Review: Moonlighter

Bereits im Mai 2018 konnte das spanische Entwicklerstudio Digital Sun unter der Flagge des polnischen Publishers 11 Bit Studios das Action-Adventure Moonlighter veröffentlichen. Mit mehr als einem halben Jahr Verspätung reichten die Entwickler die Switch-Fassung nach.

In Moonlighter schlüpfen wir in die Rolle des angehenden Händlers Will, der im verschlafenen Nest Rynoka seinem Tagewerk nachgeht. Seine Karriere steckt zu Beginn des Spiels noch in den Kinderschuhen, weshalb es unsere Aufgabe ist, den jungen Kaufmann zu unterstützen. Da passt es umso besser, dass in der Nähe von Rynoka mysteriöse Tore aufgetaucht sind, die an noch geheimnisvollere Orte locken. Hierbei handelt es sich um so genannte Dungeons, die weitgehend nach dem Zufallprinzip aufgebaut sind. Kaum haben wir einen Dungeon betreten, der zum Beispiel einem Kerker oder einem Sumpf nachempfunden ist, müssen wir uns durch das Gebiet schlagen und dabei gegen zahlreiche Gegner kämpfen. Besiegte Monster hinterlassen zwar keine Goldmünzen oder Erfahrungspunkte, dafür aber eine ganze Menge verschiedener Gegenstände. Diese landen in unserem arg begrenzten Inventar und können nach Verlassen des Dungeons in unserem Laden den Kunden feilgeboten werden. Neben den Dungeons ist der Laden der zweite wichtige Aspekt des Spiels, denn sobald wir diesen am Morgen eines Tages für die liebe Kundschaft öffnen, strömen mal mehr und mal weniger interessierte Käufer hinein. Mit dem eingenommenen Geld und gesammelten Materialien können wir bessere Ausrüstung beim Schmied kaufen – und uns so abermals den Gefahren der Dungeons stellen.

Erkundungsdrang und Geldgier

An dieser Stelle schließt sich der Kreislauf von Moonlighter zwar, doch gibt es noch weitere Inhalte, die im Spiel stecken. Einerseits müssen der Schmied und weitere Dorfbewohner erst einmal gegen bestimmte Beträge nach Rynoka gelockt werden und andererseits können wir auch unseren Laden mit der Zeit immer weiter ausbauen, um noch mehr Waren gleichzeitig zu verkaufen und mehr Kundschaft zu bedienen. Dass ein florierendes Geschäft auch unliebsame Gäste wie Ladendiebe anlockt, ist der negative Nebeneffekt der Expansion. Es zeigt aber nur, wie viele kleine Details in Moonlighter stecken. Beispielsweise kann auch das Mobiliar leicht überarbeitet werden, sodass zufriedene Kunden auch gerne mal ein Trinkgeld bezahlen, wodurch unser Betrieb noch weiter wachsen kann. Da wir uns aber nicht auf den Lorbeeren ausruhen dürfen, müssen wir uns auch schon mal nachts in die Dungeons wagen, um gegen stärkere Monster zu kämpfen und bessere Materialien aufzusammeln. Überheblichen Händlern beziehungsweise Abenteurern wird allerdings schnell die Quittung präsentiert: Sollte Will im Kampf das Zeitliche segnen, können wir den Dungeon in einer neu zusammengestellten Raumaufteilung zwar von vorne beginnen oder gar direkt nach Rynoka zurückkehren, doch bis auf eine Handvoll Materialien sind sämtliche Items unwiderruflich verloren.

Aufstieg und Fall eines Händlers

Wer in Moonlighter zu gierig ist, zumal in den tieferen Ebenen der Dungeons stärkere Feinde und somit bessere Items warten, wird unverzüglich dafür bestraft. Zum Glück kann sich Will jederzeit zurück nach Rynoka teleportieren, sofern er drei Sekunden lang nicht attackiert wird. Damit vermittelt Moonlighter weitgehend ein faires Spielgefühl. Nur in seltenen Momenten, wenn Will beispielsweise von einem halben Dutzend kleinerer Gegner umzingelt, von einem Feind an Ort und Stelle festgehalten und noch von zwei Schützen aus der Ferne aufs Korn genommen wird, könnten wir dem Spiel den fehlenden Sportsgeist vorwerfen, zumal es in den ersten Spielstunden gefühlt ewig dauert, bis die erste halbwegs taugliche Rüstung zusammengebastelt ist. Dennoch erzeugt das Spiel ähnlich wie The Binding of Isaac: Rebirth schnell eine Suchtspirale, in der wir uns gerne verlieren. Das liegt vor allem auch an dem interessanten Konzept, den Materialien und an der selbstbestimmten Preisfestlegung der handwerklich zusammengestellten Waren bei den Nicht-Spieler-Charakteren. Stets müssen wir darauf achten, welche Reaktion wir mit einem Preis bei den Käufern erzielen. Bei zu günstigen Angeboten glitzern die Augen der frohen Interessenten, horrende Preise vergraulen hingegen die Kundschaft. Der Preis kann glücklicherweise jederzeit, auch während der Öffnungszeiten, angepasst werden.

Schöne Kulisse trotz Abwechslungsarmut

Trotz des teilweise immensen Spielspaßes, den Moonlighter beschert, kann der auf Dauer zu repetitive Spielverlauf nicht kaschiert werden. Es gibt eine viel zu geringe Varietät der einzelnen Räume in den Dungeons, sodass trotz unterschiedlichen Aufbaus sich bestimmte Merkmale einfach zu schnell wiederholen. Das liegt natürlich auch daran, dass alleine schon die ersten beiden Ebenen des ersten Dungeons in den frühen Spielstunden dutzende Male in Angriff genommen werden müssen, damit sich außerhalb des mit Monstern verseuchten Gebiets Progression einstellt. Hier hätten wir uns deutlich mehr Abwechslung gewünscht, damit der Ausflug in die zufallsgenerierten Gebiete spannender wäre. Immerhin kann der Grafikstil, der an Game-Boy-Advance-Spiele wie The Legend of Zelda: The Minish Cap oder Golden Sun erinnert, durchaus zufriedenstellen und zumindest zu einem Teil die wenig verspielten Level-Strukturen vergessen lassen. Für einen Indipendent-Titel durchaus überraschend ist außerdem die Musik aus den Federn von David Fenn und Pablo Caballero. Sowohl dunkle Katakomben als auch warme Gebiete werden mit den richtigen Tönen sehr stimmungsvoll untermalt. Wer sich davon selbst überzeugen will, kann dem Soundtrack auf dem Youtube-Kanal von Fenn lauschen. Unterm Strich ist Moonlighter ein schickes Spiel geworden, dem höchstens ein wenig mehr Abwechslung gut getan hätte, sonst aber durchweg stundenlang überzeugen kann.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-Fassung): Moonlighter lässt mich in die Rolle eines Händlers und Abenteurers schlüpfen. Das ist im Videospielsektor zwar bereits das eine oder andere Mal vorgekommen, doch kein Spiel hat mich bisher in genau dieser Disziplin so stark in seinen Bann gezogen, wie es Moonlighter schafft. Trotz der repetitiven Aufgaben und dem oftmals sehr ähnlichen Level-Aufbau macht es mir dennoch Spaß, mich immer und immer wieder aufs Neue in die mit stimmungsvoller Musik unterlegten Dungeons zu stürzen, ständig neue Materialien zu sammeln, mir eine bessere Ausrüstung zusammenzustellen und schließlich meinen Laden auszubauen. Einzig und allein das viel zu stark limitierte Inventar und der anfangs kaum spürbare Fortschritt stoßen mir bei Moonlighter dann doch sauer auf. Wer mit den negativen Aspekten des Spiels jedoch leben kann, wird so schnell keinen vergleichbaren Titel im Download-Angebot der Switch und darüber hinaus entdecken können.

2 Kommentare zu “Review: Moonlighter

    • @TiraMizu
      Stimmt, das Design erinnert entfernt an The Legend of Zelda: The Minish Cap. Persönlich hat mich die Innenarchitektur des Ladens auch an Golden Sun erinnert.

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