Review: Detektiv Conan (Box 9, Episoden 231–254)

Im Juli 2019 schickte Publisher Kazé Anime den titelgebenden Ermittler in die neunte Runde. Dieses Mal erwarten den kleinen Detektiv Conan mehrere Abenteuer, die zum Teil miteinander verzahnt sind, die eigentliche Rahmenhandlung aber gewohnt nur bedingt vorantreiben.

Während der Übergang von der siebten zur achten Volume der Anime-Serie Detektiv Conan mit einem fulminanten Cliffhanger inszeniert wurde, fehlte ein solcher Einstieg in der neunten Serienbox. Das ist aber nicht sonderlich schlimm, da das Werk des japanischen Animationsstudio TMS Entertainment ansonsten nur innerhalb mehrteiliger Fälle auf dieses Konzept setzt. Dennoch enthält die vorliegende Box diverse Episoden, die sich vermutlich noch stark auf die eigentliche Rahmenhandlung auswirken werden. Beispielsweise tritt während eines Ausflugs in eine Arcade-Halle Mōri Rans und Suzuki Sonokos neue Englisch-Lehrerin Jodie Saintemillion erstmals in dieser Rolle in Erscheinung, die sich zugleich ein lustiges Wortduell auf Englisch mit Inspektor Megure Jūzō liefert, was selbst in der deutschen Fassung die Aussprachehürden beider Ethnien unterstreicht. Wenige Episoden später entpuppt sich die Lehrerin als wiederkehrende Figur, denn während Professor Agasa Hiroshi mit den Detective Boys in einem Bus auf dem Weg in den Ski-Urlaub ist, steigt sie etwa zeitgleich mit anderen dubiosen Gestalten hinzu. Bei Haibara Ai sorgt das für ein derart heftiges Angstgefühl, dass sie sich gar mehr rühren kann. Was genau hinter dem Auftreten von Frau Saintemillion steckt, soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Es sei nur so viel gesagt, dass sie in einer früheren Folge der Anime-Serie schon einmal in Erscheinung getreten ist und in Zukunft wohl auch häufiger zu sehen sein wird. Aufmerksame Fans dürften aber ohnehin wissen, worauf das hinausläuft.

Von Dieben und Meerjungfrauen

Einmal mehr zu sehen ist in der neunten Serienbox der Phantomdieb Kaitō Kid, der bei diesem Auftritt aber wesentlich präsenter ist. Jene Zuschauer, die die äußerst kurzen und genau genommen rar gesäten Auftritte des Diebs in Detektiv Conan bisher für zu kryptisch hielten, dürften sich darüber freuen, dass der Charakter ein wenig mehr Gewicht erhält und mit einer seichten Hintergrundgeschichte tiefgründiger dargestellt wird. Trotzdem taucht er so schnell auf wie er im Anschluss auch wieder verschwindet. Wer mehr über Kaitō Kid erfahren will, kommt um die Spin-offs wie einer ganzen Anime-Serie also nicht herum. Dennoch gehört das erste Aufeinandertreffen von Kuroba Kaito und Kudō Shin’ichi, das zunächst selbstverständlich über einen Rückblick abläuft, zu den einprägsamsten Augenblicken im Leben der beiden Talente. Erneut mit an Bord sind auch der Detektiv Hattori Heiji und seine Freundin Tōyama Kazuha. Shin’ichis respektive Conans Freund aus Ōsaka ist bei einem Fall auf der mysteriösen Insel Bikuni auf dessen Hilfe angewiesen, weshalb Conan, seine Freundin Ran und deren Vater, der berühmte Privatdetektiv Mōri Kogorō das Pärchen auf das Eiland begleiten. Auf der Insel gibt es viele merkwürdige Gerüchte über Flüche und Meerjungfrauen – und als dann ein Mord geschieht, suchen die Bewohner von Bikuni in der Mythologie eine Erklärung für das Geschehene. In Teamarbeit müssen Conan und Heiji die Vorstellung des Mordes entzaubern.

Detective Boys sorgen für Auflockerung

In sonstigen Belangen bietet die neunte Serienbox eine gesunde Mischung aus allen Zutaten des funktionierenden Rezepts. Dem „schlafenden“ Kogorō gelingt es die Morde in Weinkellern, Tiefgaragen, Apartments oder auf Motorbooten nur aufzuklären, wenn Conan ihn vorher narkotisiert und dann seine Stimme mimt. Auch die Detective Boys sind mit von der Partie, klären zur Abwechslung innerhalb der Serie aber keine Morde auf. Unter anderem helfen sie einem ihrer Mitschüler aus der Grundschule, einen ominösen Mann zu überführen, der sich in die Familie des Jungen aus unbekannten Gründen eingeschlichen hat. Ulkigerweise gelingt es aber nicht Conan, den Fall zu lösen, sondern seinen Freunden, was wiederum zu einer der lustigsten Episoden mit den aberwitzigsten Sprüchen der kleinen Spürnase führt. Humor ist in der Anime-Serie aber ohnehin ein markanter Faktor, da selbst die müdesten Gags charmant präsentiert werden. Interessant ist erneut das Spüren des Zeitgeists der Jahre 2000 und 2001, denn während in einer Folge LaserDiscs erwähnt werden, spielt Conan in einer anderen Episode an einer Konsole mit kabelgebundenem Controller. Unter technischen Gesichtspunkten ist die Anime-Serie wieder gelungen. Nur die Folgen von Detektiv Conan rund um Phantomdieb Kaitō Kid stören wegen eines anderen Animationsstils mit gelegentlichem Kantenflimmern zu stark, was in Anbetracht des sonst guten Gesamtbildes aber zu verschmerzen ist.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf den Episoden 231 bis 254 der Serie): Mit dem furiosen Cliffhanger zwischen der siebten und achten Serienbox von Detektiv Conan hat die Anime-Serie die Messlatte für die künftige Erzählstruktur weit hochgelegt. In Anbetracht des bisherigen Gesamtbildes sind dies jedoch Erwartungen, die die Serie kaum in jeder Volume erfüllen dürfte – und so ist es auch direkt bei der neunten Serienbox gekommen. Stattdessen werden dem Zuschauer wieder einmal viele kleinere Fälle präsentiert, die aber immerhin ein wenig miteinander verzahnt sind. Auch die eigentliche Rahmenhandlung wird leicht ausgebaut und präsentiert mit der Englisch-Lehrerin Jodie Saintemillion einen neuen Charakter, der sicher auch in der zukünftigen Entwicklung von Detektiv Conan eine wichtige Rolle spielen dürfte. Ansonsten funktionieren die restlichen Episoden aber so, wie es der Zuschauer erwartet. Diesem wird also einmal mehr eine gesunde Mischung aus erinnerungswürdigen Fällen mit dem „schlafenden“ Mōri Kogorō, den stets gut gelaunten Detective Boys und den besten Freundinnen Mōri Ran und Suzuki Sonoko vorgesetzt, die er nicht mehr so schnell vergessen wird.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Detektiv Conan (Box 9, Episoden 231–254)!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s