Review: Bud Spencer & Terence Hill: Slaps and Beans

Carlo Pedersoli alias Bud Spencer und Mario Girotti, der vor allem unter seinem Künstlernamen Terence Hill bekannt ist, haben vor allem in den 1970er und 1980er Jahren millionenfach Zuschauer begeistert. Ihre unvergesslichen Filme wurden 2017 mit einem Videospiel geehrt.

Zu Recht muss hinterfragt werden, warum nicht schon früher jemand auf die Idee gekommen ist, ein Videospiel zu entwickeln, in dem die Hauptrollen Spencer und Hill einnehmen. Zahlreiche Filme, auch die, die beide unabhängig voneinander alleine oder mit anderen Schauspielerkollegen gedreht haben, eignen sich doch hervorragend für hitzige Schlägereien! Die Erleuchtung hatte schließlich das Entwicklerstudio Trinity Team, das 2016 eine Kickstarter-Kampagne gestartet hat, die wesentlich mehr in die Entwicklerkassen eingespült hat, als sie grundsätzlich benötigt hätten. Ein Jahr nach Kampagnenstart steht der Titel auf Steam zur Verfügung und nimmt die Filmgeschichte der beiden Haudegen gehörig auf die Schippe. Gerade haben sie ihren ersten Film abgedreht und wollen ihr Gehalt, die berühmtberüchtigten Kohlen, einsacken – da wird kurzerhand Sekretärin Sofia entführt und das Geld von dubiosen Ganoven mit zu wenig Hirn eingesteckt. Also beschließen die beiden, Sofia zu retten und das Geld zurückzuholen. Storytechnisch reißt das Actionspiel sicherlich keine Bäume aus, versetzt uns aber mit seinem Stil wunderbar in die goldene Epoche der Bud-Spencer-und-Terence-Hill-Filme, da Schauplätze wie Miami Beach oder der Luna Park auch im Spiel auftauchen, aber nur lose mit der jeweiligen Filmhandlung in Verbindung gebracht werden und so untrennbarer Teil der eigenständigen, aber nicht inspirationslosen, Handlung werden.

Jetzt gibt’s Mische!

Hauptsächlich imitiert das Spiel Klassiker wie die Streets-of-Rage-Reihe von Sega. Das heißt, dass das Geschehen in der meisten Zeit aus der Seitenperspektive zu sehen ist und wir uns mit Spencer und Hill durch Straßenschluchten, am sonnigen Sandstrand oder durch ein Laboratorium kämpfen. Dann tauchen in Intervallen, beziehungsweise je weiter wir uns durch das jeweilige Gebiet kämpfen, mehrere Gegner auf, die wir schließlich verdreschen müssen, um in den nächsten Abschnitt zu kommen. Dazu stehen uns in erster Linie unsere Fäuste zur Verfügung, doch auch Billardqueues, Bierkrüge und Bratpfannen können genutzt werden, um den Statisten das Fürchten zu lehren. Die Angriffe gehen allesamt flott von der Hand, was allerdings auch daran liegt, dass wir Attacken kaum miteinander kombinieren können und wir im Grunde zwischen einfachen Schlägen, einer Spezialattacke und einer Abwehrmechanik wählen dürfen. Der Spezialangriff bei Spencer ist der von ihm definierte Dampfhammer und bei Hill sind es ein paar aufeinanderfolgende Backpfeifen. Davon können wir maximal drei hintereinander ausführen, bis wir die Spezialleiste mit dem normalen Bekämpfen von Gegnern auffüllen oder eine Portion Bohnen futtern. Ein Bierkrug ist weitaus wertvoller, da er die Lebensenergie unserer Helden, zwischen denen wir jederzeit auf Knopfdruck wechseln dürfen, auffrischt. Derlei Gegenstände können zum Werfen außerdem zweckentfremdet werden. Toll!

Wo gehobelt wird, da fallen Zähne!

An bestimmten Stellen versucht der Titel auch ein wenig abwechslungsreicher zu sein, wie zum Beispiel bei einem Autorennen, das wir ähnlich wie die Micro-Machines-Videospiele aus der Vogelperspektive spielen dürfen. An anderer Stelle verfolgen wir einen Lieferwagen auf dem Highway und dann wollen im Hafenlevel leichte Schalterrätsel gelöst werden. Es bleibt jedoch beim Versuch, denn abseits dessen konzentriert sich das Spiel völlig auf die Schlägereien. Diese können auf dem mittleren der drei Schwierigkeitsgrade auch schon mal ein wenig brenzlig oder gar unfair werden, wenn unsere Spielfigur von Gegnern umzingelt wird und es kaum Möglichkeit gibt, die Angriffe schnell genug abzuwehren beziehungsweise aus dem Gerangel zu entkommen. Im kooperativen Zwei-Spieler-Modus können wir unserem Mitspieler zumindest schnell unter die Arme greifen. Ärgerlich ist dennoch, dass es uns beim Spielen so vorkommt, dass auf Kontrollpunkte fast gänzlich verzichtet wurde und wir weite Teile des Levels bei einem Game Over erneut spielen müssen. Aufgrund dessen, dass sich der Titel noch im Early-Access-Zustand befindet, lauern hinter vielen Ecken noch Bugs. Manchmal hängen Charaktere an Objekten fest, wollen keine Items aufnehmen oder eine wichtige Aktion zum Spielfortschritt nicht ausführen. Das sind Fehler, die bei einer fast finalen Version nicht vorkommen sollten. Unentschlossene dürfen mit dem Erwerb des Spiels noch etwas abwarten.

Um Gottes Willen, ein Harfenkonzert!

Trotz der Macken, die im Spiel noch vorhanden sind, bietet der Titel an anderer Stelle so viele tolle Momente, angefangen bei der Retro-Grafik. Obwohl sämtliche Charakter- und Schlaganimationen sehr einfach und in seltenen Fällen auch etwas dürftig gestaltet sind, sind sie dennoch richtig charmant inszeniert und nicht selten sieht man vor seinem geistigen Auge, wie der echte Spencer oder der echte Hill seine Rivalen ausgeknockt hat. Außerdem sind manche Figuren so detailliert gestaltet, dass man sogar ihre Vorbilder wie beispielsweise der Schauspieler Riccardo Pizzuti zu erkennen sind. Weiterhin gibt es in den Levels viele offensichtliche oder versteckte Anspielungen auf die Filme, was sehr zum Schmunzeln anregt. Ebenso gelungen ist der Humor, der in den (leider nicht vertonten) Dialogen zur Geltung kommt. Es ist deutlich zu merken, dass hier wahre Fans am Werke waren, die zur einen Hälfte bekannte Gags übernommen und zur anderen Hälfte die Sprüche so angepasst haben, wie sie auch der damalige Dialogautor Rainer Brandt umgesetzt hätte. Das gelbe Häubchen auf dem Buggy stellt jedoch die Musik dar, denn hierbei handelt es sich tatsächlich um die originale Filmmusik verschiedener Werke (unter anderem von Oliver Onions). Bis auf den Kritikpunkt, dass die Musik sich manchmal zu schnell wiederholt, wird jeder Fan des Komikerduos seinen Heidenspaß damit haben, beim Ausführen des Dampfhammers den Klängen zu lauschen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Nachdem bekannt wurde, dass das Spiel über Kickstarter erfolgreich finanziert wurde, konnte ich meinen Augen kaum trauen. Ein jahrelanger Traum von mir ist in Erfüllung gegangen und schickt Bud Spencer und Terence Hill endlich in ihr erstes (und hoffentlich nicht letztes) Videospiel. Bud Spencer & Terence Hill: Slaps and Beans stellt die längst überfällige Videospielumsetzung des Kultduos dar. Es ist ein liebevoll gestaltetes Actionspiel mit zahlreichen Anspielungen auf die Filme und einem Humor, den Rainer Brandt für die deutschen Fassungen der Filme zum Teil nicht besser hätte auf die Leinwand bringen können. Die Story ist zwar hanebüchener Unsinn, doch fasziniert sie zusammen mit der detaillierten Pixelgrafik und den Filmsoundtracks mit Leichtigkeit. Schade ist hier nur, dass das Gameplay meist monoton bleibt, noch einige nervige Bugs in der Early-Access-Fassung vorhanden und Kämpfe schon auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad gelegentlich etwas unfair sind. Dennoch sollten sich beinharte Fans, vor allem die es im Coop-Modus zu zweit vor dem Monitor erleben wollen, davon absolut nicht abschrecken lassen. Es ist wirklich schade, dass der 2016 verstorbene Bud Spencer das nicht mehr miterleben kann. Bud Spencer & Terence Hill: Slaps and Beans ist nicht nur ein angemessenes Lizenzspiel, sondern vor allem eine tiefe Verbeugung vor zwei meiner Lieblingshelden, die mich mit vielen tollen Filmen zum Lachen brachten.

Vielen Dank an Buddy Productions GmbH für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Bud Spencer & Terence Hill: Slaps and Beans!

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