Review: Parasyte: The Maxim (Vol. 1)

Schon 2016 und 2017 veröffentlichte Eye Seen Movies die Realfilmadaptionen der aus den Jahren 1988 bis 1995 stammenden zehnteiligen Manga-Vorlage. Von Kazé Anime folgte im Juni 2018 die erste Volume der Anime-Serie, die als Parasyte: The Maxim veröffentlicht wird.

Im Mittelpunkt der Handlung von Parasyte steht der 17-jährige Izumi Shin’ichi. Dieser wacht eines Nachts auf und muss erleben, wie ein unbekanntes kleines Wesen in seine Hand beißt und versucht, sich in seinem Körper einzunisten. Er wacht auf und verhindert, dass sich die außerirdische Lebensform in seinem Körper ausbreiten kann, indem er mit Kopfhörerkabeln versucht, die Blutbahnen abzutrennen. Dadurch bleibt Migī, wie er das Wesen fortan nennt, als Symbiont in seiner rechten Hand, anstatt als Parasit Shin’ichis Gehirn und somit seinen ganzen Körper zu übernehmen. Da Migī von Shin’ichis Körper abhängig ist und mit Energie versorgt werden muss, stellt sich die Symbiose für beide Individuen anfangs als schwierig heraus. Tagsüber versucht Migī eine Ruhephase einzuhalten, während er nachts, wenn Shin’ichi schläft, in Büchern nach Informationen über die Welt der Menschen sucht. Damit entwickelt er sich selbst weiter und versucht zumindest Verständnis für das menschliche Leben zu entwickeln. Viele Gepflogenheiten und Regeln des sozialen Zusammenlebens bleiben Migī allerdings verschlossen, sodass nur Experimente dabei helfen, die Menschen besser zu verstehen. Da Migī Shin’ichis Fortpflanzungstrieb spürt, lenkt er die rechte Hand des Oberschülers an nicht akzeptable Stellen von dessen Schulkameradin Murano Satomi.

Kannibalismus und Mordslust

Neugier und Forschungsdrang sorgen zwar für ein paar lustige Momente, doch mit Humor ist die Anime-Serie deshalb aber nicht gepflastert. Neben Migī sind auch weitere außerirdische Wesen in Japan gelandet, die die Kontrolle über andere Menschen übernommen haben. Diese versuchen ebenfalls, in der Welt der Menschen zu überleben, sind aber bei Weitem nicht so gutmütig wie Migī. Die Außerirdischen leben wie Kannibalen, das heißt, dass sobald sie einen Wirtskörper übernommen haben, dieser die gleiche Lebensform verspeisen möchte, um Energie aufzunehmen. Mit jeder weiteren Episode wird die Geschichte deshalb nicht nur spannender, sondern wirkt durch weitere Informationen auch vielschichtiger. Des Weiteren geht der Kannibalismus einher mit einer Mordslust, die ebenfalls befriedigt werden möchte. Dementsprechend lauern hinter allen Ecken und Enden Gefahren, auf die sich Migī und Shin’ichi einstellen müssen. So treffen die beiden in einer Seitengasse auf einen Hund, der ebenfalls von einem Parasiten kontrolliert wird und auf einmal Jagd auf die beiden macht. Da Migī Shin’ichis Körper nicht ganz kontrolliert, ist er jedoch den anderen Außerirdischen natürlich ein Dorn im Auge, das es zu entfernen gilt. Andersherum müssen die Parasiten, wie der in Shin’ichis Lehrerin Tamiya Ryōko, mit den Tücken des alltäglichen sozialen Lebens kämpfen.

Düstere Handlung in einer kühlen Welt

Parasyte erzählt eine sehr düstere Geschichte, die vor allem für Shin’ichi ausweglos ist. Die stringente und konsekutive Handlung ist intelligent erzählt, motiviert stets zum Weiterschauen und sorgt durch den hohen Gewaltgrad für offene Münder. Letzteres liegt vor allem an der optischen Gestaltungsweise: Die Parasiten verleihen ihren Wirtskörpern die Fähigkeit, sich morphologisch zu verändern und Teile des aufgesplitterten Körpers als Waffe zu benutzen. All das ist trotz erkennbarer Abstufungen wirklich gut animiert und sorgt für ein sehr flüssiges Geschehen im bildschirmfüllenden 16:9-Format. Auch die Hintergründe in der Auflösung von 1080p sind wirklich schön gezeichnet und harmonieren hervorragend mit den detaillierten Charaktermodellen von Shin’ichi, Satomi, Ryōko und Co. Dadurch, dass jede der sechs enthaltenen Episoden im Winter spielt, sind die Farben und die Lichteinwirkung sehr kühl, was die düstere und manchmal sogar triste Stimmung unterlegt. Hinzu kommen zwei exzellente Tonspuren auf Deutsch und Japanisch: Beide Synchronisationen überzeugen mit tollen Sprechern und gelungenen Betonungen. Schade ist nur, dass es bis auf das Clear Opening kein digitales Bonusmaterial gibt. Käufer der limitierten Erstauflage erhalten laut Herstellerangaben neben einem Schuber für alle vier Volumes der Serie auch noch ein Brillenputztuch.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Kenner der beiden Realfilmadaptionen, die die Story aufs Nötigste reduziert haben, werden sich über die detaillierter erzählte Geschichte definitiv freuen. Viele neue Details und Figuren sorgen dafür, dass es selbst für Kenner der beiden Filme interessant bleibt. Wer die Filme noch nicht gesehen und auch den Manga noch nicht gelesen hat, wird Parasyte: The Maxim aber noch wesentlich schneller verschlingen wollen. Die Geschichte ist interessant erzählt, spannend und tiefgründig gestaltet. Hinzu kommen einige Wendungen und Überraschungen, die regelrecht dazu motivieren, alle sechs Episoden der ersten Volume am Stück zu schauen. Dafür sorgt auch die technische Gestaltung der Anime-Serie, die mit einem kühlen Bild, tollen Animationen, atmosphärischer Musik und hervorragenden Sprechern auf Deutsch und Japanisch punktet. Parasyte: The Maxim gehört unbedingt in die Sammlung jedes erwachsenen Anime-Fans!

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Parasyte: The Maxim (Vol. 1)!

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