Review: The Escapists 2

Anfang 2015 wurde The Escapists für den PC veröffentlicht, eine Umsetzung für die Wii U haben die Entwickler aber leider nie in Angriff genommen. Dass das Ausbrechen auch auf Nintendo-Plattformen Spaß machen kann, beweist The Escapists 2 für die Nintendo Switch.

Wie es der Titel des Spiels erahnen lässt, schlüpft der Spieler in The Escapists 2 abermals in die Haut eines Sträflings, der aus verschiedenen Strafanstalten ausbrechen muss. Welche das ist, darf zu Beginn einer Partie frei entschieden werden. Besondere Gefängnisse müssen jedoch erst durch erreichte Errungenschaften freigeschaltet werden. Der Stil der Haftanstalten ist abwechslungsreich und im Verhältnis zur eigentlich ernsten Thematik auch ein wenig albern, denn neben dem klassischen Gefängnis gibt es auch Strafanstalten, die sich auf mehrere Waggons eines Zuges verteilen oder sich gleich völlig im Weltraum befinden. Die Unterschiede in den einzelnen Gefängnissen sind in der Regel rein kosmetischer Natur. Genau in dieser Disziplin, die so viel Abwechslungsreichtum versprechen könnte, wird großes Potenzial verschenkt. Dass ein Gefängnisaufenthalt sonst auch nicht besonders abwechslungsreich ist, sofern man sich denn an die Regeln hält, kann sich jeder vorstellen. Dies sorgt im Spiel sehr schnell dafür, dass der Spieler aus dem Alltag ausbrechen will, denn nur den Tagesplan aus drei Mahlzeiten, Arbeits- und Sporteinheiten abzuarbeiten, macht auf Dauer selbst einen Häftling nicht glücklich. Dem Spiel ist es aber relativ egal, ob wir uns im Alltag einbringen – nur bei der allmorgendlichen und allabendlichen Zählung müssen wir zwingend anwesend sein.

Gefängnisse zum Austoben

Das heißt aber noch lange nicht, dass das Spiel nicht mit vielen unterschiedlichen Elementen punkten kann. Beim Durchsuchen des Hab und Guts der Mitinsassen kommen verschiedene Dinge wie Schraubenzieher oder Rasierklingen zum Vorschein, die wiederum zu Gedanken führen, wie der Ausbruch aus dem Gefängnis funktionieren könnte. So kann der Spieler pro Strafanstalt gleich mehrere Möglichkeiten und Gelegenheiten nutzen, um seiner digitalen Freiheitsstrafe zu entgehen. Genau dieses Konzept macht The Escapists 2 so interessant, da so jede Partie anders verlaufen kann. Sowohl das Erfüllen von Aufträgen anderer Sträflinge als auch das Handeln mit anderen Charakteren führt dazu, dass das eigene Inventar mit nützlichen Gegenständen gefüllt wird. Diese Objekte können in der Regel auch noch miteinander kombiniert werden, sodass Kreativität mit in die Flucht einfließt. Leider verrät einem das Spiel im Tutorial nur die absoluten Grundlagen, alle anderen Kniffe müssen selbst erlernt werden. Wer also zumindest in den ersten Spielstunden noch etwas an die Hand genommen werden möchte, wird in The Escapists 2 schnell verzweifeln. Möchte man aber ohnehin lieber ausprobieren, tüfteln und sich Zeit lassen, um etwaige Lücken im Routenverlauf der Wächter oder sonstige Schwächen im Gefängnisaufbau herauszufinden, dann entwickelt sich der Titel schnell zu einer liebevollen Spielwiese, die so schnell nicht mehr verlassen werden möchte.

Gemeinsame Fluchtversuche

Eine sinnvolle Ergänzung des zweiten Serienteils ist der Online-Mehrspielermodus. Nach wie vor ist es dem Spieler zwar selbst überlassen, ob er offline und alleine ausbrechen will, doch jetzt kann er sich auch mit unbekannten Spielern oder Freunden zusammentun, um die Flucht zu planen. Schade ist, dass es keinen spielinternen Chat gibt und die Kommunikation so auf externe Kanäle ausgelagert wird. Effektive Zusammenarbeit ist daher am ehesten mit Freunden via Skype und Co möglich. Optisch kann das Gefängnisabenteuer mit einem tollen Retro-Grafikstil punkten. Die Umgebungsgrafiken sind quietschbunt und sämtliche Figuren in einem zuckersüßen Charakterdesign gestaltet. Akustisch reißt das Spiel zwar keine Bäume aus, doch passen die Melodien und Soundeffekte zum illustren Gefängnisalltag und fallen nicht negativ auf. Wer den ersten Teil der Reihe oder gar das Spin-off The Escapists: The Walking Dead gespielt hat, wird bemerken, dass viele Elemente altbacken und höchstens angepasst worden sind. Immerhin läuft das Spiel so trotz der limitierten Hardware jederzeit flüssig. Warum die Entwickler von Mouldy Toof Studios jedoch die kleine Schriftgröße der PC-Fassung übernommen haben, bleibt wohl ewig ein Rätsel. Wer nicht im Handheld-Modus spielen oder direkt einen Meter vor dem Fernsehbildschirm sitzen will, muss öfters beide Augen zukneifen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-Fassung): The Escapists 2 ist kein Spiel, für das eine fünfminütige Einarbeitungszeit ausreicht, um die Spielmechanik zumindest grob zu beherrschen. Es ist ein Titel, in den zunächst Zeit gesteckt und repetitive Spielabläufe in Kauf genommen werden müssen, damit alle Zusammenhänge zwischen den Level-Architekturen der verschiedenen Strafanstalten, diversen Nicht-Spieler-Charakteren und der Item-Verwaltung deutlich werden. Wer über Geduld verfügt, nichts gegen die teilweise winzigen Bildschirmtexte hat und gerne Zeit mit Ausprobieren und Tüfteln verbringt, wird sich in The Escapists 2 richtig austoben können, da jede Flucht anders verläuft. Im Gegensatz zum ersten Teil und zum Spin-off lässt sich der Titel sogar online mit fremden Spielern und Freunden zocken. Wem das Gefängnisausbrechen alleine zu dröge ist, kann mit den richtigen Komplizen sicher noch deutlich mehr Spaß haben. Schade ist allerdings, dass es keinen spielinternen Chat gibt und die Kommunikation wie bei anderen Switch-Titeln auf externe Kanäle ausgelagert wird. Ein Gefängnisausbruch darf halt nicht zu einfach sein.

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