Review: Fawlty Towers – Die komplette Serie

In den Jahren 1975 und 1979 entstanden die beiden Staffeln der britischen Comedy Fawlty Towers. Nachdem die zwölfteilige Serie hierzulande bereits 2006 auf DVD erschienen ist, entschied sich Publisher Polyband 2020 für eine Wiederveröffentlichung auf Blu-ray Disc.

Im malerischen Küstenstädtchen Torquay befindet sich das kleine und titelgebende Hotel Fawlty Towers, geleitet vom namensgebenden Manager Basil Fawlty und seiner Frau Sybil. Jede Episode der Serie beginnt mit dem typischen Alltag in einem Hotel. Langsam oder hektisch, aber immer mit einer gewissen Portion innerer Ruhe. Aufbauend auf diesem klar strukturierten Konzept kristallisiert sich von Minute zu Minute die Thematik der einzelnen Folge heraus, das zu behandelnde Problem wird dem Zuschauer mehr und mehr deutlich. Soll heißen, dass jede Episode losgelöst vom Rest steht und nur wenige Inhalte von Bedeutung für die weitere Handlung von Fawlty Towers sind. Wenn Basil versucht, mit einer Werbeanzeige den englischen Adel in sein kleines Hotel zu locken oder eine Gruppe Hotel-Inspekteure in Torquay unterwegs sind, dann hat das für spätere Episoden keinerlei Auswirkung. Nur sehr wenige Tatsachen werden beiläufig wieder erwähnt. Das beste Beispiel dafür dürfte wohl der Besuch der deutschen Touristen in der sechsten und letzten Folge der ersten Staffel sein. In der zweiten Season erwähnt Basil während einer Rattenjagd einem mit einer Schrotflinte bewaffneten Dauergast gegenüber, dass diese Woche keine Deutschen eingecheckt haben. So steht jede Folge ganz für sich und kann unabhängig vom Rest der Serie verstanden werden.

Ein ungleiches Paar

Daher fällt es in der Retrospektive schwer zu glauben, dass Fawlty Towers bei der ersten Ausstrahlung in Großbritannien keine guten Einschaltquoten vergönnt waren und sich die Serie erst mit der Zeit zu ihrem heutigen Kultstatus gemausert hat. Einen wichtigen Aspekt der britischen Comedy machen auch bei Fawlty Towers die Charaktere und ihre Schauspieler aus. Basil, gespielt vom legendären John Cleese, ist bemüht und zielstrebig, denn er will sein Hotel mit allen Mitteln positiv nach außen präsentieren, aber nicht ohne Eigennutz. Auch er selbst möchte aus seiner Rolle und seiner gesellschaftlichen Position ausbrechen. Andererseits wird er von seiner dominanten Frau Sybil in dieser Rolle festgehalten, was zu vielen Konflikten zwischen dem ungleichen Paar führt. Nach außen hin suggeriert die von Prunella Scales gespielte Sybil, dass sie in Wahrheit die und die noch sehr viel professioneller agierende Managerin ist, die sich aber mindestens genauso oft vor der Arbeit drückt und diese auf ihren Mann ablädt. Auch wenn sich der Zuschauer dadurch nicht selten fragen dürfte, warum Basil und Sybil überhaupt miteinander verheiratet sind, sorgt dieser Konflikt für weitere Absurditäten. In Fawlty Towers sorgen vor allem Missverständnisse und Verwechslungen für die jeweilige Rahmenhandlung der einzelnen Episoden. Das geht vor allem auf eine ganz besondere Sprachhürde zurück.

Lasten auf Schultern des Personals

Ein Hotel kann nicht von ein oder zwei Personen geleitet werden. Es benötigt Personal und dieses findet der Zuschauer auf der einen Seite im spanischen Kellner und Pagen Manuel und auf der anderen Seite in Kellnerin, Handwerkerin und Zimmermädchen Polly Sherman. Manuel, der vom 2016 verstorbenen Andrew Sachs verkörpert wird, ist dem Englischen nur wenig mächtig. Entsprechend bekommt er von Basil, Sybil und Polly die Anweisungen mit Händen und Füßen und sogar gezeichneten Bildern übermittelt. Dennoch missversteht er die Anweisungen, die sich im Ton, besonders von Basils Seite, von Minute zu Minute regelrecht in Befehle verwandeln. Polly, gespielt von Connie Booth, die zum Zeitpunkt der ersten Staffel im Übrigen mit John Cleese verheiratet war und sowohl die Serie als auch an den Figuren mitgeschrieben hat, ist hingegen die Vernunft des Hotels. Dennoch kommt sie nicht oft zu Wort, da sie von Basil häufig abgewürgt wird und dann entweder auf eigene Faust agiert oder die drohende Katastrophe zumindest teilweise geschehen lässt. In der zweiten Staffel von Fawlty Towers kommt des Weiteren der vom 1996 verstorbenen Brian Hall gespielte Koch Terry hinzu. Terry sorgt sich nicht um die Hygiene der Küche und bleibt auch dann die Ruhe in Person, wenn es schon gar nicht mehr angebracht ist – und das führt einmal mehr zu Konflikten mit Basil.

Grandiose Gags auf beiden Tonspuren

In puncto Humor gehen in Fawlty Towers viele Witze auf Kosten der anderen Figuren, was insbesondere über sarkastische oder gar zynische Kommentare vermittelt wird, die zudem nicht selten von Basil in den Raum geworfen werfen. Wer sich Fawlty Towers anschauen möchte, hat dabei die Wahl zwischen dem englischen Originalton und einer deutschen Synchronisation. Wer wirklich jeden Gag verstehen möchte, kommt um den Originalton auf keinen Fall herum. Das liegt daran, dass einige Witze schlichtweg nicht übersetzt werden können. Zu merken ist dies bereits in der ersten Episode: Wenn Basil Manuel darauf hinweist, dass zu viel Butter auf den drei Tabletts liegt, sagt er im Original „There is too much butter on those trays“. Manuel denkt wiederum, Basil würde auf Spanisch zählen und korrigiert seine letzten drei Worte mit dem Hinweis, dass die drei Zahlen „Uno, dos, tres“ ausgesprochen werden. Ein Gag, der im Deutschen so nicht funktioniert. Dennoch muss den Übersetzten zugutegehalten werden, dass so gut wie alle Witze eins zu eins ins Deutsche übertragen wurden und der Geist des Originals, bis auf besagte Ausnahmen, sehr gut erhalten bleibt. Experimente wurden hierbei glücklicherweise kaum bis gar nicht gewagt, sodass sich auch jeder Zuschauer, der Serien lieber synchronisiert anschaut, voll und ganz auf seine Kosten kommt, sofern bei ihm ein Faible für britischen Humor vorliegt.

Aus einer Zeit vor übertriebener Political Correctness

Ebenfalls sollte nicht vergessen werden, dass die Dialoge aus den 1970er-Jahren und die vorliegende Synchronisation aus den 1990er-Jahren stammen. Im Jahr 2020 würde es wohl kaum jemand wagen, ein weibliches Individuum wie aus der Luft gegriffen als „Luder“ abzuwerten – und für Manuels Rolle würde wohl ein gebürtiger Spanier verpflichtet werden. Fawlty Towers ist aus heutiger Sicht in gewisser Weise ein Produkt aus der Zeit vor übertriebener Political Correctness. Was viele außerdem nicht wissen, ist, dass es sogar mehrere deutsche Synchronfassungen von Fawlty Towers gibt. Nachdem die Serie zunächst im englischen Originalton im WDR und später einmal mehr in der ARD ausgestrahlt wurde, lief die Serie erstmals 1987 im DDR-Fernsehen synchronisiert. Wenige Jahre später war sie in der Bundesrepublik Deutschland 1990 auf RTL und 1996 schließlich auf Sat.1 zu sehen, wobei jeder einzelne Fernsehsender auch eine eigene Synchronisation in Auftrag gegeben hat. Sowohl die DVD-Fassung von 2006 als auch die Blu-ray-Version von 2020 sind aber lediglich mit der wohl bekanntesten Sat.1-Synchronisation aus dem Jahr 1996 ausgestattet. Das ist schon ein wenig bedauerlich, denn gerade das fortschrittliche Blu-ray-Format würde doch so viel Platz hergeben für die anderen beiden deutschen Vertonungen von Fawlty Towers und zudem die Türen für viele sprachliche Analysen und Vergleiche öffnen. Eine vertane Chance für Polyband.

Altersbedingte Schwächen

Dennoch kann sich die vorhandene deutsche Synchronisation von Fawlty Towers hören lassen. In dieser wird John Cleese von Thomas Danneberg gesprochen, der zum Beispiel auch Terrence Hill oder Arnold Schwarzenegger seine Stimme geliehen hat. Weiterhin sind hier Margot Rothweiler für Prunella Scales, Judith Brandt für Connie Booth und Michael Pan für Manuel zu hören. Letzteren Synchronsprecher kennen die meisten wohl als deutsche Stimme von Saul Goodman aus Better call Saul respektive Breaking Bad oder als Android Data aus Star Trek. Während die deutsche Tonfassung in DTS-HD Master Audio 2.0 vorliegt, handelt sich beim englischen Originalton altersbedingt um das Tonformat DTS-HD Master Audio 1.0, welches aber keinesfalls minderwertig wirkt. Jeder Schauspieler ist, nicht zuletzt aufgrund des überwiegend vorhandenen britischen Englischs, wunderbar zu verstehen. Aufgrund dessen, dass die Serie zur Veröffentlichung der Blu-ray-Fassung bereits 45 beziehungsweise 41 Jahre auf den Buckel hat, ist es nicht verwunderlich, dass das Bildformat in 4:3 vorliegt. Links und rechts gibt es entsprechend schwarze Balken, die aber keinesfalls stören. Die Serie wurde in puncto Bildqualität zwar überarbeitet, der Sprung von der DVD zur Blu-ray Disc ist aber sehr gering, sodass Unterschiede mit der Lupe gesucht werden. Hier wäre mehr möglich gewesen.

Fawlty Towers: Davor und danach

Herausragend ist das Bonusmaterial von Fawlty Towers, von dem einige Inhalte bereits auf den DVDs enthalten waren. Damit sind die drei Interviews der ersten Staffel gemeint, die mit John Cleese, Prunella Scales und Andrew Sachs geführt wurden. Während das Gespräch mit Prunella Scales lediglich acht Minuten dauert, fällt das Interview mit Andrew Sachs mit 25 und das Gespräch mit John Cleese mit 50 Minuten viel länger aus. Alle Interviews geben interessante Einblicke in die Produktion der Serie. Selbiges betrifft die 39 Minuten umfassenden Interviews der zweiten Staffel. Interessant ist auch das zwölfminütige Torquay Tourist Office, das mehr über das 2015 geschlossene Gleneagles Hotel verrät, in dem 1970 die Idee zu Fawlty Towers geboren wurde. Mit dem Cheap Tatty Review, einem einmütigen Sketch, und einer Handvoll Outtakes sorgen auch die Boni für Lacher. Schade nur, dass nicht mehr Outtakes enthalten sind, denn John Cleeses ungewollte Situationskomik ist einfach unschlagbar. Traurig ist das Easter Egg von der DVD, das die Brandschäden des Wooburn Grange Country Clubs zeigt, dem Gebäude, das für die Serie Pate stand. Dafür gibt es für jede (!) einzelne (!) Episode Audiokommentare von John Cleese, der das Geschehen gewohnt charmant und informativ kommentiert. Für die erste Staffel meldet sich auch der 2011 verstorbene Regisseur John Howard Davies zu Wort und bei der zweiten Staffel der 2008 verstorbene Regisseur Bob Spiers. Wohlgemerkt auch hier für jede einzelne und dreißigminütige Episode der Serie. Toll!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der DVD- und Blu-ray-Fassung): Die Serie Fawlty Towers hat mich schon vor vielen Jahren in ihren Bann gezogen als sie auf DVD veröffentlicht wurde. Auch auf der Blu-ray Disc hat sie nichts von ihrem Charme verloren. John Cleese spielt mit seiner typisch humorvollen Art einen bemühten Hotelbesitzer, dessen Vorhaben durch seine dominante Frau, zahlreichen Verwechslungen und Missverständnissen, die nicht zuletzt auf der sprachlichen Hürde zu seinem spanischen Kellner und Pagen Manuel basieren, aber stets torpediert werden. Von Minute zu Minute spielt sich das sehr kleine oder gar nicht erst vorhandene Problem zu einer derart großen Komplikation auf, aus der es weder für die Figuren noch für den Zuschauer ein Entkommen gibt – und das in jeder einzelnen Folge! In Fawlty Towers jagt zum Leidwesen der Hotelgäste eine Absurdität die nächste. Ein Psychiater, der im Hotel Ferien macht und sich nicht um die Probleme von Basil kümmern will, die für ihn durchaus vorhanden sein dürften, oder auch deutsche Touristen, bei denen Basil bei seinem Personal durchweg darauf pocht, keinesfalls den Krieg zu erwähnen und er es selbst andauernd den Deutschen gegenüber ausspricht, sind nur zwei dieser urkomischen Situationen, die den Stil von Fawlty Towers ausmachen. Auch wenn viele Wendungen vorhersehbar sind, sind sie es für Basil, Sybil, Manuel und Polly nicht, sodass die Farce in jeder Episode perfekt ist. Wer britischen und sarkastischen Humor mag, dem wird beim Anschauen des 1970er-Jahre-Serienklassikers kein Auge trocken bleiben!

Vielen Dank an Polyband für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Fawlty Towers – Die komplette Serie! 

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