Review: Blame! (Band 2)

Unermüdlich setzt Killy seine Wanderung durch die gigantische Megastruktur fort. War der Charakter im ersten Band hauptsächlich alleine unterwegs, arbeitet er sich dank seiner Weggefährtin Cibo nun nicht mehr alleine durch die endlose Konstruktion, die die Welt im Manga Blame! durchzieht. Das ändert allerdings nichts an der Tonalität, auch der zweite Band des Science-Fiction-Mangas verbleibt wortkarg und lässt lieber die starken Bilder für sich sprechen. Die einzelnen Kapitel hängen dabei etwas mehr zusammen als noch im ersten Band. So treffen die Figuren während ihrer Reise regelmäßig auf versprengte Reste von Zivilisation und Lagern, deren Bewohner jeweils ihre eigenen kleinen Geschichten mit sich bringen. Solche Figuren begleiten Killy, Cibo und den Leser aber nicht länger als einige wenige Seiten hinweg. Bis auf die ewig graufarbenen Gänge der Welt aus Blame! bleibt nämlich recht wenig erhalten: Eine erschütternde Welt, in der auch die Grenze zwischen Mensch und Maschine und die Frage nach dem Leben selbst in einer unsicheren Schwebe hängt.

Facettenreichtum

Die detailliert ausgearbeiteten Bilder und Hintergründe sind noch immer die Highlights von Mangaka Nihei Tsutomus Werk. Das verschachtelte Netzwerk aus weiten Tunnelsystem und engen Kammern wirkt zwar sehr abstrakt und fantastisch, besitzt aber dennoch eine physikalische Ehrlichkeit und Standhaftigkeit. Elemente, die noch einmal daran erinnern, dass der Manga-Zeichner aus seinem Studium der Architektur auch etwas mitgenommen und in sein Werk übertragen hat. Für visuelle Abwechslung ist trotz der grauen Umgebung dennoch gesorgt. Das Bauwerk bietet von riesigen Hallen bis zu dunklen dreckigen Kammern und Transportsystemen einiges, auch wenn diese von Maschinen gefertigten Umgebungen wohl kaum ein Mensch sehen wird. Der Anwendungszweck der ganzen Einrichtungen ist noch dazu kaum jemand bekannt. Schöpfer Nihei bleibt mit Erläuterungen aller Art sehr sparsam, streut in den spärlichen Dialogen hier und da aber immer wieder ein paar Informationsschnipsel ein. Die längste Zeit fühlt sich der Lese trotzdem als unabhängiger Zuschauer, der die Erlebnisse miterlebt, ohne dass die Figuren und Erzählung dabei auf die Präsenz eines Zuschauers ausgerichtet sind.

Science-Fiction-Horror

Damit bleiben viele Geheimnisse auch wirklich bis zum Ende des zweiten Bandes bestehen und motivieren zum Weiterlesen. Blame! ordnet sich zwar eindeutig in einen Science-Fiction-Rahmen ein, überrascht ab und an aber mit tatsächlich grauenerregenden Gestaltungen und explizierten Gewaltdarstellungen. Wer also mit dem Horror-Genre etwas am Hut hat, dürfte auch mit Blame! zufriedengestellt werden. Passend dazu wurden bei manchen Designs auch gelegentlich an gigereske Elemente erinnert, wie sie zum Beispiel aus der Alien-Filmreihe bekannt sind. Die Charaktere und Figurenzeichnungen spielen auch im zweiten Band nur die zweite Geige. Trotzdem machen die wenigen Figuren über knapp 380 Seiten hinweg durchaus eine Entwicklung durch. Der Band blättert sich gut weg und kann bequem in einer einzelnen Sitzung genossen werden. Gerne kommen auch einmal zehn Seiten ohne eine Sprechblase aus, was ebenfalls dem erhöhten Gehalt an Action geschuldet ist. Diese ist auch für das kraftvolle Finale verantwortlich, das Lust auf den Folgeband schürt.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit (basierend auf der ersten Auflage): Der zweite Band setzt direkt an das Ende des ersten an und führt die Erzählung auf ähnliche kryptische und zugleich faszinierende Art und Weise fort, das mir aber genauso gut gefällt wie die Darstellungen der Megastruktur. Erneut geht die visuelle Größe und Gewalt auf Kosten der Ausgestaltung der Figuren. Das war mir aber von Anfang an klar und nehme ich deshalb gerne in Kauf. Killy und Cibo bleiben jedoch auch ohne ausschweifende Textzeilen nicht so kalt wie ich anfangs befürchtet hatte und machen bis zum Ende hin beide eine Entwicklung durch, weswegen ich mich auch schon auf die Fortsetzung freue.

Vielen Dank an Cross Cult für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars von Blame! (Band 2)!

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