Review: I.F.O

Wer in den 1980er- und frühen 1990er-Jahren aufgewachsen ist, hat sicherlich mal ein LCD-Spiel in der Hand gehabt. Obwohl andere Handhelds wie der Game Boy die LCD-Spiele abgelöst haben, ist die Faszination in unterschiedlicher Form wie in I.F.O bis heute ungebrochen.

Bei I.F.O handelt es sich um ein Shoot ’em up, das sich an LCD-Spielchen orientiert. Dementsprechend gibt es keine Story, die im Spiel selbst aufgegriffen wird. In der elektronischen Bedienungsanleitung verraten die Entwickler allerdings die Hintergründe: Außerirdische haben die Erde attackiert und der Spieler ist der letzte Pilot, der die Erde und die von den Aliens entführten Tiere noch retten kann. Einen Blumentopf für Kreativität verdienen die Entwickler für diese ‚Glanzleistung’ des Geschichtenerzählens zwar nicht, doch darf dies bei der Intention des Spiels auch gar nicht erwartet werden. Stattdessen konzentriert sich I.F.O gänzlich aufs altmodische Gameplay, um eine möglichst ähnliche Erfahrung wie in den 1970er- bis 1990er-Jahren zu ermöglichen. In der Rolle des namenlosen Piloten, der durchweg in seinem Flugzeug sitzt, düst der Spieler durch die endlosen Weiten der Lüfte und schießt ein Raumschiff nach dem anderen ab. Dies mag zunächst nach einer sehr leichten Aufgabe klingen, ist in Wahrheit aber selbst auf dem normalen Schwierigkeitsgrad eine kleine Herausforderung für sich. An dieser beißt sich der Spieler zunächst die Zähne aus, wird aber mit jedem Ableben der Spielfigur, das je nach Spielweise sogar relativ flott eintreten kann, deutlich besser. Jeder Fortschritt führt dazu, eine Symbiose mit Steuerung und LCD-ähnlicher Grafik einzugehen.

Dynamisches Gameplay

Obwohl das Gameplay simpel gestrickt ist, gibt es dennoch viel Abwechslung. Selbst nach dutzenden Abschüssen kann der Spieler immer noch etwas Neues entdecken. Werden Tiere gerettet und eingesammelt, verändert sich die Art der Waffe. Unter anderem können dann statt normalen Schüssen Bomben verteilt, Zielsuchraketen auf die stetig gefährlicher werdenden Feinde losgelassen oder ein riesiger Laserstrahl abgefeuert werden. Problematisch und leider auch nicht ganz spielspaßfördernd ist die Tatsache, dass die Schüsse automatisch in bestimmten Intervallen erfolgen und der Spieler das Flugzeug mit Hilfe der beiden Schultertasten im zweidimensionalen Level rotieren lässt. Es erfordert sehr viel Geschick, die Spielfigur richtig zu positionieren, den feindlichen Geschossen auszuweichen und dann noch im richtigen Moment das Feuer auf die Gegner zu lenken. Dabei sollte auch stets auf die Lebensenergie geachtet werden, denn nach drei Treffern ist der Spieldurchlauf beendet, sofern die Energie durch gerettete Tiere nicht wieder aufgefrischt wurde. Trotzdem regt jeder Spielstart dazu an, Rekorde aufzustellen und sich mit einem besseren Highscore auf der Rangliste zu positionieren. Dies funktioniert wie bei LCD-Spielen nur offline, sodass sich die wahre Motivation nur dann einstellt, wenn der genutzte New 3DS oder New 2DS mit anderen Spielern geteilt wird.

LCD-Abweichungen

Warum I.F.O im Übrigen nur für die New-Modellreihe und nicht für die Vorgängergeneration von Nintendos aufklappbarem Handheld erhältlich ist, wird wohl auch wie die für Nostalgiker mindestens genauso ärgerliche Super-Nintendo-Virtual-Console-Exklusivität der New-3DS- und New-2DS-Systeme ein ewiges Rätsel bleiben. Im Test konnte das Spiel keinerlei Vorteile, weder in puncto Leistung noch in der Steuerungsdisziplin, deutlich machen, warum die stärkere Hardware notwendig ist. Nichtsdestotrotz dürfen sich New-3DS- und New-2DS-Besitzer über einen weiteren exklusiven Titel freuen, der zumindest zwischendurch immer wieder ein paar Minuten begeistert an den kleinen Bildschirm des Handhelds lockt. Auch wenn die optische und akustische Ähnlichkeit zu LCD-Spielchen vorhanden ist, spielt sich der Titel weitgehend jedoch sehr viel anders. Somit haben die Grafiken der aufpoppenden Gegner keine vordefinierten Plätze, an denen sie erscheinen. Alle Feinde bewegen sich völlig frei im Raum, sodass der Titel eher wie Twin-Stick-Shooter wirkt, dessen spielerische Freiheit auf gerade einmal zwei Schultertasten reduziert wurde. Nintendo-Fans, die sich seit Jahren nach weiteren Game-&-Watch-Spielen sehnen, werden mit I.F.O sicherlich nicht glücklich werden. Anhänger von Spielen mit besonderen Grafikstilen könnten sich am Look des Spiels aber erfreuen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der New-Nintendo-3DS-Fassung): I.F.O ist ein Titel, der dem Spieler vorgaukeln möchte, ein echtes LCD-Spiel in der Hand zu halten. Zumindest stilistisch gelingt dem Spiel dieses Kunststück, denn optisch und akustisch wirkt I.F.O zumindest auf den ersten Blick tatsächlich wie ein Titel aus den 1980er-Jahren. Bei genauerer Betrachtung fällt jedoch auf, dass das Gameplay nicht mehr viel mit einem LCD-Spiel zu tun hat. Sämtliche Spiel-Elemente befinden sich nicht an vordefinierten Plätzen und bewegen sich stattdessen frei durch den Raum. Viel mehr fühlt sich das Shoot ’em up wie ein Twin-Stick-Shooter an – nur ohne Stick-Unterstützung und Reduzierung der Bedienung auf zwei Tasten. Negativ fällt auch auf, dass es keine Online-Rangliste gibt. Wer also wirklich auf Highscore-Jagd gehen will, sollte seinen Handheld hin und wieder mal einem Freund für eine halbe Stunde in die Hand drücken. Zumindest die Achievement-Jagd kann auch alleine motivieren. Obwohl Fans klassischer LCD-Spielchen eher enttäuscht von I.F.O sein werden, kann der Titel mit seinem charmanten Stil allen Spielern, die kurzweilige Action für zwischendurch suchen, dennoch ein breites Lächeln aufs Gesicht zaubern.

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