Review: The Garden of Sinners: Epilog

Als im Jahr 2011 der siebte Teil der Anime-Filmreihe The Garden of Sinners von Kazé Anime veröffentlicht wurde, dauerte es sage und schreibe neun Jahre, bis der hiesige Publisher den Epilog endlich nachreichte. Dieser „beendet“ den Anime vor allem auf einer philosophischen Ebene.

Kara no Kyōkai, so der japanische Originaltitel von The Garden of Sinners, ist ein komplexes und kompliziertes Werk, das nicht leicht zu verstehen ist. Die Filme sind nicht chronologisch geordnet und dürften bei dem einen oder anderen Zuschauer für Kopfzerbrechen sorgen. Bei The Garden of Sinners: Epilog ist das anders, denn der 33-minütige Film verlangt regelrecht, dass der Zuschauer die sieben respektive acht vorherigen Kapitel bereits gesehen hat. Den Film Kara no Kyōkai: Mirai Fukuin ist man dem deutschsprachigen Publikum im Jahr 2020 übrigens noch schuldig. Inhaltlich konzentriert sich der Epilog auf ein Treffen zwischen den beiden Charakteren Ryōgi Shiki und Kokutō Mikiya – und zwar genau an der Stelle, an der sie sich schon im zweiten, aber chronologisch ersten Film getroffen haben. Mittlerweile sind vier Jahre vergangen und noch immer kann der Anime mit Überraschungen punkten. So erfährt Mikiya, dass in Shiki noch eine dritte Persönlichkeit existiert. Diese Person möchte ihm gar einen Wunsch erfüllen, den Mikiya jedoch ablehnt, da es ihm an nichts fehlt. Im Verlauf des Gesprächs wirft der Dialog zwischen den beiden Freunden einige philosophische Fragen auf. So fragt Shiki Mikiya beispielsweise, an welcher Stelle im Körper sich die Persönlichkeit eines Menschen befindet. So bleibt The Garden of Sinners auch im Epilog sehr tiefgründig.

Erneuter Abschluss im alten Gewand

Im Gegensatz zu den vorherigen Kapiteln, die an verschiedenen Handlungsorten spielen, beschränkt sich The Garden of Sinners: Epilog auf einen einzigen Schauplatz. So wirkt der Epilog eher wie eine Kurzgeschichte, die sich geistreichen Themen widmet. Studio Ufotable, das sich nach wie vor für das Projekt verantwortlich zeichnet, geht mit Fingerspitzengefühl den Fragen nach dem Menschsein nach. Das Animationsstudio setzt Körper, Geist und Seele mit Shikis facettenreicher Person gleich, was der inneren Geschlossenheit der Geschichte ein wenig mehr Ausdruck verleiht. Gestaltungstechnisch steht der Epilog den früheren Kapiteln in Nichts nach. Hübsch gezeichnete Umgebungen, ein plastisch wirkender Schneefall und das markante Charakterdesign, das an andere Ufotable-Werke wie Fate/Zero erinnert, ergeben zusammen genommen ein stimmiges Gesamtbild. Ergänzt wird dieses mit Klavierklängen und im Schlusslied sogar mit Gesang. Bei den Synchronsprechern hat sich Kazé Anime ein weiteres Mal auf Petra Barthel und Tobias Nath verlassen, die den beiden Figuren reichlich Leben verleihen. Wer sich den Anime lieber im japanischen Originalton ansieht respektive anhört, darf sich auf die Stimmen von Sakamoto Māya und Suzumura Ken’ichi freuen. In puncto Bonusmaterial ist ein Wendecover ohne USK-Logo leider das Höchst der Gefühle.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): The Garden of Sinners gehört definitiv zu den besten Werke der 2000er- und 2010er-Jahre. Obwohl in Japan mit dem Film Kara no Kyōkai: Mirai Fukuin bereits ein weiteres Kapitel in Anime-Form veröffentlicht wurde, ist es dennoch schön zu sehen, dass Kazé Anime das Werk von Studio Ufotable nicht vergessen hat und die Veröffentlichung im deutschsprachigen Raum fortführt. Mit The Garden of Sinners: Epilog wird die Geschichte zu einem interessanten, aber komplizierten Ende geführt, das zahlreiche philosophische Fragen aufwirft und sich mit dem Menschsein beziehungsweise der Persönlichkeit eines Individuums beschäftigt. Actionreiche Szenen sind im Epilog allerdings aus gutem Grund nicht zu sehen. Dieser besteht lediglich aus einem langen, fast schon ausufernden, aber immer noch tiefgründigen Gespräch zwischen Shiki und Mikiya. Deshalb ist der Epilog auch nur Fans respektive Kennern der Anime-Filmreihe zu empfehlen, die noch einen letzten Einblick in die Persönlichkeiten der Charaktere erhaschen und im gleichen Atemzug den reichhaltigen Stil des Animes in sich aufnehmen wollen. Alle anderen sollten die Filmreihe unbedingt von Anfang an erleben und so in den Genuss eines intelligent aufgebauten und immer spannender werdenden Abenteuers kommen.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von The Garden of Sinners: Epilog!

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