Review: Blue Exorcist: Kyōto Saga (Vol. 1)

2011 sorgte die Anime-Serie Blue Exorcist, basierend auf der 2009 gestarteten Manga-Reihe von Katō Kazue, für Furore. 2017 folgte nach langer Wartezeit die zweite Staffel mit dem Untertitel Kyōto Saga, deren erste Hälfte Kazé Anime im August 2018 im deutschsprachigen Raum veröffentlichte.

Wer die erste Staffel von Blue Exorcist nicht gesehen hat, wird definitiv Probleme haben, in das Universum der Serie in der zweiten Season einzusteigen. Die einzelnen Figuren werden kaum mehr charakterisiert, sodass die zwischenmenschlichen Beziehungen zunächst einmal durchschaut werden wollen. Hinzu kommt, dass die erste von sechs Episoden dieser Volume direkt und ohne jedwede Erklärungen ins Geschehen wirft, anstatt die Geschehnisse der ersten Staffel oder gar des Films aus dem Jahr 2012 zu rekapitulieren. Nach wie vor dreht sich die Story von Blue Exorcist um Okumura Rin, der Satans Sohn ist. Sein Zwillingsbruder Okumura Yukio kam hingegen ohne teuflische Kräfte zur Welt. Oft verstehen sich die beiden Brüder nicht sonderlich gut und auch zu Beginn der zweiten Staffel scheint das Verhältnis zwischen den beiden gespalten. Allerdings gehen auch Rins Freunde, insbesondere Suguro Ryūji, ihm seit der neuesten Erkenntnis, dass Rin der Sohn des Teufels ist, aus dem Weg. Vor allem die Zugfahrt auf ihrem Ausflug ins entfernte Kyōto wird davon belastet. Dennoch raufen sich die Freunde, wie könnte es auch anders sein, mit der Zeit wieder zusammen – schließlich müssen sie einen wichtigen Auftrag erfüllen. Abgesehen vom komplexen Protagonisten-Ensemble ist der Einstieg in den weiteren Handlungsstrang jedoch wesentlich leichter und angenehmer.

Koffer gepackt und ab nach Kyōto

Inhaltlich beschäftigt sich Blue Exorcist: Kyōto Saga mit einem Dämon, der am Ende der Edo-Zeit in Japan gewütet und mit seinem tödlichen Miasma tausende Menschen getötet hat. Zwar konnte die Gefahr des so genannten „unreinen Königs“ gebannt und seine Macht in dessen beiden Augen eingeschlossen werden, doch müssen diese beiden Gefäße seither unter strenger Bewachung aufbewahrt werden. Während in der Heiligkreuz-Akademie, dem Schauplatz der ersten Staffel, das linke Auge gehütet wird, befindet sich in Kyōto das rechte Auge des Dämons. Da das linke Auge noch vor Einsetzen des neuen Handlungsstrangs aus der Heiligkreuz-Akademie gestohlen wurde, werden Rin und Co nach Kyōto entsandt, um zu verhindern, dass auch noch das rechte Auge des Dämons abhanden kommt. An der eigentlichen Erzählweise hat sich seit der ersten Staffel nichts geändert, denn neben der Haupthandlung laufen noch ein paar kleinere Geschichten ab, die sich um den roten Faden schlängeln. Sie sind interessant gestaltet und unterstützen die spannende Storyline, die sich in der zweiten Staffel leider nur auf zwölf Episoden beschränkt. Wer sich für die limitierte Erstausgabe entscheidet, kommt zudem in den Genuss eines praktischen Sammelschubers und eines 140-seitigen Buchs. Zum Test stand uns leider nur die normale Fassung zur Verfügung, weshalb wir keine Angaben darüber machen können, ob sich die Anschaffung der Limited Edition lohnt.

Wiedersehen mit einem alten Bekannten

Optisch und stilistisch orientiert sich die Serie von Animationsstudio A-1 Pictures stark an der ersten Staffel. Das heißt, dass die detaillierten Charaktermodelle und die oftmals sehr weich gezeichneten Hintergründe immer noch ein angenehmes Gesamtbild im bildschirmfüllenden 16:9-Format in der Auflösung von 1080p ergeben. Dadurch, dass die Handlung der zweiten Serienstaffel in der früheren Kaiserresidenz Kyōto stattfindet, spielt das Bild auf der einen Seite auch stark mit klassischer Architektur und verbindet es auf der anderen Seite mit der Architektur des 21. Jahrhunderts. Auch die Animationen können mit ihrer Darstellungsweise punkten, da sie bei allen Charakteren durchaus facettenreich ausfallen. Kombiniert wird das Bild mit einem stimmungsvollen Soundtrack, der sowohl die ruhigen als auch die brenzligen Situationen wunderbar unterlegt. Nicht ganz unschuldig an der sehr dichten Atmosphäre sind die Synchronsprecher sämtlicher Charaktere, die sowohl in der japanischen Originalversion als auch in der deutschen Fassung mit reichlich Charme ihren zugeteilten Figuren jede Menge Leben einhauchen. Allerdings ist darauf hinzuweisen, dass diverse japanische Namen und Begriffe von den deutschen Sprechern falsch ausgesprochen werden. Diese Fehler halten sich jedoch im Rahmen und stören das sonst richtig schöne Erscheinungsbild somit kaum.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Viele Jahre mussten Fans auf der ganzen Welt auf eine Fortsetzung der Anime-Serie Blue Exorcist warten. 2017 lief dann endlich die zweite Staffel über die japanischen Fernsehbildschirme und hat wohl jeden Fan erlöst. Die Story von Blue Exorcist: Kyōto Saga ist, vor allem durch den neuen Handlungsort, sehr interessant und durchweg spannend gestaltet. Sämtliche Charaktere tun ihr Übriges, um die typische Atmosphäre der Serie weiterhin aufrechtzuerhalten. Schade ist nur, dass die zweite Staffel nach all den Jahren keine Einführung bietet, weshalb es anfangs für die nicht ganz so beinharten Fans etwas schwierig oder zumindest ein wenig holprig sein kann, in das Universum zurückzufinden. Nach ein paar Episoden ist diese Hürde jedoch halbwegs genommen und überrascht dann auch mit ein paar wendungsreichen Momenten. Wer die erste Staffel noch nicht gesehen hat, sollte vor dem Anschauen von Blue Exorcist: Kyōto Saga diese unbedingt nachholen – und wer die Seriengrundlagen von Blue Exorcist kennt, darf uneingeschränkt auch bei der zweiten Season zugreifen!

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Blue Exorcist: Kyōto Saga (Vol. 1)!

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