Review: Mega Man Legacy Collection 2

Mit der Mega Man Legacy Collection konnte Capcom sechs tolle Klassiker auf einen Schlag vermarkten und mit tollen Komfortfunktionen ergänzen. Dieses Unterfangen möchte Capcom mit der Mega Man Legacy Collection 2 fortsetzen – und dies gelingt ihm fast durchweg gut.

Wer die ersten sechs Abenteuer von Mega Man kennt, der wird sich auch mit dem siebten, achten, neunten und zehnten Serienteil der Hauptreihe schnell zurechtfinden, die in der Mega Man Legacy Collection 2 allesamt enthalten sind. In puncto Story hat sich in den vier vorliegenden Spielen nicht sehr viel getan, denn nach wie vor ist es Dr. Wily, der nach der Weltherrschaft strebt und dieses Ziel mit umprogrammierten Robotern erreichen will. So liegt es wieder an Mega Man respektive dem Spieler, den bösen Wissenschaftler aufzuhalten, indem der Reihe nach verschiedene Orte auf der Erde besucht und die dort wütenden Roboter aus dem Verkehr gezogen werden. Jedes der vier Spiele bietet dabei zweidimensionale Spielabschnitte, die mit zahlreichen kleineren Gegnern, mehr oder weniger gut versteckten Bonus-Gegenständen und Abgründen inklusive den obligatorischen Zacken und Spitzen an dessen Gründen, gepflastert sind. Nach wie vor ist der Schwierigkeitsgrad, zumindest im neunten und zehnten Serienteil, diesbezüglich sehr hoch. Bockschwer sind die Bossgegner, also die von Dr. Wily kontrollierten Roboter, aber in jedem der vier Spiele. Nach wie vor besteht die Kernspielmechanik daraus, die bestmögliche Route durchs Spiel zu finden. Jeder Bossgegner hinterlässt eine Waffe, die gegen einen anderen Roboter ganz besonders effektiv und dieser somit wesentlich leichter zu besiegen ist. Wie in den Serienursprüngen funktioniert das eingehende System auch in dieser Kollektion sehr gut, sorgt für einen angenehmen Spielfluss und für die regelmäßige Ausschüttung von Glückshormonen.

Überreste des Komforts

Herausstellungsmerkmale der ersten Mega Man Legacy Collection sind Komfortfunktionen, die sich vor allem an jüngere oder unerfahrene Spieler richten. Diesmal müssen Spieler mit ein paar Möglichkeiten weniger auskommen, denn eine Zurückspulfunktion gibt es beispielsweise nicht mehr. Geblieben ist jedoch die Möglichkeit, an so gut wie jeder Stelle im Spiel zu speichern und zu diesen selbst erstellten Rücksetzpunkten, die wahlweise auch automatisch von den Spielen selbst gesetzt werden können, über das Hauptmenü zurückzukehren. Wer sich an die Zeitmanipulation im Stil von Prince of Persia: The Sands of Time also gewöhnt hat, wird vermutlich ein wenig enttäuscht über diesen Dämpfer sein. Eigentlich ist der Verzicht auf diese Funktion aber eine gute Idee, da so auch Anfänger die Quintessenz der Mega-Man-Reihe verstehen lernen. Fortgeschrittene, die die Levels schon im Schlaf ablaufen können, dürfen aber immerhin noch Gebrauch von den Speicheroptionen machen und so zum Teil nervige Laufwege überspringen. Weiteren Komfort bietet die Einstellungsmöglichkeit, dass die Gegner nur halb so viel Schaden beim Helden anrichten. Mega Man 10 verfügt sogar im Spiel selbst über die Optionsmöglichkeit, Abgründe mit Plattformen abzudecken. Profis hingegen werden diesen Firlefanz ohnehin nur belächeln und die Spiele so erleben, wie sie von den Programmierern ursprünglich erdacht waren – und sich nach dem Durchspielen aller vier Titel auch dem optionalen Herausforderungsmodus mit seinen motivierenden Challenges stellen. Zufrieden gestellt wird mit der Mega Man Legacy Collection 2 also so gut wie jeder.

Entwicklung und Kehrtwende des Franchises

Auffällig ist bei allen vier Spielen, dass sie zu verschiedenen Zeitpunkten und vor allem aus unterschiedlichen Gründen entwickelt worden sind. Mega Man VII wurde 1995 in der zweiten Hälfte des Lebenszyklus des Super Nintendos verspätet in die 16-Bit-Zeit eingeführt und das merkt man dem Spiel auch an vielen Stellen an, da es sich bis auf die grafische Oberfläche nur bedingt weiterentwickelt hat. Mit Mega Man 8 versuchte Capcom bereits 1996 ins 32-Bit-Zeitalter aufzubrechen: Integrierte Anime-Szenen und eine englische Sprachausgabe brachten zwar frischen Wind in die Reihe, das restliche Spiel nutze die Hardware der PlayStation aber nicht völlig aus. In den darauffolgenden zwölf Jahren schien die Hauptreihe des Franchises vergessen, denn erst 2008 folgte mit dem Download-Titel Mega Man 9 ein weiterer Serienteil. Dieser kehrt dank seines 8-Bit-Gewands zu den Wurzeln zurück, um vor allem ältere Fans wieder für das Franchise zu begeistern. Mega Man 10 stellt den bis heute letzten Teil der Hauptreihe dar und ist wie sein Vorgänger ebenfalls wieder den 8-Bit-Abenteuern nachempfunden. So bietet die Mega Man Legacy Collection 2 vier Titel, die zur einen Hälfte eine erschreckend schnelle Entwicklung durchgemacht haben und zur anderen Hälfte wie aus dem Nichts eine plötzliche Besinnung an alte Tugenden erfuhr. Schade ist lediglich, dass Capcom bei dieser Kollektion dem Museum mit seinen Bonusinhalten nicht mehr ganz so viel Aufmerksamkeit geschenkt hat. Artworks und Co sind hier zur Genüge vorhanden, die liebevollen Erklärungstexte aber völlig verschwunden. Verschenktes Potenzial bei einer guten Sammlung.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Switch-Fassung): In der Mega Man Legacy Collection 2 warten vier weitere tolle Spiele des Franchises darauf, entdeckt zu werden. Mega Man VII stellt den verspäteten Sprung ins 16-Bit-Zeitalter dar und Mega Man 8 demonstriert, dass der Umzug in die darauffolgende Konsolengeneration nicht innerhalb eines Jahres hätte stattfinden sollen. Obwohl beide Spiele mit Gameplay und Technik ihrer Zeit zu kämpfen haben, sind sie dennoch auf ihre ganz eigene Art und Weise charmante Spiele der 1990er Jahre und vor allem eine Empfehlung für Fans, die bei der Erstveröffentlichung schon dabei waren. Mega Man 9 und Mega Man 10 sind wiederum zwei Titel, die vielleicht sogar dazu beigetragen haben, die bis heute anhaltende Retro-Welle im Videospielsegment loszutreten. Insbesondere der neunte Serienableger kann mit klassischem Gameplay, Level-Strukturen und Bosskämpfen bezaubern. Übrigens ist es für europäische Nintendo-Spieler, die in den 1990er Jahren nicht ins Sega- oder Sony-Lager übergesiedelt sind, ihre erste Chance, Mega Man 8 zu spielen, da Capcom dem Nintendo 64 so gut wie komplett ferngeblieben ist. Es gibt unterm Strich also mehr als nur einen guten Grund, sich die Mega Man Legacy Collection 2 zuzulegen.

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