Review: Die Sims 4

Im Jahr 2000 erschuf Entwicklerlegende Will Wright mit der Lebenssimulation Die Sims einen Meilenstein der Videospielgeschichte. 2014 veröffentlichte Publisher Electronic Arts den vierten Serienteil – und kann uns wie beim ersten Teil tagelang an den Bildschirm locken.

Eine Hintergrundgeschichte gibt es in Die Sims 4 nicht, da wir sie selbst schreiben. Zu Beginn einer Partie erstellen wir uns eine Spielfigur, einen der titelgebenden Sims. Wir legen fest, wie unser Charakter aussehen soll und wie alt er ist, in welchem Verwandtschaftsverhältnis er mit anderen Sims steht und vor allem werkeln wir ein wenig an seiner vielseitigen Persönlichkeit. So können wir erfolgssüchtige Snobs ebenso kreieren wie liebeshungrige Romantiker. Haben wir uns für einen Charakter zusammengeschustert und ihm einen Namen gegeben, ziehen wir auch schon in ein neues Wohnviertel und stehen direkt vor unvollendeten Tatsachen. Das Grundstück, das wir uns ausgesucht haben, ist leer. Also müssen wir erst einmal über das Baumenü Wohnraum schaffen, indem wir uns ein Häuslein bauen. Dafür stehen uns zu Beginn zwanzigtausend Simoleons, die Währung des Spiels, zur Verfügung. Wie schon in den vorherigen Ablegern können wir unsere Wohnung komplett selbst erstellen – soll heißen, dass wir zunächst das Gemäuer hochziehen und anschließend den Innenarchitekten spielen. Hier müssen wir dann schon geschickt planen, wie groß das Haus im Endeffekt wird und wie wir den Raum nutzen wollen. Die zwanzigtausend Simoleons sind, vor allem wenn wir uns gleich zu Beginn für ein großes Grundstück entscheiden, schneller als uns lieb ist ausgegeben.

Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft

Da das Errichten des Hauses inklusive Inneneinrichtung deutlich Zeit in Anspruch nehmen kann, haben die Entwickler bei Maxis sich einen Kniff überlegt. Einerseits dürfen wir aus einem leicht zu verstehenden Schaubild die Objekte auswählen, die wir fürs Bauen benötigen und andererseits können wir auch aus einer vorgefertigten Auswahl an Räumen in verschiedenen Größen für unterschiedlich große Geldbeutel wählen. Anschließend überarbeiten wir auf Wunsch noch die Maße der Räumlichkeiten, verschieben Möbel und ändern die Position der Türen, damit unsere Sims jederzeit in jedes der Zimmer gelangen können. Haben wir uns erst einmal in unserem virtuellen Eigenheim eingerichtet, rückt der nach einer kurzen Eingewöhnungszeit leicht zu bedienende Baumodus in den Hintergrund. Stattdessen wird die soziale Interaktion mit den anderen Bewohnern der Spielwelt in den Mittelpunkt gerückt. Auf offener Straße sprechen wir einfach die Figur an, mit der wir befreundet sein wollen und bauen mit ihr in Form von Gesprächen eine zwischenmenschliche Beziehung auf. Versteht man sich nicht, entwickelt sich halt eine kleine Feindschaft – und versteht man sich prächtig, kann man die frische Freundschaft auch sehr schnell zu einer Romanze oder gar zu einer festen Beziehung ausbauen. Heiraten und Kinderzeugen ist ebenfalls ein Teil der sozialen Interaktion.

Das Streben nach Glück

Je mehr wir mit den Sims interagieren, desto mehr Möglichkeiten stehen uns auch zur Verfügung. Freunde können wir zu Partys einladen, unsere Partnerin beziehungsweise unseren Partner zu einem romantischen Date entführen oder auch mitten in der Nacht aus dem Bett klingeln. Da der Geldbeutel nicht ewig gefüllt bleibt, sollte unser Sim eine Karriere einschlagen, damit wir mit den verdienten Brötchen auch bessere Inneneinrichtung erwerben können. Eine kleine Stereoanlage kann die Bedürfnisse eines Sims in puncto Musik beispielsweise nicht so gut erfüllen wir eine Jukebox. Die Qualität des Kühlschranks wiederum sorgt dafür, ob unser Charakter Magenschmerzen aufgrund minderwertigen Essens bekommt – und wer sich gegen die Anschaffung eines Mülleimers entscheidet, versinkt schon bald im Gestank in den eigenen vier Wänden. Entsprechend ist es sehr wichtig, dass man die Einrichtung auf die Bedürfnisse der Sims anpasst. Früher oder später schreien diese auch nach Kunst, Kultur und Freizeitmöglichkeiten, sodass wir sie ohne Bilder an der Wand, Instrumente zum Musizieren, einem Fernseher zum Gedankenverstreuen oder einem Swimmingpool im Garten einfach nicht mehr richtig glücklich kriegen. Diese Verknüpfungen sind zugleich intelligent als auch clever gelöst und sorgen dafür, dass das Spielprinzip durchweg zeitlos und endlos bleibt.

Detailliertes Puppenhaus

So faszinierend das Leben der Anderen auch sein mag, so gibt es auch ein paar Kritikpunkte. Leider ist Die Sims 4 auch im Jahr 2017 nicht ganz fehlerfrei. Manche Aufgaben, die wir unserem Sim zu weisen, werden von diesem zwar akzeptiert, aber aufgrund paralleler Tätigkeiten der Zielperson oder des eigenen Willens nicht durchgeführt. So müssen wir gelegentlich eine Interaktion mehrmals in Auftrag geben, bis sie ausgeführt wird. Andere Fehler sind hingegen nicht ganz nachvollziehbar. Wenn unser Sim beispielsweise das Geschirr vom Tisch in der Küche spülen soll, so macht er dies nicht im gleichen Raum – stattdessen begibt er sich ins Badezimmer und benutzt das dortige Waschbecken. Das Ergebnis ist zwar dasselbe, die Umsetzung hingegen fragwürdig. Auf der grafischen Seite kann das Spiel mit seinem schönen Comiclook punkten. Die Mimiken und Gestiken der Sims sind humorvoll animiert und die Interaktionen mit zahlreichen Details geschmückt. Zusammen mit dem entspannten Soundtrack und der ulkigen Sprachausgabe, die auf einer rein fiktiven Sprache basiert, macht es in Die Sims 4 auch dank der intuitiven Steuerung per Maus durchweg Spaß, sich durch die Baumenüs zu klicken und das Leben unserer Sims zu verfolgen. Sowohl Fans der Reihe, als auch jene, die es noch werden wollen, werden mit Die Sims 4 wochenlang gut unterhalten.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Meine letzte Erfahrung mit dem Franchise liegt viele Jahre zurück, denn bis auf den vierten Teil habe ich tatsächlich nur das Seriendebüt gespielt. Optisch liegen zwischen beiden Spielen natürlich Welten, doch da meine Erinnerungen ohnehin verschwommen sind, brauchte ich ein wenig Einarbeitungszeit, um mich in Die Sims 4 zurechtzufinden. Nachdem ich mich aber an die verschiedenen Gameplay-Mechaniken und die Menü-Struktur gewöhnt hatte, habe ich mich in der Lebenssimulation sehr schnell zurechtgefunden. So halte ich es für den richtigen Schritt, sowohl auf vorgefertigte Räume zurückgreifen, als auch völlig frei mein Haus einrichten zu können. Je nachdem wie viel Zeit ich mit dem Spiel verbringe, werde ich später um Umbau- und Erweiterungsarbeiten ohnehin nicht herum kommen, was ebenso zum Spielspaß beiträgt. Dennoch kann ich mich mit den vorgefertigten Wohnungsbereichen schon sehr viel schneller mit den sozialen Aspekten des Spiels beschäftigen, auf die der Titel verstärkt setzt. Es macht richtig viel Spaß, Freundschaften zu schließen, sich eine Freundin zu angeln, sie zu betrügen, die Mütter anderer Menschen mit Lamas zu vergleichen oder eine Party für die quirligen Sims zu schmeißen. Egal ob es nun positive oder negative Beschäftigungen sind, alles wird nicht nur nachvollziehbar, sondern charmant und humorvoll in Szene gesetzt. Wer eine gut funktionierende Lebenssimulation sucht, kommt um Die Sims 4 definitiv nicht herum. Der Titel bietet wochenlangen Spielspaß und beschert einem besondere Momente, die man mehr nicht vergessen wird.

Vielen Dank an Electronic Arts für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Die Sims 4!

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