Review: Superliminal

Seit Menschengedenken beschäftigen wir uns mit Träumen. Bewusst und unterbewusst erleben wir sie in unterschiedlicher Intensität. An die wenigsten erinnern wir uns im Nachhinein. Superliminal wird uns mit seinem Traumszenario allerdings langfristig im Gedächtnis bleiben.

Auch wenn das Spiel nicht den Anschein macht, blickt Superliminal auf eine etwas längere Entwicklungsgeschichte zurück. Bereits 2013 entwarf Director Albert Shih erste Ideen, die noch im selben Jahr auf der Tōkyō Game Show im Rahmen einer spielbaren Demo der Öffentlichkeit präsentiert wurden. Aufgrund seines Studentenstatus und der damit verknüpften finanziellen Lage, die Nebenjobs unumgänglich machte, zog sich die Entwicklung über ein paar Jahre hin. Im November 2019 wurde Superliminal zunächst zeitexklusiv für den PC im Epic Store veröffentlicht. Mehr als ein halbes Jahr später wurde der Titel im Juli 2020 für die PlayStation 4, die Xbox One und auch die Nintendo Switch endlich nachgereicht. Das Puzzle-Spiel von Entwicklerstudio Pillow Castle beschäftigt sich mit dem Traumzustand einer nicht näher definierten Testperson. Aus den Augen dieses Charakters erleben wir in dessen Traum eine Aneinanderkettung von konsekutiven Ereignissen, die jedoch keinen kausalen Zusammenhang bilden. Mit diesem Ansatz trifft das Entwicklerteam um Shih genau ins Schwarze, denn auch in der Realität zeigen Träume Erlebnisse, die in der Wirklichkeit so niemals stattfinden können. Superliminal erzählt hierbei allerdings keine Geschichte, sondern stellt uns stattdessen vor diverse Herausforderungen in Form von unverbraucht wirkenden Logikrätseln.

Optische Täuschungen

In den ersten Minuten von Superliminal reicht es noch völlig aus, mit Hilfe des stets in der Bildschirmmitte zentrierten Fadenkreuzes Gegenstände zu packen, zu verschieben oder auf Schalter am Boden zu legen, um etwa eine Tür geöffnet zu halten. Mit ansteigender Spielzeit werden die Aufgaben aber wesentlich kniffliger, was vor allem mit der Rätselmechanik zusammenhängt. Diese trotzt den physikalischen Gesetzen, sodass wir mit etwas Geschick Objekte vergrößern oder schrumpfen können. Wenn wir Richtung Decke schauen und den besagten Gegenstand loslassen, fällt dieser hinunter und wächst im freien Fall auf eine stattliche Größe an. Andersherum können wir Items schrumpfen, wenn wir zum Boden schauen und sie direkt vor uns positionieren. Das klingt im ersten Moment ziemlich albern, ist in Wahrheit jedoch sehr, sehr clever. Superliminal spielt in seinen Rätseln wie kein anderes Spiel mit dem Konzept der optischen Täuschung. Was weiter weg zu sein scheint, ist natürlich wesentlich größer, wenn wir uns nähern – und was direkt vor unserer eigenen Nase liegt, ist und bleibt vergleichsweise winzig. So und nicht anders basteln wir uns beispielsweise Treppen, um zum Ausgang des Raumes zu gelangen. Dies ist jedoch nur ein einzelner Aspekt des Gameplays. Superliminal bietet noch sehr viel mehr und vor allem abwechslungsreiche Möglichkeiten.

Alles eine Frage der Perspektive

Hin und wieder scheinen Objekte mitten im Raum zu stehen, sind jedoch nur an Boden, Wänden, Säulen und anderen Teilen der Architektur aufgemalt. Hier müssen wir die richtige Perspektive finden, um dem Objekt eine greifbare Form zu geben. Manchmal ist es auch notwendig, Gegenstände zu verdoppeln. Auch mehrfaches Klonen ist möglich und sogar gewollt, um beispielsweise einen Aufgang zu bauen. An anderer Stelle müssen wir in Superliminal wiederum Türen umpositionieren, um einem Labyrinth zu entkommen. Da sich die Größe der Tür auch auf das Volumen des Raumes dahinter auswirkt, sind das ganz und gar liebevolle Physikspielereien. An diesen gibt es nur selten etwas zu rütteln – und wenn, dann ist auch nur die gelegentlich etwas fummelige Steuerung daran schuld. Besonders das Verändern der Größe der Objekte treibt uns zur Weißglut. Ebenfalls schade ist, dass die Nintendo-Switch-Fassung mit einer leicht stotternden Bildwiederholungsrate läuft. Das beeinträchtigt das Gameplay zwar nicht, doch wem ein flüssiges Spielvergnügen wichtig ist, sollte bei Möglichkeit zur PC-Version greifen. Untermalt wird das Geschehen weitgehend mit angenehmen Klavierklängen. Besonders gelungen ist das Sounddesign, denn wenn eine überdimensional große Schachfigur auf den Boden knallt, ist das lauter, als wenn wir einen Miniaturwürfel vor uns fallen lassen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-Fassung): Superliminal ist ein Puzzle-Spiel, das sein Potenzial an nahezu jeder Stelle ausreizt. Sämtliche Logikrätsel funktionieren, auch wenn sie nicht immer auf Anhieb zu durchschauen sind. Es macht mir unglaublich viel Spaß, einen Raum nach Hinweisen abzusuchen, mit den vorhandenen Objekten zu interagieren und eine Physikspielerei mehr als nur einmal über mich ergehen zu lassen – schließlich muss das Puzzle irgendwie zu lösen sein! Unterm Strich fällt Superliminal aber sehr kurz aus. Nach zwei bis drei Stunden dürfte bei jedem der Abspann über den Bildschirm flitzen. Diese Zeit ist mit dem anspruchsvollen Gameplay in meinen Augen aber unglaublich gut und dank vieler verschiedener optischer Täuschungen zudem abwechslungsreich gefüllt. Lediglich die leicht stotternde Bildwiederholungsrate der Nintendo-Switch-Fassung und die etwas fummelige Bedienung beim Vergrößern der Gegenstände fallen mir persönlich aber zu negativ auf.

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