Review: Halo Wars 2

Das Franchise rund um die Halo-Ringe ist eines der größten Science-Fiction-Ereignisse der Mediengeschichte und umfasst eine weltweit große Fanbase. Neben mittlerweile neun Spielen, drei Filmen, diversen Comics und einer animierten Serie, ist gerade die Welt der Bücher mit über zwanzig Werken markant vertreten.

Halo deckt mittlerweile eine ganze Reihe an Formaten ab und ist nicht nur für Videospieler ein Begriff. Während die Spiele sich überwiegend auf die klassische Form des Ego-Shooters beschränken, erschien im Februar 2009 erstmals für die Xbox 360 ein Echtzeitstrategie-Titel unter dem Namen Halo Wars, welcher sich zur Aufgabe gesetzt hat, Strategiespiele für die Konsole salonfähig zu machen – und das mit großem Erfolg. Bis in das Jahr 2014 hielten sich die Spielerzahlen hoch, bis langsam mit dem Erscheinen der neuen Konsolengeneration die Spielerzahl abnahm. Nach dem Aussterben des Command-&-Conquer-Franchise für den PC und fehlendem würdigen Ersatz, will sich Halo Wars 2 nun darum bemühen, nicht nur einen würdigen Nachfolger für die Konsole zu präsentieren, sondern auch für PC-Spieler das alte Gefühl der Echtzeitstrategiespiele wiedererwachen zu lassen – jedoch natürlich nur für Besitzer von Windows 10. Die oberste Devise der Entwickler ist es, das Spielprinzip unangetastet zu lassen, mit dem eigenen Franchise zu verbinden und eben jene Spieler zu begeistern, die seit jeher der Echtzeitstrategie etwas abgewinnen konnten. Im Vordergrund stehen somit die Fähigkeiten der Spieler, sich in ausgewogenen Matches gegen ihre Kontrahenten zu behaupten, wobei dabei auf den klassischen Basenbau, dem Sammeln von Rohstoffen, Forschung und Einheitenproduktion zurückgegriffen wird – es sind also schnelle Finger gefragt und gute Koordinationsfähigkeiten.

Eine ewige Geschichte

Im Vordergrund von Halo Wars 2 steht nicht nur der Kampf Spieler gegen Spieler, sondern auch eine solide Handlung, welche sich in die Ereignisse der Halo-Storyline eingliedert. Es ist sicherlich keineswegs übertrieben zu behaupten, dass die Geschichte von Halo einen Umfang besitzt wie nur Star Wars und Stark Trek sie mit vergleichbaren Rahmenbedingungen erreicht haben. Die Kampagne spielt 28 Jahre nach den Ereignissen von Halo Wars und reiht sich somit nach dem gewonnenen Krieg gegen die Allianz und kurz vor den Ereignissen von Halo 5 Guardians ein. Wir spielen weiterhin die Besatzung der Spirit of Fire, welche nach den Ereignissen von Halo Wars in den Kryoschlaf gefallen ist und nach etlichen Jahren in der Tiefe des Alls erwacht. Direkt wird die Besatzung mit einem neuen Feind konfrontiert, den sogenannten Verbannten. Dabei Handelt es sich um eine Gruppierung von Brutes, einer Rasse der Allianz, welche während des Krieges mit den Menschen innerhalb der Allianz rebelliert haben und von den Propheten daraufhin verbannt wurden, da Sie in ihnen eine Gefahr sahen und sich der Versklavung durch die Propheten widersetzten. Der Konflikt beider Gruppen spielt rund um einer Arche, einem Konstrukt der Blutsväter, welches in der Lage ist, neue Halo-Ringe zu erschaffen, welche die Verbannten benutzen wollen, um über die Galaxie zu herrschen. Die Besatzung der Spirit of Fire sieht im Intervenieren die einzige Möglichkeit, rechtzeitig das Vorhaben der Brutes zu verhindern.

Wenig Inhalt, dafür super inszeniert

Spielerisch bestehen die Einzelspielermissionen aus dem üblichen Errichten von Basen und Produzieren von Einheiten, dem Abwehren von Gegnerwellen und das Einnehmen bestimmter Ziele. Hier wird immer wieder eine kleine Abwechslung geboten, welche sich jedoch nicht zwingend spielerisch bemerkbar macht. Anders hingegen sind die wundervollen vorgerenderten Zwischensequenzen, wovon es im Spiel insgesamt über die Geschichte gezogen sieben Stück zu sehen gibt. In diesen Szenen sieht man deutlich das Herzblut der Entwickler, eine gute Geschichte erzählen zu wollen, was ihnen auch merklich gelungen ist. Innerhalb der kleinen Filme werden die Knackpunkte der Geschichte wie das erste Aufeinandertreffen der Spartaner mit dem Hauptgegner Atriox, den Angriff der Verbannten auf die Spirit of Fire und vieles mehr erfasst. Mit rund zehn Stunden umfasst die Kampagne eine gut durchschaubare Spielzeit, sticht in unseren Augen jedoch leider zu wenig mit Cutscenes heraus und hat wenig Abwechslung in den Missionen. Das Problem kann auch sein, dass uns die überragenden Zwischensequenzen einfach so überwältigt haben, dass wir einfach mehr davon sehen wollen und vielleicht sogar etwas enttäuscht darüber sind, das sich bisher kein Film mit solcher Technik im Halo-Universum zeigen ließ. Nichtsdestotrotz bekommen wir eine lohnenswerte Kampagne geliefert, welche das Universum um eine gute Geschichte bereichert.

Blitzeinschlag im Mehrspielermodus

Der Kerninhalt des Spieles ist für begeisterte Echtzeitstrategen jedoch weiterhin der Mehrspielermodus. Bis zu sechs Spieler können gegeneinander in zwei Teams antreten. Hier erinnert den PC-Spieler einiges an Command & Conquer. Xbox-One-Spieler werden hier nur wenige Veränderungen zum Vorgänger bemerken, was jedoch bei weitem nicht negativ aufzufassen ist, da schließlich das altbewährte Spielprinzip die Fangemeinschaft ansprechen möchte. Klassisch geht es darum, seine Basis auszubauen, Rohstoffe zu sammeln, energiebringende Türme einzunehmen, neue Basen zu errichten und nebenbei den Feind kontinuierlich anzugreifen – so eine Partie kann ganz schön hektisch werden und bedarf viel Übersicht und einen guten Umgang mit der Minimap. Neu ist hingegen der Blitz-Modus, welcher ein Kartenspiel mit einem Eroberungsmodus verbindet. Hier kann auch wieder mit bis zu sechs Spielern gespielt werden, welche das Ziel haben, im Team die drei Punkte auf einer jeden Karte zu erobern. Werden mindestens zwei von drei Punkten gehalten, verliert der Gegner seine Tickets. Entscheidend ist hierbei das Kartensystem: Wir haben die Möglichkeit ein Spieldeck mit verschiedenen Einheiten zu erstellen, wobei jede Einheit eine unterschiedliche Menge an Energie benötigt, um die Karte auszuspielen. Energie wird mit der Zeit einfach so gewonnen, kann jedoch auch durch das Zerstören bestimmter Objekte auf dem Feld erhalten werden.

Die Macht der Karten

Die Karten unterteilen sich in zwei Klassen, sogenannte Truppenkarten auf der einen und Supportkarten auf der anderen Seite. Während Truppenkarten Einheiten auf das Spielfeld bringen, können wir mit Unterstützungskarten unsere Panzerung stärken, Truppen heilen oder mit Bombardements aus der Luft unsere Gegner wegpusten. Unsere Einheiten hingegen bringen auch gewisse Fähigkeiten mit. So können Orbitale Absprung-Schock-Truppen aus der Luft abgeworfen werden, fügen schon beim Landen in ihren Kapseln den Feind Schaden zu und lassen kleinere Gegner taumeln, um dann vernichtend nach dem Ausstieg aus den Kapseln mit Gewehrgewalt zuzuschlagen. Jeder Spieler startet mit fünf Karten auf der Hand, wobei zu beachten ist, dass eine ausgespielte oder verworfene Karte nicht verloren geht, sondern wieder im Deck landet. Somit ist es auch sinnvoll, unbrauchbare Karten aus der Hand zu werfen und zu hoffen, dass eine brauchbare nachgezogen wird. Am Ende von Spielen oder durch das Spielen der Kampagne können Booster gewonnen werden, durch welche wir neue Karten erhalten können. Dies ist auch durch Echtgeld möglich, wobei wir bei einem der wenigen Kritikpunkte angelangen: Karten, die wir doppelt erhalten, werden nicht zweifach unserem Stapel hinzugefügt, sondern erhöhen das Level der vorhandenen Einheit und somit deren Lebens- und Schadenspunkte. Hier kommt es zu einem Ungleichgewicht, ausgelöst von Spielern, die sich ihre Vorteile erkaufen. Wer sich den Titel wegen seines Mehrspielermodus kauft, sollte sich vorher darüber im Klaren sein, da die Spielerfahrung dadurch beeinflusst wird.

Geschrieben von Axel Gutsmiedl

Axels Fazit (basierend auf der Xbox-One-Fassung): Halo Wars 2 ist für PC-Spieler, welche dem Command-&-Conquer-Franchise hinterher trauern, sicherlich die beste Alternative, die es gibt. Das Spielgefühl erinnert nämlich stets an Command & Conquer: Generals, bietet keinen zu komplizierten Spielgang, aber dafür abwechslungsreiche Gefechte. Für die Xbox One bekommt man einen würdigen Nachfolger. Die Kampagne ist für Fans der Serie eine gute Ergänzung der Geschichte, welche äußerst spannend erzählt wird. Mit Halo Wars 2 werden Mehrspieler-Freunde ebenso bedient, wie jene, die sich für die Geschichte im Universum interessieren. Creative Assembly zeigt eindeutig, dass sie das Genre Strategiespiel seit Jahren auf dem Markt beherrschen und 343 Industries erzählt fleißig eine gute und weitere Geschichte aus dem Halo-Universum. Einzig könnte man kritisieren, dass im Blitz-Modus das Pay-to-win-System zu stark ausgeprägt ist und Echtgeldzahler belohnt werden. Nebenbei wirkt das Spiel an einigen Stellen, ausgenommen sind hier die Cutscenes, ein bisschen zu bunt und passt damit nicht wirklich ins düstere Halo-Universum. Über diese kleinen Sachen kann man jedoch hinweg sehen und dann ist Halo Wars 2 ein rundum gelungenes Strategiespiel – vor allem aus der Sicht, dass dem PC-Spieler das durchaus interessante Universum zugänglicher gemacht wird und dadurch die Hoffnung auflebt, dass unter Windows 10 die Titel des Franchise in Zukunft auf beiden Plattformen erscheinen wird.

Vielen Dank an Microsoft für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Halo Wars 2!

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