Review: Attack on Titan – Teil 1: Feuerroter Pfeil und Bogen

Im Jahr 2013 wurde die Anime-Serie Attack on Titan, basierend auf dem Manga von Isayama Hajime, zum ersten Mal im japanischen Fernsehen ausgestrahlt. Nur ein Jahr später wurde die erste Hälfte der ersten Staffel in Kinofilmform in den Lichtspielhäusern Japans gezeigt.

Seit mehr als einhundert Jahren verschanzt sich die Menschheit hinter drei je fünfzig Meter hohen Mauern, um vor den titelgebenden Titanen der Außenwelt in Sicherheit zu sein. Zwar rückt die Garnison immer mal wieder aus, um die äußeren Gebiete zu untersuchen und die Titanen zu bekämpfen, doch scheint die Population ihrer riesigen Gegenspieler keinesfalls zu schrumpfen. Oftmals enttäuscht und in ihrer Truppenstärke dezimiert, kehren die sehr mutigen Soldaten nach Hause zurück. Gleich zu Beginn der Serie beziehungsweise des ersten Films wird somit eine düstere Welt gezeichnet, aus der es offenbar langfristig kein Entkommen gibt. Im Mittelpunkt der Story steht der Protagonist Eren Jäger, der bei einem großflächigen Angriff der Titanen seine Mutter verliert. Gebeutelt durch diese schreckliche Erfahrung, beschließt er fünf Jahre später dem Militär beizutreten, um die Stadt vor den Titanen zu beschützen. Schon kurz darauf kommt es zum nächsten Titanenangriff, an dem nicht nur Eren, sondern auch seine Jugendfreunde Mikasa Ackermann und Armin Arlert teilnehmen. Augenscheinlich wird bei dieser Schlacht Eren getötet, in Wahrheit überlebt er den Kampf jedoch und kehrt in veränderter Form zurück. Aus Spoiler-Gründen wollen wir hier nicht zu sehr ins Detail gehen, da die Geschichte grundsätzlich ganz schön spannend, interessant und wendungsreich ist.

Hinderliche Reduzierung aufs Allernötigste

Leider gelingt es dem Film nicht, diese erwachsene Erzählung dem Zuschauer in tatsächlich würdiger Art und Weise näherzubringen. Wer die Anime-Serie, die Manga-Reihe oder diverse Spiele des Attack-on-Titan-Franchises bisher noch nicht gesehen, gelesen oder gespielt hat, wird sich mit dem ersten Film, der mit dem Untertitel Feuerroter Pfeil und Bogen ausgestattet wurde, nur sehr schwer anfreunden können. Das liegt daran, dass die Handlung innerhalb des exakt 119-minütigen Films auf das Allernötigste reduziert wurde. Selbst Nichtkennern der grandiosen Vorlagen sollte bewusst werden, dass auf diesem Weg bei Weitem nicht alle Handlungsstränge Beachtung finden und auch nicht jeder Charakter ausgiebig vorgestellt werden kann. Vor allem Nebencharaktere, die mitunter starke Persönlichkeiten sind, bleiben im Film eher blasse Statisten, die zu plötzlich auftreten und zu schnell verschwinden. Somit ist die Essenz von Feuerroter Pfeil und Bogen kaum greifbar. Optisch funktioniert der Film, wie schon die Anime-Serie, im bildschirmfüllenden 16:9-Format bei der Auflösung von 1080p mit Hintergründen, Animationen und Charaktermodellen hingegen hervorragend, da die meisten Elemente und Szenen eins zu eins übernommen wurden. Akustisch wurden die häufig neu zusammengeschnittenen Szenen mit packender Musik unterlegt, sodass es auch hier stets atmosphärisch bleibt. Auch die deutschen und japanischen Synchronsprecher punkten.

Kurz gefasster Film für hartgesottene Fans

Wer auf ausgiebiges Bonusmaterial hofft, das durchaus Platz auf dem Datenträger gehabt hätte, wird leider enttäuscht. Kazé Anime versäumt es, Interviews mit Mitarbeitern des Wit Studios, ein Making-of und Co auf die Datenträger zu packen. Gerne hätten wir erfahren, warum sich die Mitarbeiter für bestimmte Darstellungsweisen entschieden oder warum sie gerade die eine oder andere Szene, die Fans der Anime-Serie im Gedächtnis geblieben sind, aus dem Film gestrichen haben. In der uns zur Verfügung stehenden Verkaufsfassung lag nur ein Poster, das dem Filmcover entspricht, bei. Käufer der Limited Edition kommen zusätzlich in den Genuss eines 56-seitigen Booklets. Da uns das Heftchen nicht zum Testen vorlag, ist es uns nicht möglich, euch hierzu unseren Eindruck zu vermitteln. Die Booklets der einzelnen Volumes der Anime-Serie waren jedoch stets knapp bemessen, weshalb 56 Seiten durchaus vielversprechend sind und das Büchlein so möglicherweise Informationen bietet, die die Lücken in der im Film viel zu kurz gefassten Erzählung schließen. Unterm Strich eignet sich Attack on Titan – Teil 1: Feuerroter Pfeil und Bogen nur für die härtesten Fans, die die Story in- und auswendig kennen und vor dem Ansehen der zweiten Staffel noch einmal alle wichtigen Fakten aufs Nötigste runtergebrochen rekapitulieren wollen. Wer noch nie Attack on Titan gesehen hat, sollte lieber zur fantastischen und auf vier Volumes aufgeteilten Anime-Serie greifen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Attack on Titan funktioniert als Anime-Serie wirklich hervorragend, denn die Geschichte kann dort in angenehmer und in angemessener Weise erzählt werden. Das Reduzieren auf das Allernötigste ist in Filmform nicht immer möglich – und Attack on Titan – Teil 1: Feuerroter Pfeil und Bogen ist ein sehr gutes Beispiel dafür. Natürlich ist die Rahmenhandlung von vorne bis hinten nachvollziehbar, aber es fehlt häufig an hilfreichen Details zum Verständnis. Auch Nebenhandlungsstränge und -figuren kommen zu wenig zur Geltung und fühlen sich, sofern sie greifbar sind, nur wie unnötiger Ballast an. Eine etwas längere Laufzeit hätte Wunder bewirkt und grobe Schnitzer korrigiert. Nichtkennern des Franchises ist der Film somit keinesfalls zu empfehlen. Diese sollten lieber mit der ersten Staffel beginnen, die sich in 25 Episoden genug Zeit lässt, um Attack on Titan zu dem Genuss zu machen, der es eigentlich ist. Wer jedoch sehnsüchtig auf die zweite Staffel wartet und die Ereignisse in komprimierter Form noch einmal erleben will, kann sicherlich auch mit Feuerroter Pfeil und Bogen einen angenehmen Filmabend erleben.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Attack on Titan: Teil 1 – Feuerroter Pfeil und Bogen!

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