Review: Blame!

Die bildgewaltige Manga-Reihe Blame! erblickte bereits zur Jahrtausendwende das Licht der Welt, die erste richtige Film-Adaption erschien allerdings erst 2017. Abseits von Netflix ist der Film inzwischen auch auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich.

In Blame! wird eine postapokalyptische Science-Fiction-Situation beschrieben, die gleichzeitig auch frische und interessante Elemente beinhaltet. Während die letzten Reste der Menschheit ihre Macht über die moderne Technik und ihre Heimat längst verloren haben, wird um sie herum ihr ehemaliger Wohnort namens Megastruktur ohne Unterlass maschinell weitergebaut. Das ganze Spektakel basiert auf der gleichnamigen Manga-Reihe von Nihei Tsutomu, der selbst auch am Film mitarbeitete, um seine Vision möglichst originalgetreu umgesetzt zu bekommen. Die Story greift dabei einen Teil der Manga-Vorlage auf, erzählt jedoch eine in sich schlüssige Geschichte, an der bekannte Figuren wie Protagonist Killy auch teilhaben. Dieser ist immer noch auf der Suche nach den mystifizierten Netzwerkgenen, mit denen die Menschen womöglich wieder die Kontrolle über die Maschinenwelt erlangen könnte. Zusammen mit Bewohnern einer versprengten Siedlung geht der Protagonist einer frischen Spur der Netzwerkgene nach, die sie an einen ganz bestimmten Ort der Megastruktur führt. Actiongeladene Auseinandersetzungen mit maschinellen Abgesandten der höchst aggressiven Schutzwehr, dem ehemaligen Sicherheitssystem, sind dabei selbstverständlich vorprogrammiert.

Ansehnliche Animationen

Auf dieser Reise lernt der Zuschauer ein paar andere Figuren neben dem schweigsamen Killy kennen, die dann auch den Großteil des Redens übernehmen. Wie üblich in Blame! werden diese Figuren aber nur am Rande charakterisiert. Mehr Wert wird auf die Megastruktur gelegt, deren Hintergründe und Entstehung mit klaren Worten beleuchtet wird. Ein netter Punkt, der im eher wortkargen Manga nicht so stark zur Geltung kommt. Der Anime stammt vom Animationsstudio Polygon Pictures, das ebenfalls Niheis Werk Knights of Sidonia sowie die letzte Godzilla-Adaption in Form von CGI-basierten Animationsfilmen auf die Mattscheibe gebannt hat. Die 3D-Animationen passen hier sehr gut: Es ist die beste Form, die martialischen und maschinellen Gestalten in Szene zu setzen und erlauben flüssige Action-Sequenzen und detailreiche Licht- und Partikeleffekte. Die bewegungsreichen Auseinandersetzungen mit der Schutzwehr sind dazu gut geschnitten und lassen den Zuschauer tatsächlich mit den Figuren mitfiebern. Polygon Pictures haben es geschafft, die gräuliche blasse Beton-Welt mit Leben zu füllen. Schön platzierte Lichtquellen sorgen dazu für die passende Stimmung. Was etwas störend auffällt, ist die teils geringe Bildrate, was besonders im Vergleich zu anderen animierten Werken auffällt. An diesen Umstand können sich die Augen aber nach wenigen Minuten gewöhnen.

Ein Blick hinter die Kulissen

Die deutsche Synchronisation fällt dabei positiv auf. Lediglich die Vertonung von Ozan Ünal, der Killy seine Stimme leiht, fällt aufgrund seiner tiefen und offensichtlich bedeutungsschwanger betonten Art zu Sprechen ab und an aus der Rolle. Ansonsten ist Universum Anime die Auswahl für ihre deutschen Sprecher sehr gut gelungen. Auch Nebenfiguren, beispielsweise gesprochen von Peter Flechter oder Melanie Hinze, können durchweg überzeugen. Selbstverständlich liegt neben der deutschen auch die japanische Tonspur vor, die mit deutschen Untertiteln ergänzt werden kann. Als Bonus wurde ein Making-of auf den Datenträger gepresst, in dem verschiedene Verantwortliche hinter Blame! auf die Entwicklung des Projekts und den Schwierigkeiten bei der Umsetzung eingehen. Eine gelungene Ergänzung, die die 105-minütige Laufzeit des Films um eine gute halbe Stunde ergänzt und noch einmal bestimmte Aspekte des Films mehr wertschätzen lässt. Ansonsten wurde der restliche Platz der DVD genutzt, um die üblichen Trailer zu weiteren Produktionen zu bewerben. Aufgrund der Tatsache, dass die Handlung des Animes auch unabhängig von bisherigen Blame!-Abenteuern verständlich ist, ist der Film auch Neulingen ans Herz zu legen, die den Einstieg in das Blame!-Universum suchen. Der Manga bleibt da die längste Zeit sehr kryptisch, vielleicht ist der Einstieg über diesen Film vielleicht sogar die bessere Wahl.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit (basierend auf der DVD-Fassung): Kenner der ersten Manga-Bände werden es schön finden, die Welt aus Blame! in bewegten Bildern kennenzulernen. Anstatt einfach die Geschichte zu adaptieren, wurde entschieden, ein bestimmtes Kapitel der Vorlage aufzugreifen, womit sowohl Kenner und neue Interessierte ihren Spaß haben können. Im Gegensatz zum schweigsamen Manga verläuft der Film nicht ganz so wortkarg, wodurch automatisch mehr Informationen vermittelt werden, als der durchschnittliche Blame!-Leser gewohnt ist. Die monumentalen Darstellungen der Megastruktur und die Action kommen dabei nicht zu kurz und können durchaus überzeugen. Auch wenn sich CGI-Elemente nicht immer positiv auf den Anime-Bereich auswirken, darf bei Blame! aufgeatmet werden. Die gesamte Produktion des Films ist darauf ausgelegt und da auch die plastische Welt und die Maschinen von den Computeranimationen profitieren, ist der Stil durchaus als gelungen zu bezeichnen.

Vielen Dank an Universum Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Blame!

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