Review: Fire Emblem: Shadow Dragon & the Blade of Light

Am 20. April 1990 erschien in Japan das Strategie-Rollenspiel Fire Emblem: Shadow Dragon & the Blade of Light. Obwohl wir den Titel im Jahr 2008 als Nintendo-DS-Remake erhielten, kam das Original hierzulande erst dreißig Jahre nach der Erstveröffentlichung auf den Markt.

Beinahe wäre Fire Emblem: Shadow Dragon & the Blade of Light nie in der Form erschienen, die wir heute kennen. Ursprünglich war das Spiel als Dreingabe für ein Dōjinshi, sprich einem Magazin für ein begrenztes Publikum mit einem gewissen Interessenschwerpunkt, geplant. In der Retrospektive können wir uns jedoch glücklich schätzen, dass es dazu nicht gekommen ist und Entwicklerstudio Intelligent Systems den Grundstein für eine bis heute beliebte Strategie-Rollenspielserie legte. Auch wenn Spieler außerhalb Japans erst in den 2000er-Jahren in den Kontakt mit der Reihe kamen, ist im ersten Serienteil das grundsätzliche Szenario gut zu erkennen. Im Fokus der Handlung steht der für Fantasy-Szenarien bekannte Konflikt zwischen Gut und Böse. So schlüpfen wir von der ersten Minute an in die Haut von Prinz Marth, der sich als Flüchtling zunächst auf der Insel Talys mit Piraten herumschlagen muss. Innerhalb von insgesamt 25 Kapiteln steigt er nach und nach zum Helden des Kontinents Akaneia auf und muss sich im Finale mit dem titelgebenden Schattendrachen messen. Erzählt wird die Geschichte untypisch für Rollenspiele der späten 1980er- und frühen 1990er-Jahre vor, während und nach dem Kampf auf dem Schlachtfeld. Ausufernd oder tiefgründig sind die meisten Dialoge zwar nicht, doch geben uns die Gespräche mit Königen und Dorfbewohnern viele Hintergrundinformationen, mit denen wir ins Setting abtauchen können.

Grundstein der Fire-Emblem-Serie

Mit der Zeit gewöhnen wir uns schnell an das ungewöhnliche Storytelling und verlieren uns peu à peu in den Konflikten der Spielwelt, die wir mit Hilfe von über fünfzig verschiedenen –  und viel wichtiger noch – spielbaren Charakteren bewältigen können. Wer bereits eine der späteren Episoden der Fire-Emblem-Reihe gespielt hat, wird sich im Seriendebüt weitgehend zurechtfinden. In bekannter Strategie-Rollenspielmanier ziehen wir Runde für Runde unsere Einheiten über das Schlachtfeld. Hat jede unserer Figuren ihren Zug gemacht, ist der Gegner an der Reihe. Begegnen sich im Verlauf der Partie zwei Einheiten, bekämpfen sie sich in automatisch ablaufenden Kämpfen, bei denen wir vorab nur die jeweilige Waffe für unseren Recken wählen. Hier geht der Charakter siegreich oder zumindest weniger stark verwundet aus dem Kampf hervor, der über die besseren Statuswerte verfügt. Diese hängen einerseits von der Klasse ab, von denen es im ersten Teil rund zwanzig gibt. Bogenschützen können beispielsweise sicher aus der Ferne angreifen, werden im Nahkampf vom Feind aber sehr schnell auseinandergelegt. Gepanzerte Einheiten halten zwar viel aus, bewegen sich aber nur sehr träge übers Schlachtfeld. Andererseits erhalten alle Charaktere, die im Kampf angreifen, Erfahrungspunkte. Einhundert Punkte reichen aus, damit die Werte dank Level-up ansteigen.

Viel rechnen, wenig entspannen

Da es sich bei Fire Emblem: Shadow Dragon & the Blade of Light um den ersten Serienteil handelt, fehlen einige Features und Komfortfunktionen späterer Ableger. Beispielsweise gibt es noch nicht das berühmt-berüchtigte Waffendreieck, bei dem mit Äxten bewaffnete Krieger den Einheiten mit Schwertern unterlegen sind. Ebenfalls ist uns nicht gleich ersichtlich, wie weit unsere Charaktere übers Feld ziehen können. Während dieser Bereich in Spielen wie Fire Emblem: Three Houses blau markiert ist, sobald wir eine Einheit auswählen, müssen wir im Seriendebüt den Cursor bis zu seiner unsichtbaren Grenze bewegen, um die maximale Bewegungsreichweite herauszufinden. Alternativ schauen wir im Status der jeweiligen Figur nach, doch das müssen wir für jede einzelne Einheit und für jeden einzelnen Gegner separat und unabhängig voneinander herausfinden. Ähnlich sieht es auch in den Kämpfen aus. Wenn wir einen Angriff starten, wissen wir nicht, ob dieser überhaupt trifft. Auch wie viel Schaden der nächste Schlag ausrichten wird, ist so nicht ersichtlich. Alles müssen wir selbst ausrechnen. Wollen wir den Titel also professionell spielen, sollten wir altmodisch mit Stift und Papier bewaffnet vor dem Fernseher sitzen. Unter nostalgischen Gesichtspunkten können wir dem Strategie-Rollenspiel viel verzeihen. Seine Nachfolger machen aber so ziemlich alles besser.

Besonderheiten der Switch-Fassung

Ein wichtiges Merkmal der Reihe wurde bereits in Fire Emblem: Shadow Dragon & the Blade of Light integriert. Gemeint ist damit der so genannte Permadeath. Sobald eine unserer Einheiten im Krieg fällt, ist sie für den Rest des Spiels nicht mehr einsatzbereit. Da es regelmäßig neuen Nachschub an Charakteren gibt und die Verbundenheit zwischen Spieler und Spielfigur nicht ganz so ausgeprägt ist wie in späteren Ablegern, ist das zwar nicht ganz so tragisch, für Puristen aber womöglich ein Dorn im Auge. Gespeichert werden kann nur vor einer Schlacht, mittendrin gibt es nur das temporäre Schnellspeichern. Wer das Spiel nicht auf der Original-Hardware auf Japanisch spielen will, kann sich auch auf die rein auf Englisch lokalisierte Version auf der Switch stürzen. Diese verfügt über ein separates Menü, das erfreulicherweise ins 8-Bit-Gewand gehüllt ist und sich nahtlos ins Spiel fügt. Über das Menü können wir Lesezeichen anlegen, angelegte Lesezeichen aufrufen oder sogar die letzte Runde zurückspulen, sollte ein liebgewonnener Charakter ausgeschieden sein. Das ist eine nette Ergänzung und macht den Einstieg für Anfänger deutlich leichter. Dennoch richtet sich der Titel in erster Linie an Retro-Fans denn an Liebhaber des Franchises. Letztere werden zu viel vermissen, was die Serie später etabliert hat. Fragwürdig ist auch, warum Nintendo das Spiel laut unseren Informationen zum Testzeitpunkt am 5. Dezember 2020 nur bis zum 31. März 2021 anbieten will. Danach verschwindet der Klassiker, zumindest vorerst, aus dem eShop.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-Fassung): Als Fan der Reihe konnte ich es mir selbstverständlich nicht nehmen lassen, die ursprüngliche 8-Bit-Version von Fire Emblem: Shadow Dragon & the Blade of Light auszuprobieren. Dem Strategie-Rollenspiel-Genre gab das Spiel 1990 neue Impulse und definierte die eigene Reihe maßgeblich. Im Grunde bietet der Titel interessante Charaktere, eine spannende Story und hitzige Kämpfe. Allerdings wird mir davon nichts auf dem Silbertablett serviert. Alles muss ich mir selbst erarbeiten. Während mir das Aufsuchen von Dörfern, Schlössern und Blockhütten und der anschließende Plausch mit Bewohnern der Spielwelt noch Spaß macht, ist es meiner Meinung nach, zumindest aus heutiger Sicht, regelrecht eine Zumutung, den Ausgang eines Kampfes in doppelter oder gar dreifacher Ausführung selbst im Kopf oder mit Stift und Papier zu berechnen. Da helfen auch die gut gemeinten Komfortfunktionen, sprich die Verwendung von Lesezeichen und die Option zum Zurückspulen der letzten Runde, nur sehr wenig. Wer den Ursprung des Franchises einmal mit der Nostalgiebrille erkunden will, darf ruhig einen Blick riskieren. Mit den späteren Serienteilen kann es Fire Emblem: Shadow Dragon & the Blade of Light aber nicht aufnehmen, da sich die Reihe in über dreißig Jahren einfach zu sehr weiterentwickelt hat.

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Fire Emblem: Shadow Dragon & the Blade of Light!

2 Kommentare zu “Review: Fire Emblem: Shadow Dragon & the Blade of Light

  1. Die Erläuterung von Dōjinshi mag so, wie sie da steht, zwar nicht falsch sein, dennoch würde ich es eher als einen „von Fans gezeichneten, inoffiziellen Manga“ bezeichnen. ^^

    • @TiraMizu
      Vielen Dank für deinen Kommentar. Soweit ich das damals mal in Erfahrung gebracht habe, können zu Dōjinshi auch Light Novels oder gar Anime gehören. Zur Ausführung meiner Definition möchte ich noch ergänzen, dass ich mich strikt an die Übersetzung der drei Kanji, aus denen der japanische Begriff zusammengesetzt ist, gehalten habe. Auch wenn viele Dōjinshi sicherlich Manga sind, würde ich selbst dann eher den Terminus der Fan-Magazine/Fanzines aufgreifen. Im Endeffekt kann dieses Geheimnis aber wohl nur Intelligent Systems selbst lüften, denn zu welchem Dōjinshi das erste Fire Emblem beigelegt werden sollte, konnte ich in meiner Recherche leider nicht herausfinden. Da es mittlerweile auch genug Dōjinshi zu Fire Emblem gibt, erschwert das die Recherche leider stark.

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