Review: Sinbad: Die Abenteuer des jungen Sinbad (Trilogie)

1975 ging der kleine Junge Sinbad im japanischen Fernsehen auf große Fahrt. Mehr als vier Jahrzehnte später wird dem mutigen Abenteurer mit einer Filmtrilogie gewürdigt, die mit einer ähnlichen Verzögerung in Deutschland eintrifft, wie damals bei der Anime-Serie.

Am Szenario hat sich grundsätzlich nichts geändert, denn nach wie vor erzählt die Filmreihe von den Abenteuern des titelgebenden Sinbad. Bei Sinbad handelt es sich um einen kleinen Jungen, der mit seiner Mutter in Bagdad in Armut lebt. Sinbads Vater, ein Seemann, ist vor vielen Jahren in See gestochen und seither nicht zu seiner Familie zurückgekehrt. Er möchte in die Fußstapfen seines Vaters treten und ebenfalls die Segel setzen. Also beschließt der kleine Sinbad, seiner Mutter „Lebewohl“ zu sagen, auf einem Schiff anzuheuern und in fernen Gefilden Abenteuer zu erleben. Sein erstes Abenteuer beginnt jedoch schon bevor er auch nur einen Fuß aufs Schiff gesetzt hat. In den Straßen von Bagdad trifft er auf ein mysteriöses Mädchen, das mit einem fliegenden Pferd abstürzt und plötzlich von gerissenen Halunken auf fliegenden Teppichen verfolgt wird. Das Mädchen aus den Augen verloren, landet Sinbad über kurz oder lang auf einem Schiff – dort wird er zu allem Übel auch noch seekrank, träumt von seiner Mutter und von besagter Dame. Wie dieses in der zweiten Hälfte des ersten der drei Filme in den Mittelpunkt der Handlung gerückt wird, soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Dennoch sei gesagt, dass hier der Charakter der Erzählungen aus Tausendundeine Nacht wie schon in der Anime-Serie der 1970er-Jahre wirklich wunderbar eingefangen wird.

Magie aus Tausendundeine Nacht

Nicht nur der Film „Die Prinzessin auf dem fliegenden Pferd“ erreicht eine emotionale Tiefe, sondern auch das zweite Werk „Die magische Wunderlampe“. Dieses knüpft an den ersten Film an und führt die Geschichte fort. Nachdem die Crew um Kapitän Razzak in einen Sturm geraten ist, müssen sie zwangsweise einen Hafen ansteuern und Reparaturen am Schiff durchführen. Hier wird Sana, das neueste Crew-Mitglied, auf eine harte Probe gestellt. Als Abkömmling einer Zaubererfamilie soll sie die Arbeiten für die anderen erleichtern. Eine Bitte, die sie jedoch kommentarlos ablehnen muss. Wieder sehtüchtig, landen Sinbad und Co auf einer Insel, auf der sie mit einer Wunderlampe und einem im wahrsten Sinne des Wortes riesigen Problem konfrontiert werden. Der dritte und damit letzte Film der Trilogie, der auf den Namen „Das wundersame Tor“ getauft wurde, knüpft an den vorherigen Part an und bringt die Geschichte zu einem Ende. Die Erzählung benutzt hier den Kniff der Schachtelgeschichte, wie es auch bei Tausendundeine Nacht der Fall ist. Unter anderem erfährt der Zuschauer hier mehr über die Vergangenheit von Sana. Was es mit dem magischen Tor auf sich hat, wird im Film natürlich auch verraten. Schade ist nur, dass die Abenteuer des jungen Sinbad damit enden. Digitales oder physisches Bonusmaterial gibt es bei der Veröffentlichung ebenso nicht.

Malerisches Abenteuer für Jung und Alt

In visueller Hinsicht können alle drei Filme in der Auflösung von 1080p im bildschirmfüllenden 16:9-Format mit schönen Charakterzeichnungen glänzen. Sie erinnern stark an Anime-Filme und -Serien der letzten Jahrzehnte und sorgen vor allem bei älteren Zuschauern für nostalgische Gefühle. Zudem sind die Figuren ausreichend animiert, sodass die Hintergründe vor allem beim Seegang stets mit Bewegungen angereichert werden. Auch das unruhige Meer und der Einsatz von Nebel werden mit technischen Mitteln so umgesetzt, dass dem Zuschauer ein authentisches Gefühl einer Seefahrt vermittelt wird. Musikalisch setzen die Filme im Übrigen nicht auf orientalische Klänge und zertrümmern absichtsvoll ein Klischee nach dem anderen. Der Soundtrack von Ōno Hiroaki im Tonformat DTS-HD Master Audio 5.1 weckt mit seinem ganz eigenen Stil viel deutlicher die Lust auf Abenteuer und erinnert mit der Musik sehr viel stärker an japanische Rollenspiele der 2000er-Jahre. Auf der Blu-ray Disc ist sowohl der japanische Originalton als auch die deutsche Synchronisation für alle drei Filme enthalten. Beide Tonspuren warten interessanterweise mit weniger bekannten Sprechern auf, wodurch die Abenteuer sehr frisch wirken. Schade nur, dass die japanische Synchronisation nur mit deutschen Untertiteln abspielbar ist. Dies ist aber nur der kalte Tropfen auf den heißen Stein, denn in sonstigen Belangen können alle drei Geschichten wunderbar in ihren Bann ziehen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Die Trilogie Sinbad: Die Abenteuer des jungen Sinbad erzählt drei fantastische Geschichten über einen jungen Seefahrer und seinen Freunden. Dabei erleben sie zahlreiche Abenteuer auf dem Meer und auf verwunschenen Inseln, die mit Elementen aus der Geschichtensammlung Tausendundeine Nacht verwoben sind. Mit fliegenden Teppichen, einer Wunderlampe und Zauberei gelingt es den Filmen sehr gut, durchweg in ihren Bann zu ziehen. Vor allem jene Anime-Fans, die mit dem Zeichenstil neuerer Werke nicht konform gehen, werden mit den drei Filmen wirklich ihren Spaß haben. Alle drei Filme eignen sich zudem für jede Altersgruppe, denn während jüngere Zuschauer einfach von der Magie der Filmkunst und von den Abenteuern überwältigt werden, dürfen sich ältere Semester über viele nostalgische Gefühle freuen. Aufgrund dessen dass jeder Film circa fünfzig Minuten unterhält, fühlen sich die Abenteuer nicht im Geringsten ermüdend an und können wunderbar aufgeteilt an mehreren Nachmittagen oder Abenden gesehen werden. Sinbad: Die Abenteuer des jungen Sinbad ist in jedem Falle eine gut angelegte Investition!

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Sinbad: Die Abenteuer des jungen Sinbad (Trilogie)!

 

Ein Kommentar zu “Review: Sinbad: Die Abenteuer des jungen Sinbad (Trilogie)

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