Review: Madden NFL 18

Letztes Jahr hat Fifa 17 eindrucksvoll bewiesen, dass ein guter Storymodus in einem Sportspiel durchaus Verwendung finden kann. In Madden NFL 18 entschieden sich die Entwickler dazu, solch einen ebenfalls Modus im NFL-Franchise einzuführen – genannt: Longshot.

Nicht nur eine Einzelspielerkampagne wurde dem Spiel zugute, auch die ewige Ignite Engine wurde durch die aus Fifa bekannte Frostbite Engine abgelöst. Dies macht sich vor allem in den Zwischenszenen bemerkbar, wo es wesentlich mehr um die zwischenmenschliche Ebene geht und um das Schicksal unseres Protagonisten. Wir schlüpfen in die Rolle von Devin Wade, einem jungen Quarterback auf dem Weg zum NFL Draft, dem Tag an dem sich die Profiteams neue Talente für die Zukunft sichern. Wir erleben eine klassische, dennoch sehr spannende, Underdog-Geschichte, die sich um die Vergangenheit und die Zukunft unseres Protagonisten und seines Freundes, Colt Cruise, dreht. In der Highschool von unserem mittlerweile verstorbenen Vater trainiert, über gute Leistungen auf dem College bis hin zum NFL Draft und der Teilnahme in einer Fernsehshow erleben wir die Hochs und Tiefs des Lebens eines talentierten jungen Mannes auf seinem Weg in die National Football League. Während der ganzen Karriere werden wir mit Schicksalsschlägen, Differenzen zwischen zwei Freunden und einer Schmierenkomödie in Form der Fernsehserie vor die Konsole gefesselt. Von der rund sechsstündigen Geschichte stehen wir nur ungefähr ein Viertel der Zeit auf dem Spielfeld, was aber nicht schlimm ist, da die Story stets auf einem hohen Level erzählt wird und durchaus spannend ist.

Dramaturgie als Erfolgsschlüssel

Sportgeschichten sind sicherlich nicht jedermanns Sache, aber die Dramaturgie spielt seit jeher in Filmen rund über Sport eine wichtige Rolle. Nach dem Wade seinen Vater bei einem tragischen Autounfall verlor, ist ihm nicht nur der Vater verstorben, sondern auch sein größter sportlicher Förderer, der ihn zum Starting-Quarterback in der Highschool ernannt hatte. Dieser Schicksalsschlag ist der Moment, der später durch eine Fernsehproduktion, in der Talente durch einen ehemaligen NFL-Coach begutachtet werden, ausgenutzt wird und ihn trotz mäßiger Leistungen ein getürktes Finale gewinnen lässt. Auch die Produzenten der Serie, die Longshot heißt, wissen wie sich die Geschichte eines Jungen, welcher seinen Vater verloren hat, verkaufen lässt. Über die ganze Story haben wir die Möglichkeit, unsere Antworten wohl zu überlegen. Bewertet werden die Antworten und Entscheidungen auf einem Scoutbericht, in dem eingetragen wird, wie es um unseren Charakter und unserem Football-Wissen steht. Die Leistung der Schauspieler ist innerhalb der ganzen Story überwiegend beeindruckend, was auch durch eine gute Engine vermittelt wird. Untermalt von Lizenzsongs, die aus dem Bereich der Country-Musik und des Südstaatenrocks stammen, wird eine unglaublich eindrucksvolle Stimmung aufgebaut, die zu einer passenden Geschichte passt, die Filmniveau erreicht.

American Football für Anfänger

Positiv aber auch zugleich negativ ist hervorzuheben, wie mit der durchaus komplexen Sportart American Football umgegangen wird. Während der Fernsehshow Longshot werden wir von einem ehemaligen NFL-Trainer immer wieder zu spielerischen Elementen und Taktiken befragt, welche wir richtig beantworten müssen, um unser Football-Wissen zu beweisen. Hier müssen unter anderem Positionen richtig zugeordnet werden, genannt werden auf welche Positionen bei einem tiefen Pass oder Routen zu achten sind und wann wir am besten zwischen Lauf- oder Passspielzügen wählen sollten. Anfängern wird damit aufgezeigt und erklärt, was die Grundmechaniken im American Football sind und auf was ein guter Quarterback zu achten hat. Als erfahrener Footballspieler hingegen erscheint es unglaubwürdig, dass ein Spieler, der sowohl in der Highschool, als auch im College Football gespielt hat, Antwortschwierigkeiten bei Fragen rund um die Basics des Sports hat. Hier sehen wir positiv, dass es einen guten Einstieg auch für Neulinge im Football-Universum gibt, aber auch kritisch, dass die Unglaubwürdigkeit ein bisschen zu sehr durchkommt. Nichtsdestotrotz zeigt die gesamte Story, dass Football neben den persönlichen Umständen des Protagonisten die größte Rolle einnimmt, was aber bei einem Spiel rund um die Sportart mit dem Eierball zu erwarten ist.

Fehlende Innovation im Gameplay

Den Fokus in Madden NFL 18 auf die neue Engine und den Einzelspielerpart „Longshot“ zu legen, wird das Spiel absolut gerecht und man merkt, dass die Entwickler die meiste Zeit in beide genannten Elemente gesteckt hat. Betrachten wir Madden NFL 18 aus der Sicht einer Footballsimulation, so ist festzustellen, dass sich im Vergleich zu NFL Madden 17 mit Ausnahme der Grafik nichts geändert hat. Spielerisch ist das Spiel immer noch dasselbe, was sowohl positiv wie negativ gewertet werden kann. Auf der einen Seite fehlt mal wieder die Innovation im Gameplay, auf der anderen Seite jedoch bleibt die Frage im Raum stehen, was man sich von einer Innovation erhoffen mag. Das Spiel läuft flüssig, bietet allerhand Elemente und Variationen und das Football-Erlebnis macht von Jahr zu Jahr immer noch ohne Ende Spaß. In den letzten Jahren wurden nach und nach die verschiedenen Elemente im Spiel, wie das Tackling-System oder die Stärkung der künstlichen Intelligenz ausgebaut, so dass dieses Jahr die Stagnation nicht sonderlich auffällt, zumal der gelungene Storymodus und die neue Engine vieles ausgleicht. Die Qualität des Spiels hat somit keineswegs abgenommen, ist aber auch nicht sonderlich gestiegen. Wir haben hier ein konstantes Level, welches Fans des Sportes seit Jahren an der Stange hält und Sportspiele sind sowieso eine andere Welt, die sich kaum mit denen anderer Videospiele vergleichen lässt.

Geschrieben von Axel Gutsmiedl

Axels Fazit (basierend auf der Xbox-One-Fassung): Mich hat Madden NFL 18 mitsamt dem Singleplayer-Modus sehr verzaubert. Auch wenn sich spielerisch nichts getan hat, so ist der Storymodus besser gelungen als zuletzt in Fifa 17 und bringt eine Geschichte auf den Fernseher, die auch hätte verfilmt werden können. Mitsamt spannender Partien und viele unterschiedlichen Auswahlmöglichkeiten, die auch unterschiedliche Reaktionen der Protagonisten hervorrufen, gibt das Spiel den Fans etwas, was sicherlich lange erwartet wurde – eine Handlung rund um den Alltag im American Football und all seinen Facetten, auch wenn diese sicherlich hier und da gerne mal überzogen dargestellt werden. Das sich mechanisch nichts am Gameplay geändert hat, ist für mich kein zwingender Negativpunkt. Die letzten zwei Versionen von Madden NFL waren allesamt sehr gut von ihrer Steuerung her und von daher stellt sich mir ohnehin die Frage, wo noch Verbesserungen stattfinden sollen. Eher müsste ein gänzlich neues Gameplay kommen und alte Prinzipien über Bord werfen, um zu zeigen, was die Entwickler hätten besser machen können.

Vielen Dank an Electronic Arts für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Madden NFL 18!

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