Review: Mario Party: The Top 100

Seitdem Entwicklerstudio Nd Cube das Ruder der Entwicklung übernommen hat, beschweren sich Mario-Party-Fans über die Ausrichtung der Reihe. Mario Party: The Top 100 kann zwar durchaus mit einer tollen Auswahl punkten, vergisst jetzt jedoch sogar ganz das Wesentliche.

Schon seit 1999 kann das Franchise mal mehr und mal weniger mit der Minispielsammlung im Super-Mario-Universum punkten. Üblicherweise ziehen im Franchise bis zu vier Spieler mit ihren Charaktere über ein Spielbrett, würfeln um die Zugreihenfolge, sammeln Münzen, um sich dafür schließlich Power-Sterne zu kaufen, die wiederum über den Ausgang jedweder Partie entscheiden. Mit dem neunten Ableger der Hauptreihe entschied sich Publisher Nintendo dazu, alle Charaktere direkt in einem mobilen Untersatz unterzubringen und zog schon so jede Menge Taktik und Konkurrenzdenken aus dem Spiel. Mit Mario Party: The Top 100 für den Nintendo 3DS sind Nintendo und Nd Cube den nächsten Schritt gegangen und haben die Spielbretter fast völlig verbannt. Das mag einerseits natürlich daran liegen, dass der Titel als ein Best-of der Minispiele verstanden werden will, doch ist dies andererseits eine beängstigende Entwicklung, die die Reihe durchmacht. Bis auf ein eher liebloses Spielbrett, das jeglicher Individualität beraubt ist, können in Mario Party: The Top 100 tatsächlich nur die einhundert titelgebenden Minispiele einzeln oder auf Turnierebene ausgewählt werden. Im Einzelspielermodus, der bis zu fünf Stunden andauert und auf einer Weltkarte ähnlich wie in New Super Mario Bros. stattfindet, können fast alle Minispiele der Reihe nach kennengelernt werden.

Glücksspielproblematik

Laut Herstellerangaben handelt es sich dabei um die „besten einhundert Minispiele“ des Franchises. Nach welchen Kriterien die Spielchen ausgewählt wurden, verrät Nintendo hingegen nicht. Minispiele, die vor allem auf Glück ankommen, gehören bei den Fans nämlich seit dem ersten Serienteil eher zu den Ärgernissen und haben ihren Weg dennoch in die vorliegende Sammlung gefunden. Ein Beispiel wäre das aus Mario Party 2 bekannte Minispiel Bumm-Bumm-Bowser, in welchem vermieden werden muss, dass ein Bowser-Kopf zur Explosion gebracht wird. Dies geschieht über einen von bis zu fünf Auslösern. Hat der Spieler Pech und wählt direkt den falschen, ist er für den Rest des Minispiels gesperrt und auf den Minispiel-Inseln, sprich dem Einzelspielermodus des Spiels, verliert er so zu allem Überfluss noch ein 1-up. Ähnlich sieht es mit dem Minispiel Kartenraten aus Mario Party 7 aus. Hier müssen abwechselnd bis zu drei verdeckte Karten gezogen werden, deren abgebildete Zahlen auf der nach dem Ziehen sichtbaren Rückseite am Ende addiert werden. Solche Minispiele sind absolut sinnfrei und fördern nicht das Geschick, das bei kompetitiven Spielen gefragt ist. Die Angaben des Publishers müssen daher ernsthaft hinterfragt werden: Ein wenig mehr Transparenz oder gar eine Auswahl auf Basis einer Umfrage unter langjährigen Fans hätte Wunder bewirkt.

Geschick und Koordination

Obwohl die für die Reihe eigentlich obligatorischen Spielbretter fehlen und mache Minispiele eher Glück als Können fordern, heißt das noch lange nicht, dass Mario Party: The Top 100 keinen Spaß machen kann. Einige der Minispiele, die Serienfans schon vor etlichen Jahren gespielt haben, können auch heute noch überzeugen. Vor allem die Minispiele, die zusammen mit einem vom Computer gesteuerten Mitstreiter im Team gespielt werden dürfen, machen unglaublich viel Spaß. Wüstensprint aus dem Seriendebüt verlangt mit minimalen Mitteln nur das Können ab, möglichst schnell, aber immer noch im Takt, das Schiebepad nach links oder rechts durchzudrücken und rasch unter einem fallenden Steinblock wegzudüsen. In Pizza Pronto aus Mario Party 3 muss das Team hingegen eine riesige Pizza zu einem größeren Teil als das gegnerische Team aufessen. Dies ist zwar simpel, erfordert aber ebenso ökonomische Maßnahmen, sodass immer ein großes Stück des italienischen Gerichts abgebissen wird und kleinere Reste später nicht dafür sorgen, dass die Spieler hin und her auf dem übergroßen Teller flitzen und so wertvolle Zeit verlieren. Das aus Mario Party 5 bekannte Luntentreten erfordert hingegen, dass zwei Spieler drei sich nach kurzer Zeit selbst entzündbare Lunten mit Stampfattacken löschen, damit König Bob-omb nicht in die Luft fliegt. Hier ist dann wiederum Koordination gefragt, da die Stampfattacke auch den Mistreiter kurzzeitig lähmen kann.

Kurzweilige Mehrspielerpartien

Auch die Minispiele, in denen ein Spieler Jagd auf die Computergegner machen muss oder selbst von denen verfolgt wird, sind durchaus unterhaltsam. Nd Cube ist überwiegend eine gute Auswahl an Minispielen gelungen, die dann auch im Mehrspielermodus zumindest für die eine oder andere Partie zwischendurch unterhalten können. Hier fällt dann aber umso mehr auf, dass die Spielbretter für den nötigen Langzeitspaß fehlen. Ebenfalls ärgerlich – und diesmal keinesfalls entschuldbar – ist der fehlende Online-Modus. Es hätte noch wesentlich mehr Spaß machen können, gegen Spieler weltweit in aufeinanderfolgenden Minispielen anzutreten. Immerhin legt sich Nintendo offline keine Steine in den Weg und lässt Mehrspieleroptionen dank Download-Spiel zu, ohne dass alle Teilnehmer eine Cartridge des Spiels benötigen. Auf technischer Ebene ist der Titel hingegen durchweg gelungen, da vor allem die älteren Minispiele grafisch an den 3DS-Standard angepasst wurden; nur der Tiefeneffekt wird nicht in allen Minispielen und Modi unterstützt. Akustisch sorgen die fröhlichen Melodien dafür, dass die Minispiele jederzeit vergnüglich sind. In so manchem Minispiel wird jedoch die Steuerung für den einen oder anderen Spieler ärgerlich sein, da sie auf das Bewegen des Handhelds oder das (optionale) Ausnutzen des Mikrofons abgestimmt ist. Dies fällt im Gesamtpaket jedoch nicht so schmerzlich auf wie die restlichen Defizite.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Es ist wirklich schade, was aus der in früheren Tagen ruhmreichen Mario-Party-Reihe geworden ist. Böse Zungen mögen sogar behaupten, dass Mario Party: The Top 100 ein Schwanengesang der Serie ist. Nachdem in vorherigen Titeln bereits die ursprüngliche Spielbrettdynamik vereinfacht wurde, fehlen Spielbretter in diesem Ableger fast völlig. Es ist zwar eine sehr gute Idee, ein Pseudo-Best-of der Minispiele zu veröffentlichen, das bis auf wenige Ausnahmen auch durchweg unterhaltsam ist, aber der Verzicht auf Spielbretter fällt mit jeder weiteren Minute Spielzeit negativ auf. Vor allem der Einzelspielermodus verkommt so zum Abarbeiten fast aller enthaltenen Minispiele und bietet nach dem einmaligen Durchspielen keinen Anreiz mehr, ihn noch ein weiteres Mal anzugehen. Nach wenigen Stunden kennt jeder Spieler das komplette Konstrukt des Spiels. Spaßig sind dann nur noch etwaige Mehrspielerpartien, die aufgrund der kurzweiligen Minispiele die Spielzeit aber ebenso wenig strecken. Wer alle Mario-Party-Teile besitzt und noch einmal die letzten Jahrzehnte in Kurzform Revue passieren lassen will, darf bei Mario Party: The Top 100 unter Umständen noch zugreifen. Andernfalls wäre es wesentlich empfehlenswerter, vor allem die älteren Titel für das Nintendo 64 oder den GameCube nachzuholen, um wesentlich mehr gut gefüllte Party-Abende mit Freunden zu verbringen.

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Mario Party: The Top 100!

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