Review: The Prisoner: Island of Fire

Zwar wird Jackie Chan auf dem deutschen Cover von The Prisoner: Island of Fire als Hauptdarsteller beworben, doch übernimmt der Schauspieler im Film von Zhū Yánpíng aus dem Jahr 1990 nur eine Nebenrolle, die nicht zu seinem familienfreundlichen Image der Zeit passt.

Im Mittelpunkt der Handlung des Films steht Wáng Wéi, ein Polizist, der gerade nach Hause zurückkehrt, um mit einem Kollegen, seiner Verlobten und künftigem Schwiegervater Zeit zu verbringen. Als seine Verlobte mit ihm das Haus verlässt, um ihn zum Hotel zu bringen, wird ihr Vater plötzlich von einer unbekannten Person aufgesucht und ermordet. Zwar kann Wáng den Mörder mit einem Schuss an der Hand verwunden, doch gelingt diesem die Flucht zu seinem Wagen, der beim Anlassen des Motors merkwürdigerweise explodiert. Über einen abgetrennten Finger gelingt Wáng im Polizeirevier die Identifikation des Mörders, der jedoch vor einem halben Jahr zum Tode verurteilt wurde. Um der mysteriösen Sache auf den Grund zu gehen, nutzt Wáng die Belästigung einer Frau in einer Kneipe aus, um sich nach einer Schlägerei unter falscher Identität ins Gefängnis einzuschleusen. Die Informationssuche im Gefängnis erweist sich jedoch als schwierig, sodass sich Wáng zwangsweise mit den anderen Insassen anfreunden muss. Primär dreht sich der Film um die zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen den Charakteren. In der Haftanstalt müssen sie nicht nur die Regeln der korrupten Wärter befolgen; es gilt zudem das Gesetz des Stärkeren. Der Gefangene Dà Chuí hat beispielsweise aus Notwehr einen Bandenboss getötet und soll ebenfalls ermordet werden.

Ungewöhnlicher Genre-Mix

Über lange Zeit verliert sich The Prisoner: Island of Fire in einem Strudel von verschiedenen Ereignissen, die nicht so recht in die Haupthandlung hineinpassen wollen. Offene Fragen werden tatsächlich erst gegen Ende des Films gelöst – dann aber mit einer intelligenten Wendung, die kaum vorhersehbar ist. Überraschend ist auch, dass der Film kaum auf Martial-Arts-Einlagen setzt und sogar recht blutig ist. Im Finale wird gar reichlich Gebrauch von Schusswaffen aus nächster Nähe gemacht, was gar nicht zum familienfreundlichen Image von Jackie Chan passt. Dieser spielt im Film tatsächlich nur aus Dankbarkeit gegenüber Regisseur Zhū Yánpíng mit, der ihn vor Luó Wéis dubiosen Verbindungen zu Triaden (keine Seltenheit unter den Regisseuren des Hongkong-Kinos) zu schützen. Ebenfalls tritt Sammo Hung im Film auf, der einerseits eine tragische Rolle einnimmt, da er ständig ausbricht beziehungsweise es versucht, um seinen Sohn zu besuchen und andererseits sehr zum Humor des Films beiträgt. So bleibt der Film weitgehend ein bunter Genre-Mix, der nicht jedem zusagen wird, aber definitiv nicht das Geringste an der Spannung des Films ändert, auch wenn auf Deutsch nur die gekürzte Fassung vorliegt. Erst im Juli 2017 wurde der Film ungeschnitten freigegeben, wodurch es Koch Media möglich war, die originale Taiwan-Fassung als Bonus beizulegen.

Ungekürzte Fassung als Beilage

Allerdings handelt es sich bei der Bonus Disc sowohl bei der Blu-ray-, als auch bei der DVD-Ausgabe um eine DVD. Soll heißen, dass die Taiwan-Fassung nur in durchschnittlicher Bildqualität und nur im 4:3-Letterbox-Bildformat vorliegt. Zudem erfolgte bei dieser Fassung keine Nachsynchronisation. Aufs Bild gepresste Untertitel auf Englisch und Chinesisch stören das Gesamtbild zwar nicht sonderlich, die hinzuschaltbaren deutschen Untertitel inmitten des Bildes hingegen schon. Wer darüber hinwegsehen kann, der erhält mit dem ungekürzten Film eine circa dreißig Minuten längere Fassung mit vielen weiteren Szenen, die sehr zur düsteren und klaustrophobischen Gefängnisatmosphäre beitragen. Zudem kommen Filmfreunde nur so in den Genuss des originalen Endes des Films. Bei der deutschen Fassung handelt es sich also um eine Version, die vom Regisseur so nicht gedacht war. Die Soundqualität ist bei der Originalfassung mittelmäßig, besonders beim Einsatz der Titelmelodie und lauter Musik wirkt der Ton kratzig. Bei der Blu-ray-Fassung verwendet man statt des Dolby-Digital-2.0-Tonformats das Format DTS-HD Master Audio 2.0, wodurch der Ton – insbesondere die deutsche Synchronisation – klarer wirkt. Zudem ist das Bildformat im 16:9-Format (1,85:1) angenehmer auf großen Breitbildbildschirmen wahrzunehmen. Egal welche Version man sich letzten Endes jedoch anschaut – unterhaltsam ist er durchweg bis zur letzten Sekunde.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray- und der DVD-Fassung): Filme, die dem Hongkong-Kino der 1980er und 1990er Jahre entspringen, schaue ich mir immer wieder gerne an. Übertriebene Spezialeffekte sind hier nämlich Mangelware, sodass ein Film wesentlich natürlicher wirkt. So auch The Prisoner: Island of Fire. Sowohl die gekürzte deutsche Fassung, als auch die taiwanesische Langfassung haben mir sehr gut gefallen. Die Geschichte wird spannend, in der deutschen Version manchmal mit etwas zu viel Humor, erzählt und die Charaktere sind sehr vielseitig gestaltet. Vielen dürfte der kuriose Genre-Mix aus Komödie, Tragödie, Action-Film und Thriller vielleicht nicht gefallen, doch ich konnte mich recht schnell damit anfreunden und fühlte mich durchweg gut unterhalten. Zudem muss man den Mut bei den Köpfen hinter dem Projekt anerkennen, da sie mit dem Titelsong Zuìhòu yī qiāng (Der letzte Schuss) von Lǎo Cuī direkte Kritik auf das Tiān’ānmén-Massaker von 1989 reagierten. So ist der Film abseits des interessanten Inhalts auch unter kulturellen Aspekten ein wichtiges Werk.

Vielen Dank an Koch Media für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von The Prisoner: Island of Fire!

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