Review: Ni no Kuni II: Schicksal eines Königreichs

Das PlayStation-3-Rollenspiel Nino no Kuni: Der Fluch der Weißen Königin aus dem Jahr 2013 stach vor allem durch das markante Figuren- und Welten-Design von Studio Ghibli hervor, hatte spielerisch aber eindeutige Schwächen. Entwickler Level-5 ist sich diesem Umstand bewusst und setzte genau an diesen Stellen an, um die Fortsetzung zu verbessern.

Ebenso wie im ersten Teil spielt Ni no Kuni II: Schicksal eines Königreiches in einer Fantasy-Welt, die dennoch mit einem Abbild der realen Welt in Verbindung steht. Trotzdem ist die Überraschung groß, als der Spieler plötzlich in der Rolle von US-Präsident Roland Klein im Königreich Katzbuckel aufwacht, das gerade von einem Coup d’État erschüttert wird. Zusammen mit dem jungen und unerfahrenen Prinzen Evan Pettiwhisker Tildrum verlässt er den Schauplatz des Geschehens unversehrt; Evan trauert aber nicht allzu lange und entschließt sich kurzerhand dazu, sein neues Königreich an einem neuen Ort zu gründen. Unterstützt wird er dabei von seinem neuen Gefährten Roland und vielen anderen Figuren, auf die die beiden während ihrer Reise treffen. Es gibt es viel zu tun: Die Suche nach Verbündeten und die Beschaffung von Ressourcen für sein Projekt legt den Grundstein für die abenteuerliche Reise durch die Fantasy-Welt. Darüber hinaus verfolgt er ein eher utopisches Ziel: Alle Königreiche der Welt will er aufsuchen und unter einen Banner vereinen, sodass alle Bewohner vom Krieg befreit werden. Trotz dieses reichlich naiven Wunsches werden dem Spieler bei näherer Betrachtung der Fantasy-Welt viele Parallelen zur echten Welt auffallen, die auch die eine oder andere politische Ebene besitzen. Korruption und Überwachung sind nur zwei der zahlreichen Themen, mit denen sich die Gruppe im Verlauf der Handlung auseinandersetzen muss.

Tür auf für eine neue Welt

Die Reise von Evan und seinen Gefährten bringt die größte Stärke von Ni no Kuni II hervorragend zur Geltung. Die einzelnen Königreiche besitzen allesamt ihre eigene Kultur und Lebensweisen und erinnern aufgrund ihres magischen und verspielten Designs auch ohne Studio Ghiblis Hilfe an deren Werke aus dem Anime-Sektor. Klassisch für das Genre werden die Städte und besondere Örtlichkeiten wie Höhlen über eine Oberwelt angesteuert. Zufallskämpfe gibt es sowohl auf der Weltkarte als auch in den Dungeons allerdings nicht, bei geschickter Wahl der Laufwege kann der Spieler auf Wunsch somit Kämpfe auf ein Minimum reduzieren. Bei Feindkontakt fällt als allererstes auf, dass das Kampfsystem vollständig überarbeitet wurde und an Action-Rollenspiele wie Titel der Tales-of-Reihe erinnert. Dementsprechend werden durch die Kombination von leichten und schweren Angriffen und durch das Auslösen von Spezialfähigkeiten die Gegner in Echtzeit erledigt. Der Spieler steuert dabei einen Charakter nach Wahl und wird von zwei durch die künstliche Intelligenz übernommenen Figuren unterstützt. Die Scharmützel, die sich die Gruppe mit den kunterbunten Gegnerhorden liefert, spielen sich einerseits flott und andererseits fordern sie in der meisten Zeit kaum; einen gewissen Tiefgang besitzt das Kampfsystem dennoch. Jeder Charakter führt eine Fernkampf- und bis zu drei Nahkampf-Waffen mit sich, deren Wucht-Anzeige bei gelandeten Treffern zunimmt.

Last des Herrschens

Ist die volle Wucht aufgebaut, sind die darauffolgenden Angriffe verstärkt und auch magische Fähigkeiten bekommen mehr Durchschlagskraft. Besonders diese Angriffe sind brachial inszeniert und wischen mit den Gegnern wortwörtlich den Boden auf. Darüber hinaus ist auf dem Schlachtfeld ziemlich viel los: Drollige Wesen namens Gnuffis können in der Spielwelt optional gesammelt werden und unterstützen Evan und Co anschließend auf dem Schlachtfeld mit aktiven und passiven Boni. Das ist nur eines von vielen Spielsystemen, mit denen Ni no Kuni II angereichert wurde. Passend zur Thematik des Spiels gibt es eine Echtzeitstrategie-Komponente. Hier steuert der Spieler aktiv Truppen und schickt sie gegen feindliche Einheiten in einem Schere-Stein-Papier-Prinzip in die Schlacht. Das Wichtigste ist allerdings zweifelsohne die Pflege und der Ausbau von Evans Königsreich. Ein neues Land regiert sich schließlich nicht von selbst, weswegen es in der frisch gegründeten Basis eine Menge Aufgaben zu erledigen gibt. Der Spieler hat die Wahl unterschiedliche Gebäude wie eine Waffenwerkstatt, ein Magielabor, einem Item-Laden oder Einrichtungen für Jäger und Sammler aufzubauen und mit Forschungen zu betrauen, die anschließend in Echtzeit abgearbeitet werden. Als Belohnung werden die ansässigen Geschäfte mit einem größeren Sortiment ausgestattet und die Staatskassen mit neuen Ressourcen gefüllt, die den weiteren Ausbau fördern.

Magische Spielwelt

Hier ergeben die typischen Rollenspiel-Nebenquests, die auch Ni no Kuni II zu Massen besitzt, etwas mehr Sinn: Bestimmte Aufgaben überzeugen Leute aller Welt dazu, sich Evans Sache anzuschließen. Die unterschiedlichen Einrichtungen wollen immer mit den richtigen Talenten besetzt werden, um den Ausbau des Königreichs möglichst effizient voranzubringen. Ein befriedigendes System mit kontinuierlichem Fortschritt, das stets motiviert. Hier kommt die Schnellreise-Funktion gelegen, denn die vielen großen und kleinen Nebenquests schicken den Spieler auf die Suche nach bestimmten Gegenständen oder Gegnern auch gerne einmal über die gesamte Spielwelt. Trotzdem macht es Spaß auch bekannte Gebiete ein zweites oder drittes Mal zu besuchen, dafür sorgt die entspannte Atmosphäre auf dem Weg, begleitet vom orchestralen wie entspannten Soundtrack von Joe Hisaishi, der ab und an Schluckauf im Tempo hat und in ruhigen Passagen mit monumentalen Instrumenteneinsatz überrascht. Während beim ersten Teil Grafik und Animationen maßgeblich vom renommierten Animationsstudio Ghibli beigesteuert wurden, ist das beim Nachfolger nicht mehr der Fall. Entwickler Level-5 hat es visuell dennoch geschafft, den bunten, verspielten und insgesamt außerordentlich stimmigen Look einzufangen. Die Fantasy-Welt strotzt vor Details und versprüht einen ganz eigenen Charme, von denen andere große Rollenspiele nur träumen können.

Geschrieben von Jonas Maier

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-4-Fassung): Ni no Kuni II: Schicksal eines Königreiches gehört definitiv zu den schönsten Rollenspielen für die PlayStation 4. Das liegt allen voran am kunterbunten Anime-Stil, der sich auch in so mancher Charakteranimation Lorbeeren verdient. Wer schon einmal mit Evan in der Nahansicht durch die verträumte Spielwelt hüpft, erfreut sich daran, wie sein roter Umhang im Wind flattert und wie sein Katzenschweif bei Sprungpassagen darunter wunderbar zum Vorschein kommt. Bis auf seltene Einbrüche in der Bildwiederholungsrate sieht das Spektakel wirklich toll aus und auch der Soundtrack von Joe Hisaishi weiß durchaus zu gefallen. Wie schon der PlayStation3-Vorgänger hat jedoch auch Ni no Kuni II seine Problemchen, denn das Rekrutieren der Bewohner von Evans neuem Königreich kann sich durchaus in die Länge ziehen und trotz der ulkigen Dialoge, die in der deutschen Fassung übrigens wirklich fantastisch übersetzt sind, fühlen sich Nebenaufgaben sehr repetitiv an. Zudem fühlt sich der Verlauf der Handlung nach dem furiosen Auftakt trotz der zum Teil erschreckend erwachsenen Themen doch sehr klassisch an, da die Charaktere im Grunde nur von einem Ort zum anderen reisen und ein Königreich nach dem anderen ins Bündnis locken. Das macht den Titel aber zu keinem schlechten Spiel – im Gegenteil: Jeder Kampf, jeder neue Charakter und jeder entdeckte Ort auf der Weltkarte machen die Faszination aus. Fans von japanischen Rollenspielen kommen um Ni no Kuni II definitiv nicht herum!

Jonas Fazit (basierend auf der PlayStation-4-Fassung): Ni no Kuni II: Schicksal eines Königreichs vereint unter der Haube eines klassischen japanischen Rollenspieles extrem viele Spielsysteme, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Schönerweise sind für die eigentliche Handlung die wenigsten davon verpflichtend und das Spiel wird auch niemals so schwer, als dass der Spieler sich gezwungen fühlt, sich mit allen Elementen genauer zu beschäftigen. Dass wird manchen sicherlich missfallen, allerdings kann sich der Spieler so selbst aussuchen, wie er seine Zeit in der Fantasy-Welt verbringen will. Der Ausbau des Königreichs macht auf jeden Fall Spaß – durch die regelmäßigen Belohnungen entsteht ein toller Spielfluss aus Erkundung, Kämpfen und anschließendem Regieren des Reiches. Leider sind extrem viele Nebenbeschäftigungen nicht mehr als Botendienste, die durch das schnelle hin und her teleportieren abgearbeitet werden können. Die etwas naive Weltanschauung passt perfekt zur kindlichen Inszenierung und kann damit mit Samthandschuhen durchaus komplexe Themen ansprechen. Ni no Kuni II ist ein tolles Rollenspiel voller sympathischer Figuren mit einem seichten Kampfsystem und genug Herausforderungen für jene, die danach suchen.

Vielen Dank an Bandai Namco für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Ni no Kuni II: Schicksal eines Königreichs!

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