoch überzeugt. Trotz der groben 3D-Modelle macht das Wiedersehen mit bekannten Figuren und Konzepten eine Menge Spaß. Im Vergleich zum Vorgänger Virtue‘s Last Reward wurde der Schwierigkeitsgrad, sowie die Komplexität der Rätsel, spürbar herabgesetzt. Trotzdem erscheinen die Rätsel-Passagen zu keinem Zeitpunkt unpassend oder störend und besitzen ihren bekannten Charme. Die Kombination aus Rätseln und Geschichte greift perfekt ineinander und macht das Spiel zu einem runden Gesamterlebnis.

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