Review: Tales of Berseria

tales-of-berseria-1Tales of Berseria ist bereits der sechzehnte Teil der Hauptreihe. Besonders da Fans seit den letzten Ablegern nach Neuerungen lechzen, will Tales of Berseria mit einer packenden Rache-Story wieder frischen Wind in die Segel der traditionellen Rollenspiel-Reihe blasen.

tales-of-berseria-2Der Einstieg fällt allerdings schon einmal genretypisch langsam aus. Die junge Dame Velvet Crowe lebt mit ihrem Bruder Laphicet in einem abgelegenen Dorf im Walde. Zusammen mit ihrem Schwager Artorius Collbrande überlebten sie einen schrecklichen Dämonen-Angriff, der einige Jahre zuvor das Dorf heimgesucht hatte. Nachdem wir uns mit den Grundlagen des Spiels vertraut gemacht haben, wird uns schnell klar, dass so ein Angriff erneut unmittelbar bevorsteht. Im Gegensatz zu damals, geht die Geschichte für Velvets Familie nicht so glimpflich aus – was hier so viel bedeutet, wie, dass die Grundlage für ihre Motivation und dem Rachefeldzug gelegt wird. Sie kommt allerdings auch nicht ungeschoren davon und verliert einen Arm an die Dämonen, womit sie, durch eine diabolische Klaue ersetzt, ebenfalls an ein Monster anmutet, das auf Dämonenjagd geht. Wir stehen in Tales of Berseria also tatsächlich eher auf der bösen Seite – ein spannender Blickwinkel. Das wird spätestens dann klar, wenn sich uns immer weitere zwielichtige und dämonartige Figuren anschließen, die wahrlich keine Helden sind. Die Story, die Figuren und deren Interaktion untereinander ist eine der größten Stärken des Rollenspiels, die mit einer reichhaltigen Farbpalette an Emotionen unterhält.

Velvets Rachefeldzug

tales-of-berseria-4Was als ein klischeebehafteter Rachefeldzug beginnen mag, entwickelt sich schnell zu einer höchst interessanten Erzählung, die ohne lange Pausen bei der Stange hält. Auch wenn die Figuren alle aus bekannten Stereotypen entsprungen sind – da gibt es etwa den hartgesottenen Piraten und die schelmische Magierin – sorgen die Schreiber von Tales of Berseria mit viel Humor und Selbstreflexion immer für unterhaltsame Spielabschnitte. Tragend dafür ist die wunderbare deutsche Lokalisierung, die mit einer sehr guten Übersetzung jeden Charakter beim passenden Ton trifft – zumindest in Schriftform – für die Ohren steht die Wahl zwischen englischer und japanischer Audiospur frei. Die Story wird linear erzählt und trägt unsere Figuren an sehr abwechslungsreiche Orte, die sich genretypisch in Städte, Dungeons und Zwischenareale unterteilen lassen. Gegner sind auf der Karte abgebildet, laufen wir in sie hinein, startet der Kampf in einem abgesteckten Kampfareal. In Echtzeit übernehmen wir die Kontrolle über Velvet und verhauen die Gegner durch die Kombination unterschiedlicher Angriffe. Das erlauben die sogenannten Artes, die für bestimmte Angriffsmuster stehen und im Menü auf die Aktionsknöpfe gelegt werden können.

Blitzkampf

tales-of-berseria-5Anfangs unterscheiden sie sich hauptsächlich in Angriff und Reichweite, später werden Artes mit besonderen Fähigkeiten freigeschaltet, für die bestimmte Gegner Schwächen aufweisen. Die Länge unserer Angriffskombinationen wird über Seelen geregelt, die wir durch bestimmte Aktionen im Kampfgeschehen gewinnen, aber auch verlieren können. Während wir mit blindem Button Mashing die ersten Spielstunden nichts falsch gemacht haben, entfaltet sich das Kampfsystem erst im Laufe der Spielzeit und gewinnt kontinuierlich an Komplexität, mit dem wir in Sekundenbruchteilen mit Kombinationsangriffen aus Artes, Blocks und Spezialattacken die Gegner bearbeiten. Dementsprechend schnell sind die Kämpfe dann auch wieder vorbei; keine nennenswerten Ladezeiten verbinden sich mit den sechzig Bildern pro Sekunde zu einem raschen Gameplay-Fluss, in dem wir keinen Grund sehen, Kämpfen aus den Weg zu gehen. Allerdings werden wir zu diesen auch nicht gezwungen, richtig fordernder wurde Tales of Berseria auf dem normalen Schwierigkeitsgrad nie. An unseren Kameraden lag das nicht, diese agieren gemäß unserer Vorgaben eigenständig, sind aber nur sehr selten das Zünglein an der Waage zum Sieg.

Klassisch wie simpel

tales-of-berseria-3Auch die unzähligen Möglichkeiten, unsere Figuren zu individualisieren sind für den Spielfortschritt kaum relevant. Das Aufrüsten und Aufwerten von Waffen und Rüstungen, der Verbesserung unserer Artes und nicht zuletzt das Umkleiden der Antihelden, funktioniert aber tadellos und macht Spaß. Wer mehr über die bunte Truppe erfahren will, kann dies in unzähligen Dialogen tun, die sehr gut geschrieben und in wenigen Zeilen unterhaltend, aber optional, sind. So können wir so tief in die Hintergrundgeschichte eintauchen, wie wir möchten. Technisch sehen wir dem Spiel seine ursprüngliche Herkunft von der PlayStation 3 nur zu gut an, auf der das Spiel schon 2016 in Japan erschien. Visuell kann die Anime-Optik durch seine satten und knalligen Farben und den sehr abwechslungsreichen Szenarien punkten. Die Animationen sind dagegen sehr statisch – wer sich allerdings nicht zu lange in einem Gebiet aufhält, wird nicht mitbekommen, wie steril und arm sie teilweise doch sind. Nachdem sich das lineare japanische Rollenspiel allerdings auf seine Erzählung und das Gameplay fokussiert, fungiert die Oberwelt sowieso nur als Brücke zwischen diesen beiden Elementen. Wer klassische Rollenspiel mag und dementsprechend viel Zeit mitbringt, um die Finessen des Kampfsystems wertschätzen zu wollen, wird mit Velvet und ihrer Truppe eine Menge Spaß haben.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit (basierend auf der PlayStation-4-Fassung): Tales of Berseria schafft es, die Serie etwas aufzupolieren, bleibt aber dennoch eines der klassischsten japanischen Rollenspiele unserer Zeit – dieser Bereich hat selbstverständlich immer noch eine respektable Fan-Basis. Ich persönlich mochte vor allem den Ansatz der Geschichte, der mich mit einem bunten Haufen an komischer Antihelden auf eine lange Reise schickt. Daneben gefällt mir auch die ständige Erweiterung des Kampfsystems, das auch viele Stunden ins Spiel hinein noch an neuen Mechaniken hinzugewinnt und dazwischen immer genug Zeit lässt, um die alten Techniken sacken zu lassen. Leider gibt das Spiel selten einen Grund dafür, all diese Kampfmechaniken auch wirklich auszukosten, denn das Spiel wird selten fordernd. Selbst wenn die Lebenspunkte einmal unter die Hälfte sinken sollten, hält Velvet stets genug Heilitems parat, um Schlimmeres zu verhindern. Dieses serientypische Manko wird sehr wahrscheinlich auch nicht im nächsten Ableger ausgebessert, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt!

Vielen Dank an Bandai Namco für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Tales of Berseria!

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