Review: Assassin’s Creed: Odyssey

Kaum eine Serie schafft es so gut wie Assassin’s Creed, historische Settings mit fiktiven Elementen anzureichern und in Videospielwelten zu vereinen. Das antike Griechenland ist ein besonders spannendes Szenario, das sich Ubisoft im neuesten Teil der Reihe zur Brust genommen hat.

Seit dem letzten Ableger Assassin’s Creed: Origins aus dem Jahre 2017 hat sich für Ubisofts Open-World-Erfolgsmarke eine Menge geändert. Insgesamt entwickelt sich die Reihe immer weiter in die Richtung eines Rollenspiels, was an Level-ups und reichhaltigen Ausrüstungsgegenständen zu erkennen ist. Auch liegt der Fokus nicht mehr auf große, in die Vertikale errichtete Städte, die als Grundlage des Kletter-Gameplays herhalten müssen. Assassin’s Creed: Odyssey schafft es in der Breite ein großes Spektrum an eher flachen Welten abzubilden und stellt sich auch inhaltlich ebenso breit auf. Neu sind ebenfalls Dialog-Optionen, die der entweder männlichen oder weiblichen Spielfigur angeboten werden. Das sorgt für deutlich mehr Dynamik bei der Interaktion mit Nicht-Spieler-Charakteren. Im Mittelpunkt steht dieses Mal eine persönliche Familiengeschichte: Auf der Suche nach seinem beziehungsweise ihrem Vater bereisen entweder Alexios oder Kassandra die unglaublich große Spielwelt. Mit ihrem Erzeuger haben sie noch eine Rechnung offen, die in der mindestens vierzig Stunden andauernden Reise beglichen werden will. Dabei treffen sie auch auf historische Figuren, wie zum Beispiel den Philosophen Sokrates. Den Anfang nimmt die Odyssee allerdings noch sehr behutsam auf der kleinen Insel Kefalonia.

Zu Fuß, zu Pferde und zu Wasser

Als ansässiger Söldner ist der Spieler sozusagen die erste Anlaufstelle für Probleme aller Art. Mit kleineren Aufträgen wird der Spieler an die Spielsysteme herangeführt und die verhältnismäßig kleine Insel sorgt dafür, dass er sich zunächst nicht verlaufen kann. Das Griechenland in Odyssey ist von vielen Hügeln und Klippen geprägt, woran das klassische Bewegungssystem der Assassin’s-Creed-Reihe immer noch zur Geltung kommt. Per Knopfdruck hangelt und schwingt sich die Spielfigur mühelos an tödlichen Situationen vorbei, was immer noch sehr beeindruckend aussieht. Sehr schnell gewinnt allerdings das eigene Pferd an Bedeutung, mit dem große Strecken nicht nur in Windeseile zurückgelegt werden, sondern auch noch automatisch dem Straßenverlauf gefolgt werden kann – besonders praktisch für sehr weite Strecken! Die versprengten Inseln werden per Schiff erreicht, dessen Pflege und Mannschaftsaufbau an Assassin’s Creed IV: Black Flag und Assassin’s Creed: Rogue erinnert. Im Gegensatz zum vierten Teil können die Seekämpfe und Schifffahrtspassagen zum größten Teil auch ignoriert werden, falls sie einem nicht gefallen. Zu empfehlen ist das aber nicht: Über die glänzenden Wellen zu reiten und neue Ziele am Horizont auszumachen, beflügeln noch einmal das Abenteuergefühl des Spiels.

Weg des Assassinen

Sobald die Handlung richtig in Fahrt kommt, wird auch das Missionsdesign wieder vertrauter. Im Laufe des Abenteuers rücken immer mächtigere Zielpersonen in den Mittelpunkt, dessen Ableben die Story voranbringt. In Falle von Odyssey sind es zum Beispiel wichtige Generäle des peloponnesischen Krieges. Den historischen Konflikt zwischen Sparta und Athen kann der Spieler geschickt nutzen, um Aufträge beider Seiten anzunehmen und damit den doppelten Reibach zu machen. Die Meuchelmordtaktik ist dabei nur noch ein Weg, sich seit Origins den Feinden zu entledigen. Das neue Kampfsystem, das nun mit leichten und schweren Angriffen, Ausweichmanövern und Kontern ein weiterer Verweise auf das Genre des Action-Rollenspiels ist, wurde für Odyssey noch einmal erweitert. Zwar gibt es keine Schilde mehr, das belohnt allerdings die aggressiveren Spieler und macht die Kämpfe spannender. Das Kampfsystem spiegelt die Charakterentwicklung des Spielers schön wieder: Pro Level-Aufstieg wird ein Fähigkeitspunkt in neue Talente investiert, hinter denen sich zum größten Teil sehr unterschiedliche und tatsächlich neue Angriffe verbergen – und nicht nur kleine Verbesserungen der Spielfigur. Grundlegend lassen sich die Fertigkeiten in Kampf-, Bogen- und Schleichfähigkeiten einteilen, das Herumexperimentieren mit den besten Angriffskombinationen macht dabei eine Menge Spaß.

Level-Wettlauf

Erfahrungspunkte gibt es nicht nur beim Besiegen von Gegnern, sondern auch durch das Bereisen der Spielwelt. Schnell wird klar, dass hinter jedem Fragezeichen auf der Karte einer von mehreren detaillierten Orten auf den Spieler wartet, die allerdings alle mit sehr ähnlichen Aufgaben bespickt sind. Schätze, Banditen oder außergewöhnliche Jagdtiere sind die Klassiker, die es zu Dutzenden zu finden, erledigen und jagen gibt. Wichtig zu erwähnen ist dabei, dass die Umwelt mit dem Spieler aufstuft. Das Gute daran ist, dass auch nach vielen Stunden Spielzeit alte Quests noch einen Reiz besitzen, erledigt zu werden. Unbefriedigend ist hingegen, dass damit die Grundlage des Rollenspielsystems ausgehebelt wird und die eigene Charakter-Progression an Faszination verliert, wenn jeder einfache Soldat fast stets auf Augenhöhe bleibt. Das ist Geschmackssache, ebenso wie die Wahl der Sprachausgabe. Im Englischen sind alle Figuren mit einem starken griechischen Akzent unterwegs, damit der Spieler auch ja nicht vergisst, wo er sich befindet. Die deutsche Synchronisation ist ähnlich gut gelungen. Auf der PlayStation 4 kann die wunderschöne Welt, die zur bisher detailreichsten und vollsten Flora und Faune der Reihe gehört, die etwas langen Ladezeiten entschuldigen,. Wer schon mit Origins seinen Spaß hatte, wird das leicht verbesserte Spielgefühl hier ein weiteres Mal vorfinden.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit (basierend auf der  PlayStation-4-Fassung): Meiner Meinung nach ist die Darstellung des antiken Griechenlands in technischer Hinsicht heraussagend und phänomenal gelungen. Spieler, die Assassin’s Creed: Origins bereits kennen, müssen allerdings aufpassen, dass sich nicht schnell eine Ermüdung aufbaut, denn im Vergleich ist der Wechsel des Szenarios noch der größte Unterschied. Dialogoptionen und das spaßigere Kampfsystem erledigen allerdings auch ihren Teil. Die enorme Spielwelt mit Inhalten zu füllen, ist den Entwicklern zwar auch gelungen, allerdings wiederholen sich die regionalen Aufgaben dann doch zu schnell. Seltsamerweise gilt das nicht für die Schifffahrtspassagen, die immer noch einen großen Reiz versprühen.

Vielen Dank an Ubisoft für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Assassin’s Creed: Odyssey!

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